Als an den Jenaer Burgaupark noch niemand dachte

Wie sich das Gebiet zwischen Winzerla und Lobeda entwickelte erzählt unsere OTZ-Zeitreise durch Jena

Gleiche Ansicht heute. Die grüne Wiese ist längst Geschichte. Statt dessen entstand ein Verkehrsknoten für die Stadt.
Foto:Heinz Voigt

Gleiche Ansicht heute. Die grüne Wiese ist längst Geschichte. Statt dessen entstand ein Verkehrsknoten für die Stadt. Foto:Heinz Voigt

Foto: zgt

Jena. Wäre nicht der charakteristische Felsen des Johannis­berges im Bild, niemand würde heute erkennen, dass es sich um die Gegend zwischen Burgau und Lobeda handelt, aufgenommen von der Eisenbahnbrücke im Sommer 1935 vom Meisterfotografen Herbert Kieseler mit einer 6x6-Spiegelreflexkamera. Die Straße von Winzerla nach Lobeda im charakteristischen Beton der Reichsautobahnen war noch nicht ganz fertig, aber schon verkehrten Autos, die sich zuvor über die mittelalterliche Bogenbrücke in Burgau quälen mussten.

Das ganze Projekt des Straßenbaus einschließlich einer neuen Saalebrücke und der Straßenbahnlinie war nötig geworden, um das Städtchen Lobeda enger an das Jenaer Verkehrsnetz anzubinden, denn Handel und Gewerbe sowie Gastronomie und Ausflugsziele hatten mehr mit Jena zu tun als mit dem Amt und Kreis Roda, dem heutigen Stadtroda, dem Lobeda schon seit alters her verwaltungstechnisch unterstand. Dennoch hatten sich die Lobedaer immer standhaft geweigert, nach Jena eingemeindet zu werden. (Die Eingemeindung 1922 gegen den Willen der Einwohner wurde 1924 rückgängig gemacht.) Merkwürdigerweise verfolgten die Nazis die Ein­gemeindungspläne nicht weiter, feierten aber das Zusammen­rücken Jenas und Lobedas über Straße, Brücke und Straßenbahn als ihre ureigene Idee, ungeachtet der Tatsache, dass die Pläne bereits fix und fertig waren, als sie 1933 an die Macht ­kamen. Das war die gleiche Masche wie auch bei den bereits seit 1925 geplanten Autobahnen, von denen gewisse Kreise immer noch glauben und behaupten, der "Führer" habe sie erfunden.

Die neue Saalebrücke für Autos und Straßenbahn wurde im November 1935 eingeweiht, die Straßenbahnlinie ab Winzerla bis zur Endhaltestelle in der Lobedaer Jenaischen Straße folgte im April 1936. Danach geschah lange Jahre gar nichts, abgesehen von der Tatsache, dass Lobeda am 1. April 1946 Stadtteil Jenas wurde. 1966 kam der Bau der Schnellstraße ins ent­stehende Neubaugebiet, zeitgleich mit der Errichtung des Heizkraftwerkes in der Winzerlaer Flur. Nach dem Generalverkehrsplan war demnach die Straßenbahn überflüssig geworden und auf Busverkehr umzustellen. Die letzte Bahn zwischen Winzerla und Lobeda verkehrte am 16. Juni 1967. Die Betonplatten-Straße bestand noch mindestens bis 1971.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.