Cranach-Altar in Neustadt strahlt wieder in altem Glanz

Neustadt  Mit einem Festgottesdienst wird die Restaurierung des Kunstwerks in Neustadt zum Abschluss gebracht.

Annemarie Huhn, David Wagner, Ulrich Gallas sowie Annette Mentel (von links), Fachberaterin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, freuen sich, dass der Cranach-Altar in der Neustädter Stadtkirche wieder seine Pracht entfalten kann. Foto: Theresa Wahl

Annemarie Huhn, David Wagner, Ulrich Gallas sowie Annette Mentel (von links), Fachberaterin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, freuen sich, dass der Cranach-Altar in der Neustädter Stadtkirche wieder seine Pracht entfalten kann. Foto: Theresa Wahl

Foto: Theresa Wahl

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses Sprichwort könnte wohl nicht passender sein für den Cranach-Altar in der Stadtkirche St. Johannis zu Neustadt. Fünf Jahre aufwendige Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten werden am Sonntag, 23. Juni, mit einem Festgottesdienst abgeschlossen.

„Der Termin ist nicht zufällig gewählt. Der Altar wurde am Johannistag, dem 24. Juni, 1513 geweiht. Da wir ihn nicht an einem Montag in den liturgischen Gebrauch nehmen wollten, haben wir uns entschieden, dies am Vorabend seines 506. Geburtstags zu machen“, erklärt Ulrich Gallas, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Neustadt. Eine Altarweihe werde es übrigens nicht geben, unterstreicht er. „Denn der Altar ist nach seine Weihe 1513 nie entweiht worden.“

Das mehrjährige Projekt verfolgte das Ziel, den Cranach-Altar zu retten. An dem wertvollen Kunstwerk hatte der Zahn der Zeit genagt, der daher stark restaurierungsbedürftig war. Im Jahr 2014 hatte es zunächst eine restauratorische Voruntersuchung gegeben, außerdem wurde eine Restaurierungs- und Konservierungsempfehlung erarbeitet.

Im folgenden Jahr wurden eine strahlendiagnostische sowie weiterführende Untersuchungen durchgeführt.

Nach dem Abschluss dieser war die Liste der Mängel lang: konstruktive Schäden an den Stand- und Altarflügeln; Fassungslockerungen sowie ein partieller Schimmelbefall an den Skulpturen und am Altarschrein; starke, krustige Verschmutzungen; aktiver Holzwurmbefall.

Hinzu kamen ein uneinheitliches Erscheinungsbild verschiedener Fassungen, farbveränderte Retuschen sowie vergilbte Überzüge. Im nächsten Schritt wurde deshalb ein Konzept für die durchzuführenden Arbeiten erstellt, Probeflächen wurden angelegt und eine Kostenberechnung vorgenommen.

Im Jahr 2016 starteten schließlich die Arbeiten, an denen mehrere Restauratoren und Fachberater beteiligt waren. Die Fäden liefen bei Diplom-Restauratorin Annemarie Huhn zusammen, welche das Projekt leitete und koordinierte.

Im ersten Bauabschnitt erfolgte zunächst die Holzschädlingsbehandlung des Altars, der Chorraum wurde saniert sowie das Gesprenge konserviert und restauriert. 2017 wurde die Wandelbarkeit des Retabels konstruktiv verbessert, auch die Predella, der Schrein, die Schreinfiguren sowie der Standflügel wurden überarbeitet.

Ein Jahr später folgten Konservierung und Restaurierung der Altarflügel und der Schreinwächter, so dass der Altar in diesem Jahr schließlich wieder aufgestellt und die Wandelmechanik montiert werden konnten. „Die Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Neustadt hat Spaß gemacht.

Das Projekt war gut vorbereitet, der Gesamtfahrplan hat funktioniert und die Finanzierung hingehauen“, sagt Koordinatorin Annemarie Huhn anerkennend.

Geld von Staat, Kirche und vielen Spendern

Und auch David Wagner, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Neustadt, bringt seinen Respekt zum Ausdruck. „Ich bin froh, dass alles so gelaufen ist, wie es ist. An dem Projekt haben viele Menschen gemeinsam gearbeitet und vor allem nicht gegeneinander. Daher geht ein großes Lob an alle Beteiligten, besonders aber an Frau Huhn und Herrn Gallas, die die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirche durch ihr Engagement entlastet haben“, betont David Wagner.

Die Gesamtkosten für die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten des Cranach-Altars belaufen sich auf rund 390.000 Euro. Weitere 55.000 Euro wurden in die Sanierung des Chorraumes investiert. Realisiert werden konnte das Projekt durch Gelder von Bund, Land und Stadt sowie durch kirchliche Mittel. Auch Spenden wurden generiert, unter anderem durch ein Puzzle.

Mit jeder Fünf-Euro-Spende wurde eines von insgesamt 2000 Puzzleteilen eingesetzt, die in ihrer Gesamtheit ein Bild des Cranach-Altars zeigen. Des Weiteren wurde eine Crowd­funding-Aktion ins Leben gerufen, durch die weitere Gelder gesammelt wurden. „Man kann auch einen historischen Vergleich ziehen. Denn auch damals hat es Großspender und viele kleine Unterstützer gegeben, um den Altar zu finanzieren“, sagt Ulrich Gallas. Der Altar hatte seinerzeit übrigens 220 Gulden gekostet.

Mit dem Gottesdienst am Sonntag ab 14 Uhr wird die Restaurierung zum Abschluss gebracht. Bei den Feierlichkeiten findet unter anderem die Altaröffnung statt, zudem wird die Bachkantate „Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten“ gespielt.

Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Kirchgemeinde zu einem Hoffest ins Gemeindehaus ein. Dort klingt der Nachmittag mit Livemusik aus, so wird etwa der Gospelchor „Something Red“ auftreten.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.