Gebärdensprache zwischen Mensch und Gott: Verkündigung mit den Händen im Kirchenkreis Schleiz

Neustadt/Gera  Pfarrer Andreas Konrath aus Schönborn ermöglicht hörgeschädigten Christen im Kirchenkreis Schleiz Gemeinschaft im Glauben. In Gebärdensprache kommuniziert er mit den Menschen und Gott.

Pfarrer Andreas Konrath aus Schönborn bei Triptis während seiner Predigt mit Gebärdensprache im Adventsgottesdienst für Gehörlose im Joliot-Curie-Heim in Gera. Seit 1. September 2015 hat der Pfarrer eine 25-prozentige Dienststelle in der Gehörlosenseelsorge im Kirchenkreis Schleiz inne. Die Stelle ist zunächst auf sechs Jahre befristet. Foto: Sandra Hoffmann

Pfarrer Andreas Konrath aus Schönborn bei Triptis während seiner Predigt mit Gebärdensprache im Adventsgottesdienst für Gehörlose im Joliot-Curie-Heim in Gera. Seit 1. September 2015 hat der Pfarrer eine 25-prozentige Dienststelle in der Gehörlosenseelsorge im Kirchenkreis Schleiz inne. Die Stelle ist zunächst auf sechs Jahre befristet. Foto: Sandra Hoffmann

Foto: zgt

„Die Arbeit mit gehörlosen Menschen ist visuelle Verkündigung“, sagt Pfarrer Andreas Konrath. Und so beginnt ein Gottesdienst für gehörlose Menschen mit Lichtzeichen statt mit Glockenläuten, werden im weiteren Verlauf die Lieder gebärdet statt gesungen und die Predigt durch Gestik, Mimik, lautlos gesprochene Worte und die Körperhaltung ausgedrückt.

„Die Gebärdensprache ist eine vollwertige Sprache“, erklärt Andreas Konrath, der seit 1. September eine Kreispfarrstelle für Gehörlosenseelsorge mit einem Dienstumfang von 25 Prozent im Kirchenkreis Schleiz inne hat. Über Jahre war die Gehörlosenseelsorge im Kirchenkreis vakant. Jetzt aber wird sie durch Andreas Konrath aus Schönborn bei Triptis, der zu 75 Prozent Pfarrer für die Gehörlosenseelsorge in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist, wiederbelebt.

Gebärdensprache im Zivildienst gelernt

Die Gebärdensprache, eine durch die Hände produzierte und damit sichtbare Sprache, hat Andreas Konrath während seines Zivildienstes erlernt. Diesen leistete er, weil er gern für und mit Menschen tätig sein wollte, in der Berufsbildungswerk Leipzig für Hör- und Sprachgeschädigte gGmbH, deren Gesellschafter unter anderem das Diakonische Werk Sachsen/Innere Mission Leipzig ist. Hier war er im Freizeitbereich und in der Jugendarbeit eingesetzt und lernte so über die Jugendlichen, die zur Kommunikation ihre Hände benutzten, die Gebärden. Über neun Monate erstreckte sich der Zivildienst damals noch und bot damit einige Zeit, um diese Sprache zu lernen. Sie ist in ihrer Ausdrucksform intensiver als die gesprochene Sprache. Vor allem die Mimik sei ein ganz wesentlicher Bestandteil, denn ob es sich um einen Frage- oder einen Aussagesatz handelt, lasse sich nur über die Mimik vermitteln, sagt Andreas Konrath.

Ganz und gar nicht absehen ließ sich damals für ihn, dass die Gebärdensprache einmal beruflich für ihn Bedeutung haben könnte. Als jedoch die Pastorin für die Gehörlosenseelsorge in Thüringen, Waltraud Trappe, in Rente ging und die Ausschreibung der Stelle zur Neubesetzung ergebnislos blieb, entdeckte ein Mitarbeiter der Personalabteilung, dass Andreas Konrath Erfahrungen auf diesem Gebiet hat. Im Jahr 2007 war das. „Ich war damals Vikar und bin nach Gera entsandt worden. Hier habe ich meine Stammgemeinde“, berichtet er.

In der Volkshochschule belegte er Kurse, um seine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. „An meiner Gebärdensprache war zu sehen, dass ich aus Leipzig kam“, machte er dabei die Erfahrung, dass sich auch Dialekte in Gebärden ausdrücken. Weitere Kurse besuchte er bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge.

Heute ist Andreas Konrath einer neben zehn Gehörlosenseelsorgern in der EKM. Ausschließlich Gehörlosengemeinden betreut er. „Die Vorbereitung eines Gehörlosengottesdienstes ist aufwendiger als bei anderen Gottesdiensten, weil die Gebete, die Lesungen und die Predigt in Gebärden übersetzt werden müssen. Das bedeutet einen großen Zeitaufwand“, erläutert er.

„Gehörlose haben ihr eigenes Glaubensleben. Sie haben ihre eigene Kultur und diese könnten sie nirgendwo mehr leben, wenn sie nur in ihre Ortsgemeinden gehen“, macht er außerdem deutlich. Das haben in den vergangenen Jahren auch die gehörlosen Menschen im Kirchenkreis Schleiz erfahren. Von den hier vorhandenen Angeboten waren sie weitgehend ausgeschlossen und war ein Dolmetscher dabei, übersetzte dieser lediglich die Worte des Pfarrers, feierte aber nicht Gottesdienst mit den Menschen, kommunizierte also nicht mit ihnen und Gott in Gebärdensprache. Einen Gottesdienst mit Gebärdensprache habe es im Kirchenkreis lange nicht gegeben.

„Es gibt viele Menschen, die auf diese Kommunikationsform angewiesen sind“, informierte Andreas Konrath auf der jüngsten Tagung der Kreissynode in Neustadt. Ein besonderer Bedarf für die Begleitung hörgeschädigter Menschen ergibt sich im Kirchenkreis Schleiz schon aufgrund des Standortes Schleiz des Herbert Feuchte Stiftungsverbundes, der hier vor allem hörgeschädigte Menschen betreut und fördert. Sechs Wohneinrichtungen für Gehörlose gibt es in Schleiz.

Die Arbeit der Gehörlosenseelsorge im Kirchenkreis Schleiz umfasst den sich derzeit auf etwa vier Wochenstunden belaufenden Religionsunterricht in der Förderschule des Herbert Feuchte Stiftungsverbundes, die Sammlung und Begleitung gehörloser Menschen im Kirchenkreis und ihrer Angehörigen, das Mitgestalten von überregionalen Gottesdiensten im Kirchenkreis sowie von Gottesdiensten und Kasualien in Kirchengemeinden, an denen gehörlose Menschen beteiligt sind.

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