Am 6. Januar 1989 gelang einem Mann die Flucht. Andere hatten nicht so viel Glück.

Am Abend des 6. Januar 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, näherten sich in Blankenstein vier Personen den Sperranlagen der Grenze.Drei junge Männer und eine Frau wollten in den Westen. Es war gegen 20.20 Uhr, als sie sich am ersten Metallgitterzaun befanden. Beim Übersteigen wurden sie von Soldaten der Grenztruppen der DDR entdeckt. Es fielen Schüsse.

Die Grenze in Blankenstein im November 1989.

Die Grenze in Blankenstein im November 1989.

Foto: zgt

Blankenstein. Doch einem 23-Jährigen gelang die Flucht. Er musste durch die eiskalte Saale schwimmen, die von Hirschberg bis Blankenstein die Landesgrenze markierte. Seine gleichaltrige Ehefrau und die anderen zwei Männer wurden festgenommen. Sie kamen in Untersuchungshaft und wurden verhört. Nach jeder Flucht, nach jedem Versuch, wurde die Stasi aktiv.

Mehrere DDR-Bürger, die das Leben in der Bundesrepublik dem in der DDR vorzogen, hatten sich für Blankenstein als Fluchtort entschieden. Einem von ihnen gelang dies am helllichten Tag. Er nutzte am 17. Juni 1974 die Gelegenheit als Fahrer eines Lkw. Gegen 15.45 Uhr durchbrach er eine doppelte Pendelsperre und zwei Tore im Metallgitterzaun. Als der 25-Jährige mit dem Fahrzeug stecken blieb, setzte er die Flucht zu Fuß durch den Fluss Selbitz fort. Er bildet auf einer kurzen Strecke die Landesgrenze. Auch diese Aktion wurde von einem nahen Beobachtungsturm der Grenztruppen bemerkt. Drei Schüsse fielen. Ein Geschoss schlug drüben in unmittelbarer Nähe eines Anglers ein. Der Flüchtling blieb unverletzt und wurde von einer Streife des Bundesgrenzschutzes aufgenommen..

Nicht geglückt ist 1988 das Vorhaben eines Mannes, der in der Landwirtschaft beschäftigt war. Mit einem Traktor hatte er bei Lehesten zwei Grenzzäune durchbrochen. Doch Soldaten der DDR-Grenztruppen stellten ihn. Ihre Schüsse wurden von bayerischen Grenzposten bemerkt. Sie lösten eine Suchaktion aus, weil man nicht wusste, ob der Flüchtling verletzt das Bundesgebiet erreicht hatte.

Todesopfer zu beklagen

Am über 50 Kilometer langen, so genannten antifaschistischen Schutzwall im ehemaligen Kreis Lobenstein sind auch Menschen gestorben. So ist in einer Übersicht über die Todesopfer zu lesen, dass am 20. Juli 1964 ein Mann bei Schlegel erschossen wurde. Er war 27 Jahre alt. An der gesamten innerdeutschen Grenze und im Bereich Berlin starben Hunderte. Erschossen, durch Minen zu Tode gekommen ...

Suizide im Dienst bei der Grenztruppe

Kaum bekannt ist, dass auch relativ viele Angehörige der Deutschen Grenzpolizei, des Kommandos Grenze der Nationalen Volksarmee und der Grenztruppen der DDR sich selbst im Dienst das Leben genommen haben. Genau bekannt ist, wie viel Angehörige der bewaffneten Organe, meistens in Uniform, in den Westen flüchteten. Allein 1961 waren es über 600. Hüben wie drüben wurden darüber Akten angelegt. Die Behörden der Bundesrepublik und die Amerikaner verhörten die Geflohenen und wussten so über vieles Bescheid. Über die Gründe der Fluchten, politische Einstellungen und über das Grenzregime und Dienstpläne.

Zwischen Rodacherbrunn und Nordhalben im Landkreis Kronach - genau an der Stelle, wo am 18. November 1989 im Kreis Lobenstein der erste Grenzübergang eröffnet wurde - beging am 30. August 1986 ein Grenzer Fahnenflucht. Er gehörte der Grenzkompanie Brennersgrün an und war zur Bewachung von Personen eingesetzt, die zwischen dem Metallgitterzaun und der eigentlichen Grenzlinie Mäharbeiten durchführten. Drei Wochen später entschloss er sich zur Rückkehr. Dem gingen Telefonate mit der Mutter und der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn voraus. Etwas kurios ist, dass er mit einem Taxi an die gleiche Stelle gefahren wurde, wo er die Grenze überschritten hatte. Nach mehreren Monaten Untersuchungshaft bei der Stasi wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Die Grenzsoldaten hatten den Auftrag Fluchtversuche auf jeden Fall zu verhindern. Nach Angaben der Berliner "Arbeitsgemeinschaft 13. August" starben zwischen 1949 und 1989 insgesamt 1135 Menschen bei Zwischenfällen an der innerdeutschen Grenze. Darunter befinden sich 220 DDR-Grenzer, die durch Suizid oder Unfälle mit Schusswaffen ums Leben kamen. Mindestens 25 Grenzsoldaten wurden bei Grenzdurchbrüchen erschossen.

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