Zahnärzte wollen Regeln für Umgang mit Patienten in Corona-Krise

Erfurt .  Ohne die entsprechenden Hygiene-Artikel sei laut Kassenärztlicher Vereinigung eine flächendeckende, allgemeine zahnärztliche Versorgung nur schwer aufrecht zu erhalten

(Symbolbild)

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Foto: Patrick Pleul / dpa

Thüringens Zahnärzte drängen nach einem MDR-Bericht auf Anweisungen zum Umgang mit ihren Patienten während der Corona-Pandemie. Das Gesundheitsministerium müsse schnell entscheiden, ob Zahnarztpraxen generell geschlossen werden sollen oder nicht, sagte der Vize-Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Thüringens, Roul Rommeiß, MDR Thüringen.

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Außerdem werde Klarheit erwartet, ob Schmerzpatienten und Notfälle - insbesondere wenn die Patienten infiziert seien - zentral in Krankenhäusern mit Zahnstation oder weiterhin in den Praxen behandelt werden sollen.

Hintergrund ist das hohe Ansteckungsrisiko für das Praxispersonal - verbunden mit mangelhafter Ausstattung mit Schutzausrüstung. Ohne die entsprechenden Hygiene-Artikel sei eine flächendeckende, allgemeine zahnärztliche Versorgung nur schwer aufrecht zu erhalten, sagte Rommeiß. Bisher gilt für die Zahnärzte nach wie vor eine grundsätzliche Behandlungspflicht. Das Durchschnittsalter der Thüringer Zahnärzte liegt bei 55 Jahren. Damit gehören viele zur Risikogruppe von COVID-19.

Nach Angaben von Rommeiß ist derzeit eine Reihe von Praxen nicht in der Lage, die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts für die Behandlung von Infizierten und potenziell Infizierten zu erfüllen. Gleichzeitig sei es jedem Zahnarzt selbst überlassen, welche Leistungen er weiter anbiete und welche nicht. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Thüringen habe ihren Mitgliedern empfohlen, nicht dringend notwendige Behandlungen zu verschieben. Das damit verbundene unternehmerische Risiko trage jeder Zahnarzt selbst.

Für den Fall, dass bestellte Schutzkleidung geliefert werden könne, habe die Geschäftsstelle der Kassenzahnärzte eine 24-Stunden-Erreichbarkeit eingerichtet. Nach Angaben von Rommeiß steht die Entscheidung, wie die Ressourcen dann auf Krankenhäuser mit Zahnstation, Praxen im Notdienst und Praxen in der Allgemeinversorgung aufgeteilt werden, noch aus.

Um Patienten mit Schmerzen oder in Notsituationen weiter flächendeckend versorgen zu können, hätten die Thüringer Kassenzahnärzte inzwischen Praxisgruppen gebildet und öffneten abwechselnd. Der Bereitschaftsdienst in den jeweiligen Bereichen ist nach Angaben von Rommeiß für die kommenden acht Wochen doppelt besetzt worden. Wegen fehlender Schutzkleidung, Quarantäne, Erkrankungen oder Problemen bei der Rückreise aus dem Ausland seien inzwischen 54 der 1350 Thüringer Zahnarztpraxen geschlossen.

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