Zwei Gründe zum Feiern in Camburg: Orgel in Stadtkirche soll nächstes Jahr geweiht werden

Camburg  Wenn im nächsten Jahr vielerorts 500 Jahre Reformation ­gefeiert wird, haben die Camburger noch einen Grund zur Freude. Am Reformationstag soll die Orgel in der Stadtkirche geweiht werden.

2202 der Insgesamt 3700 Pfeifern der Camburger Orgel befinden sich derzeit in der Werkstatt in Bad Liebenwerda. Foto: Annett Eger

2202 der Insgesamt 3700 Pfeifern der Camburger Orgel befinden sich derzeit in der Werkstatt in Bad Liebenwerda. Foto: Annett Eger

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Den derzeit viel zitierten Satz „Wir schaffen das!“, will Pfarrer Michael Greßler nicht weiter strapazieren. Dass aber die neue Camburger Orgel im nächsten Jahr erklingen wird, „ist zu schaffen“, davon ist er überzeugt. Ebenso davon, dass die Kirchgemeinde für die Finanzierung keinen Kredit aufnehmen muss. Noch fehlen rund 48000 Euro, erklärt er. Insgesamt werden für das Camburger Orgelprojekt rund 400 000 Euro benötigt.

Grund für den Optimismus gibt dem Pfarrer die große Spendenbereitschaft vieler Camburger und vieler Orgelfreunde. Sie haben in den vergangenen Jahren bereits einen Großteil des Geldes zusammengetragen. Außerdem sind 55000 Euro von der Landeskirche und 6000 Euro über Lottomittel geflossen. Jüngst konnte sich der Pfarrer über eine weitere Spende freuen. Bereits das zweite Mal hat sich die Sparkasse Jena-Saale-Holzland an dem Orgelbauprojekt beteiligt. Sie stellte ihre alljährliche Kalenderaktion für die Sanierung zur Verfügung. Camburgs Filialleiter Jens Tischendorf überreichte dem Pfarrer 600 Euro, die Kunden gespendet hatten. „Das Interesse für die Orgel ist ungebrochen, deshalb war es uns wichtig, mit einer zweiten Aktion nachzulegen“, erklärte Tischendorf. Gespannt ist auch er, wann in der Stadtkirche neue Orgelklänge ertönen werden.

Geht es nach dem Pfarrer, dann gibt es für die Orgelweihe schon ein konkretes Datum. Zum Reformationstag 2017 soll die Königin der Instrumente in der Stadtkirche erklingen.

Noch allerdings ist daran nicht zu denken. 2202 der insgesamt 3700 Orgelpfeifen werden derzeit in der Orgelwerkstatt Voigt in Bad Liebenwerda aufgearbeitet. „Die Differenz wird durch vollkommen neue Pfeifen ersetzt“, kündigt der Pfarrer an.

Fest steht jetzt, dass der Orgelbau gleich in einem Ritt bewerkstelligt wird. Anfangs war man von mehreren Bauabschnitten ausgegangen, erklärt Michael Greßler. „Jetzt sind wir übereingekommen, alle notwendigen Arbeiten auf einmal anzuschließen. Das kann uns Kosten in Höhe von rund 15 000 Euro sparen“, sagt er.

Intonation übernehmen Spezialisten

Vorgesehen ist ein Neubau der Orgel unter Verwendung der wertvollen Poppe-Pfeifen von 1885. Die Pfeifen sollen dabei wieder ihrer ursprünglichen Funktion zugeführt werden. Somit bildet die Poppe-Orgel von 1885 das klangliche Rückgrat der neuen Orgel. Um Musik aller Epochen spielen zu können, werden einige Register hinzu gebaut. Außerdem wird die Orgel ein drittes Manual erhalten, ein so genanntes Solowerk mit besonderen Klangfarben, sagt Greßler.

Nach jetzigem Plan werden bereits Ende des Jahres die Pfeifen in der Kirche eingebaut. Im Frühjahr 2017 wird begonnen, das neue Instrument zu stimmen. „Für die richtige Intonation sind absolute Spezialisten am Werk. Jede Werkstatt will damit seine Handschrift hinterlassen“, erklärt der Pfarrer.

Luftdruck, Zahnbürsten und Putztücher

Hoch erfreut ist Michael Greßler nicht nur über die große Spendenbereitschaft, sondern auch über das Engagement in der Stadt und der Umgebung für die Orgel. Unvergessen ist beispielsweise die große Aktion vom vergangenen Sommer. Mit Luftdruck, Zahnbürsten und Putztüchern ausgestattet, waren ehrenamtliche Helfer dem Staub der vergangenen Jahrzehnte zu Leibe gerückt. Vor der Camburger Stadtkirche hatten sie eine Pfeifen-Waschstraße aufgebaut. Die Pfeifen konnten dabei nicht sofort verladen werden. Nach der Putzaktion wanderten sie zurück in die Kirche. Grund war die Hitze Anfang Juli 2015. Orgelbauer Axel Thomaß befürchtete, dass durch die hohen Temperaturen Spannungsrisse im Holz entstehen könnten, auch die Naturverleimung hätte Schaden nehmen können.

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