In Camburg werden Pfeifen geputzt

Camburg  2013 ist der Startschuss für das große Orgelprojekt der Camburger Stadtkirche gefallen. Nach der Planung hat diese Woche der Ausbau der Orgelpfeifen begonnen. Viele Camburger packen mit an.

Eine von insgesamt acht Windladen wird in der Camburger Kirche auseinandergebaut. Viele ehrenamtliche Helfer packen mit an. Foto: Annett Eger

Eine von insgesamt acht Windladen wird in der Camburger Kirche auseinandergebaut. Viele ehrenamtliche Helfer packen mit an. Foto: Annett Eger

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In einer Waschstraße werden Autos gewaschen, doch was passiert in einer Orgelpfeifenwaschstraße? Was sich dahinter verbirgt, konnten die vergangenen Tag die Camburger an der Stadtkirche miterleben. Seit Dienstag haben ehrenamtliche Helfer, die Pfeifen der Camburger Poppe-Orgel zu putzen. Mit Luftdruck, Zahnbürsten und Putztüchern ausgestattet, rücken sie dem Staub der vergangenen Jahrzehnte zu Leibe.

Bis die Pfeifen jedoch erstmal auf den Tischen vor der Kirche liegen, müssen sie Register für Register ausgebaut werden. Das geschieht unter Regie von Orgelbauer Axel Thomaß von der Orgelwerkstatt Voigt aus Bad Liebenwerda. Er dokumentiert jede einzelne Pfeife per Computer.

Sind die Pfeifen gereinigt, werden sie zurück in die Kirche getragen. Im Kirchenschiff und auf der Empore waren gestern alle Sitzbänke mit Orgelpfeifen belegt. „Eigentlich wollten wir sie sofort verladen. Die Hitze jedoch macht uns einen Strich durch die Rechnung“, erklärt der Orgelfachmann. Die derzeit hohen Temperaturen könnten Spannungsrisse im Holz verursachen, auch die Naturverleimung könnte Schaden nehmen.

Verladen werden die insgesamt 2202 Pfeifen allesamt am Freitag, kündigt Thomaß an. Beeindruckt zeigte er sich gestern vom großen Engagement der Camburger. Die putzten nicht nur an der Waschstraße, sie bewiesen auch echte Muskelstärke. Allein gestern mussten acht Windladen ausgebaut werden. Jede einzelne bringt an die 130 Kilogramm auf die Waage. Gut 20 Camburger scheuten sich nicht, hier mit anzupacken und damit die Kosten für die Kirchgemeinde zu mindern.

Das ganze nächste Jahr werden die Pfeifen in der Werkstatt bleiben. „Wir werden stark ramponierte Pfeifen aufarbeiten und fehlende rekonstruieren. Die Windladen werden beispielsweise komplett erneuert“, sagt Axel Thomaß, für den die Camburger Orgel ein echtes Großprojekt darstellt. 2017 sollen die Pfeifen wieder zurückkommen und eingebaut werden. „Erstes Ziel ist es, die Orgel mit 19 Registern wieder bespielbar zu machen“, erklärt er.

Geplant ist ein Neubau der Orgel unter Verwendung der wertvollen Poppe-Pfeifen von 1885. „Die Pfeifen sollen dabei wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt werden. Somit bildet die Poppe-Orgel von 1885 das klangliche Rückgrat der neuen Orgel“, erklärte Constanze Bischoff von der Kirchgemeinde. Um Musik aller Epochen spielen zu können, werden einige Register hinzu gebaut. Außerdem wird die Orgel ein drittes Manual erhalten, ein so genanntes Solowerk mit besonderen Klangfarben.

Dass der erste Bauabschnitt jetzt starten kann, daran haben die Camburger großen Anteil. Gelungen ist es, über viele Aktionen in den vergangenen Jahren 260 000 Euro zu sammeln. „Rund 115 000 Euro werden noch benötigt. Ein weiterer Orgelbrief wird deshalb in den nächsten Tagen in ganz Camburg verteilt“, kündigt sie an.

Von einem besonderen Projekt spricht Annerose Frank, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates in Camburg. Zur Orgel hat sie eine besondere Beziehung: Sie weiß noch, dass die Orgel 1967 den Standort von der obersten auf die erste Empore wechselte. „Weil es keine Orgel gab, konnten wir damals nicht in Camburg heiraten“, erzählt sie. Eine Hochzeit gab es trotzdem, in Niederzimmern bei Weimar..

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