Ärger trübt Idylle: Gössitz will touristische Infrastruktur ausbauen

Gössitz  Die geplante Wasserleitung zum Campingplatz Neumannshof soll den Weg für einen Bebauungsplan frei machen, der wiederum Ordnung bringen soll

Der Bürgermeister von Gössitz, Sandro Schindler, ist erfreut über die geplante Saale-Brücke, doch wilde Bootsanlegestellen am Stausee sind ihm ein Dorn im Auge.

Der Bürgermeister von Gössitz, Sandro Schindler, ist erfreut über die geplante Saale-Brücke, doch wilde Bootsanlegestellen am Stausee sind ihm ein Dorn im Auge.

Foto: Marcus Pfeiffer

„Unsere Gemeinde hat ein positives Erscheinungsbild“, findet der Gössitzer Bürgermeister Sandro Schindler. Die 300-Seelen-Gemeinde am Thüringer Meer ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück.

Stolz sei man auf einen seit Jahren ausgeglichenen Haushalt. Auch der für 2019 ist schon seit einigen Wochen in Sack und Tüten. Darin enthalten ist das dringlichste Projekt: Eine öffentliche Wasserleitung zum ­Campingplatz Neumannshof am Hohenwartestausee.

Die tatsächliche Höhe der vorzuhaltenden finanziellen Mittel ist dennoch völlig unklar. Schindler fragt sich, ob sich die Gemeinde das Projekt am Ende überhaupt leisten kann.

„Die Kommunalaufsicht sitzt uns im Nacken, denn der Pächter ließ damals in Eigeninitiative eine Leitung legen, ohne finanzieller Beteiligung der Gemeinde“, erklärt Schindler. Er bezeichnet dies als Fehler, denn das ver­hindere bis heute einen Be­bauungsplan (B-Plan) für den Campingplatz. Eine öffentliche Versorgungsleitung sei der erste Schritt, um jenen Plan zu er­stellen. Denn in drei Jahren laufe der Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Gössitz und dem Pächter Reinhard Schniz aus Saalfeld ab. Ob es eine Verlängerung geben wird, sei noch völlig unklar.

Es sind bereits Probeschachtungen durchgeführt worden. Auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke könnten 2019 erste Bauarbeiten stattfinden. „Auf dem Flurstück zwischen Linkenmühle und Gössitz liegen bereits Rohre und für die Planungen bis Neumannshof ist der Zweckverband Wasser und Abwasser Orla beteiligt“, sagt der Bürgermeister.

Seit Jahren kämpfe man für den B-Plan, um mehr Kontrolle über die Bebauung am Stausee zu haben. „Derzeit besteht nur eine Duldung, weil keine öffentliche Erschließung des Campingplatzes besteht“, erklärt er.

Genehmigungspflichtige Umbauten und Vergrößerungen der bestehenden Datschen werden rigoros abgelehnt, doch manch ein Laubenbesitzer setze sich einfach darüber hinweg. „Es kommt immer raus“, sagt Schindler. „Wenn mir etwas zu Ohren kommt, gibt es keine Diskussionen. Ich leite das sofort ans Baumamt der Verwaltungsgemeinschaft weiter“, sagt er. Und dann werde konsequent zurückgebaut. Uneinsichtige gebe es immer wieder: Momentan würden „mehr als fünf Verfahren“ laufen. Und generell heißt es: Es gibt keine Neubauten, bevor keine Sicherheit durch einen Bebauungsplan existiere.

Das gilt übrigens auch für ein weiteres Ärgernis: Wie die OTZ berichtete, sind die Ufer am Hohenwartestausee voll mit Bootsanlegestellen, so auch im Gössitzer Bereich. Einige davon seien bereits herrenlos. Schindler: „Man braucht nur zu gucken: Es gibt Stege ohne Nummern. Ganz klar, das sind Schwarzbauten.“ Er habe das Gefühl, jeder würde bauen wie er wolle. Auch hier lehne man die Bauanträge ab. „Wir wollen erst einmal Ordnung hinein bringen“, lautet sein Ziel.

Ein weit größeres Bauwerk begrüßt er allerdings mit offenen Armen – die vielfach seit Jahrzehnten gewünschte und geplante Brücke über die Saale. Sie soll bekanntermaßen Altenbeuthen am südlichen Ufer und Gössitz beziehungsweise die Nachbargemeinde Paska am nördlichen miteinander verbinden. „Bevor Wanderwege für die Touristen gebaut werden, muss erst die Brücke her. Lieber gestern als morgen!“

Er argumentiert: Bis März liegt die Mühlenfähre wohl noch auf dem Trockenen. Und wenn sie über die Saale schippere, dann nur bis 20 Uhr. Die Brücke sei eine langfristige Investition. Er glaubt, dass sie ein Impuls für die touristische Entwicklung der Region sei. „Das steigert selbst die Kaufkraft in Pößneck.“

Ein dreiviertel Jahr sei um und er würde keine wirklichen Fortschritte vernehmen. Er bekomme bundesweit Anrufe: „Die Leute erkundigen sich nach dem aktuellen Stand der Dinge. Ich kann ihnen leider nichts sagen. Es liegt nicht in unserer Hand.“

Meine Meinung

Kurz & Knapp

Gössitz wurde im Jahr 1108 mit dem slawischen Namen „gozd“ oder „goozd“, was in etwa „Bergwald“ heißt, erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1644 ist es unter dem heutigen Namen bekannt. Das Dorf gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Ziegenrück und kam nach dessen auf dem Wiener Kongress beschlossenen Abtretung an den preußischen Landkreis Ziegenrück, zu dem der Ort bis 1945 gehörte.

Die Gemeinde hat momentan etwa 300 Einwohner und gehört der Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück an. Kleinere Unternehmen, 150 Hektar Gemeindewald und der Campingplatz Neumannshof be-scheren Gössitz gute Steuerein­nahmen.

Von 1998 bis 2001 befand sich der Ort in der Dorferneuerung und hübschte sich nachhaltig auf. 2018 leistete man sich – ungeplant – ein Gemeindefahrzeug im Wert von 14.000 Euro, weil das alte den TÜV nicht mehr bestand.

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