Valentinstag - Tag der Liebe und des Umsatzes

Am Montag ist Valentinstag, und niemand kann sagen, er hätte es nicht gewusst. Ein Bummel durch die Stadt verrät, dass nahezu jedes Geschäft und jeder Laden diesen wunderbaren Tag zum Anlass nimmt, seinen Umsatz anzukurbeln.

Erfurts Weihbischof: Dr. Reinhard Hauke

Erfurts Weihbischof: Dr. Reinhard Hauke

Foto: zgt

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Es gibt Herzkissen, Fotogeschenke, Schokolade mit Namenszug. Es gibt Candle-Light-Dinner mit und ohne Übernachtung, es gibt Kuscheldecken, Wohlfühlpakete, Liebeslose, Edelsteine, Fotopuzzle in Herzform, Schmuck, Parfüms en masse, Rosen-Badelichter, Toaststempel, personalisierte Liebesromane, Badewannenbuttler, Wellnessgutscheine für die Dame, Erlebnisgutscheine für den Herren. Und es gibt die Floristikbranche, bei der es zum Muttertag, dicht gefolgt vom Valentinstag, gehörig in den Kassen klingelt.

Fest steht, man kann sich am Valentinstag dem Geschenke Verschenken kaum entziehen. Denn die Erwartungshaltung der oder des Liebenden ist gemeinhin so groß, dass man sich wohl umständlich erklären müsste, würde man den Valentinstag gänzlich ignorieren.

Weniger klar ist dagegen, wieso wir den Valentinstag feiern, und wo der tatsächliche Ursprung zu suchen ist. Das Internet mit über 23 Millionen Einträgen zum Thema Valentinstag macht nicht schlauer. Also hat sich die OTZ direkt an die Katholische Kirche des Bistums Erfurt gewandt.

Der Valentinstag beruft sich auf Sankt Valentin, dessen Gedächtnis am 14. Februar begangen wird. Allerdings gibt es bis heute keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Valentinsbrauchtum und dem Heiligen. Ganz so einfach ist der Wirrwarr dann auch von der Katholischen Kirche nicht aufzulösen. Denn über die Jahrhunderte haben sich Legenden und Ereignisse untrennbar miteinander vermischt. Und je älter die Legenden, desto blumiger wurden sie. Die historische Beweisführung scheint mittlerweile zu kompliziert, da es mindestens drei Theorien über die Existenz eines Valentins gibt.

Laut einer Überlieferung war Valentin von Rom ein armer, ehrsamer Priester, der ein blindes Mädchen geheilt haben soll. Hilfe und Trost Suchenden schenkte er Blumen aus seinem Garten, und trotz eines Verbotes von Kaiser Claudius II. soll er Liebespaare nach einem christlichen Zeremoniell getraut und obendrein in Partnerschaftskrisen geholfen haben. Der wahre Grund für sein Martyrium soll aber seine Verweigerung gewesen sein, vor dem Kaiser ein Standbild anzubeten. Die Enthauptung Valentins am 14. Februar 269 war dann die Antwort des Kaisers. Eine Bischofsliste aus dem Jahr 354 dokumentiert den Bau einer Basilika mit seinem Namen in der Via Flamina unter dem römischen Bischof Julius I. Dort gibt es heute die Katakomben des Valentin, ebenso wie Reliquien in der Kirche St. Maria in Rom zu besichtigen. Erwähnt wird allerdings auch ein Valentin von Terni, Bischof und ebenfalls als Märtyrer enthauptet. Ob es sich dabei um ein und den selben Valentin gehandelt hat, oder ob es tatsächlich zwei Märtyrer gleichen Namens und gleicher Herkunft gegeben hat, bleibt ungeklärt.

Doch den Brauch, den Valentinstag als Tag der Liebenden zu begehen, geht auf den Festtag für die römische Göttin Juno zurück. Ihr zu Ehren, der Beschützerin von Ehe und Familie wurde dieser Tag mitten im Februar, an dem auch die Paarungszeit der Vögel beginnt, gefeiert. Die Römer beginnen das Fest, indem die Frauen ihre Namen auf Papyrusstreifen schrieben und sie von jungen Männern ziehen ließen. Die Christen änderten diesen Brauch, indem sie Zettelchen mit den Namen Heiliger und kurzen Predigten unters Volk brachten. Dadurch entwickelte sich Valentin zum Schutzheiligen der Liebenden.

Neben Frankreich, Belgien und England im 14. Jahrhundert begann sich der Valentinstag nach der Auswanderung auch in Amerika zu etablieren. Und dies sogar stärker als in Europa. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges brachten die Amerikaner den Brauch nach Deutschland. "In der Form wie heute ist der Valentinstag in Ostdeutschland erst nach der Wende angekommen. Vorher gab es schlichtweg kaum Blumen, Parfüm und Pralinen oberhalb des Ladentisches", erinnert sich Dr. Reinhard Hauke, Weihbischof im Bistum Erfurt. Er ist nicht böse um diese kommerzielle Entwicklung, stellte sich doch für ihn dadurch immer häufiger die Frage, warum die Kirche den Tag zur Ehrung ihres Heiligen nicht feiert. "Wenn doch die Menschen schon den Valentinstag begehen, die nicht in die Kirche gehen, haben die Christen erst recht einen Grund dafür."

Am 14. Februar 2000 hielt Reinhard Hauke, damals noch als Dompfarrer in Erfurt, gemeinsam mit einer evangelischen Kollegin den ersten "Ökumenischen Segnungsgottesdienst für alle Menschen, die partnerschaftlich unterwegs sind" in der Lorenzkirche ab. Diese Tradition und der etwas sperrige Titel ist geblieben. Ob verheiratet oder nicht, ob Christen oder Nichtchristen – in Erfurt stehen am Valentinstag um 20 Uhr die Kirchentüren von St. Lorenz für alle Paare, Freunde und Interessierte offen, um sich der gemeinsamen Liebe und Partnerschaft erneut bewusst zu werden, Gottes Schutz und Beistand zu erbitten und sich segnen zu lassen.

Die Erfahrung des Weihbischofs der letzten Jahre hat gezeigt, dass zum Segnungsgottesdienst in Erfurt meist um die 130 Menschen kommen – mitunter von weit entfernt. Doch mittlerweile haben Gemeinden in allen deutschsprachigen Ländern und natürlich auch in Ostthüringen das Gottesdienstmodell übernommen.

Das Wissen über Partnerschaft, wie man sie pflegt und erlebt, sei in unserer Zeit recht dürftig, bedauert der Weihbischof. Und so ist es ein fester wie beliebter Bestandteil des Gottesdienstes, Paare erzählen zu lassen, wie sie ihre teils schon über Jahrzehnte dauernde Ehe mit allen Höhen und Tiefen erleben. "Besonders für junge Menschen am Anfang eines gemeinsamen Weges ist es wichtig zu wissen, dass man durchaus bis zur Goldenen Hochzeit glücklich sein kann", betont Dr. Reinhard Wanke.

Eines dieser Paare ist das Ehepaar Hülfenhaus aus Gotha. Seit 13 Jahre sind die beiden glücklich verheiratet, haben vier Kinder zwischen einem und acht Jahren. Matthias Hülfenhaus arbeitet selbst als Gemeindereferent für die Katholische Kirche in Erfurt, seine Frau Manuela (33) ist im Gothaer Finanzamt tätig, wegen der Kinderbetreuung aber momentan zu Hause. "Als sich vor einigen Jahren vom Referat Familienseelsorge die Gelegenheit bot, habe ich mich zum Familientrainer ausbilden lassen", erzählt der 40-Jährige und steht nun anderen Paaren in allen Fragen der Partnerschaft und Kindererziehung beratend zur Seite.

Anlässlich des Valentinstags kann er freilich kein Patentrezept für glückliche Beziehungen anbieten, aber durchaus einige Tipps: "Man sollte als Paar immer im Gespräch miteinander bleiben über die Dinge, die einen beschäftigen. Es geht dabei nicht um organisatorische Fragen, beispielsweise, ob noch Butter da ist, sondern darum, wie es dem Partner geht", erzählt Matthias Hülfenhaus. Dabei sollte jeder nur das erzählen, was er möchte und der Partner nicht bohren. Vor allem sollte man im Gespräch bei sich bleiben, statt dem anderen zu sagen, wie er sei – schlimmstenfalls noch mit dem Wörtchen "immer". "Damit bringt man den anderen in die Situation, dass er sich verteidigen muss."

Gemeinsam hat das Ehepaar Hülfenhaus vor einigen Jahren das Buch "Die fünf Sprachen der Liebe – Wie Kommunikation in der Ehe gelingt" als hilfreichen Ratgeber für sich entdeckt. Zum Gottesdienst am Valentinstag wollen sie dieses Buch vorstellen – nicht zuletzt, weil darin die These vertreten wird, dass jeder Mensch seine eigene Art hat, Liebe zu schenken und zu erfahren. Doch dessen muss sich ein Paar erst bewusst werden. "Meiner Frau kann ich durch Hilfsbereitschaft den größten Liebesbeweis erbringen", erzählt der Familienvater Hülfenhaus. Wenn er beispielsweise abends nach getaner Arbeit die Zubereitung des Abendessens und die Kinderbetreuung übernimmt und der vierfachen Mutter etwas Zeit und Ruhe für sich schenkt. Und das ist doch ein wunderschönes, unbezahlbares Valentinsgeschenk.

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