Hinterbliebene wirken mit bei Buch über NS-Opfer Apoldas

Apolda.  35 Jahre Recherche: Buch über 27 NS-Opfer in Apolda jetzt im Handel und beim Prager-Haus-Verein erhältlich

Symbolfoto: Das Prager-Haus in Apolda diente als Treffpunkt der Vereinsmitglieder mit den Hinterbliebenen der NS-Opfer.

Symbolfoto: Das Prager-Haus in Apolda diente als Treffpunkt der Vereinsmitglieder mit den Hinterbliebenen der NS-Opfer.

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

„Mein Vater bekam keine Lebensmittelkarten, musste von seiner Frau mit verpflegt werden. Im Jahr 1944 wurde er wieder von der Gestapo abgeholt und nach Auschwitz verschleppt und umgebracht“, heißt es im Erlebnisbericht von Heinz Ginsburg über Vater Salomon Ginsburg. Die Zeilen sind Bestandteil eines der Kapitel aus dem neuen Buch „Die Nachkommen sprechen“. Gemeint sind die Nachkommen von 27 Opfern des NS-Regimes, die während der Zeit des Dritten Reiches in Apolda gelebt haben.

Was Salomon Ginsburg anbelangt, weiß man heute nur, dass er wohl am 1. Mai 1944 deportiert wurde – obwohl er durch seine „arische“ Ehefrau als Mitglied einer „Mischehe“ eigentlich als geschützt galt.

Viele Primärquellen gesammelt und Zeitzeugengespräche mit Hinterbliebenen geführt

Hauptautor des 288-seitigen Buchs ist Peter Franz, der zusammen mit Udo Wohlfeld im Umfeld des Prager-Haus-Vereins den nächsten Schritt bei der „Erforschung der Geschichte jüdischer Einwohner“ unternahm. Seit 1985 steht Peter Franz auch im Austausch mit den Familien von NS-Opfern aus den Reihen der Bekennenden Kirche sowie solchen die als Kranke oder vermeintlich Kranke „euthanasiert“ wurden.

Das Besondere an dem Buch „Die Nachkommen sprechen“ ist vordergründig der Wissensgewinn für den Leser. Neben historischen Dokumenten und Urkunden sind als Primärquellen auch Briefe, Berichte und Zeitzeugen-Interviews aufbereitet.

Neues Buch „Die Nachkommen sprechen“ beim Prager-Haus-Verein Apolda erhältlich

Besonders dürfte das Buch aber auch in seiner Wirkung auf die Familien der Hinterbliebenen sein. Denn die Töchter, Enkel oder Cousins aus Großbritannien, den Vereinigten Staaten oder etwa Israel halfen nicht nur beim Zusammentragen der notwendigen Informationen für das Buch. Die Interviewten konnten durch die Recherchen, die in Apolda angestellt wurden ebenfalls das eigene Bild des verstorbenen Familienmitglieds vervollständigen.

Das Buch „Die Nachkommen sprechen – Ihre Rückkehr zu den Wurzeln“ kostet im Buchhandel 15 Euro. Es kann auch direkt beim Prager-Haus-Verein erworben werden. Dort würde man sich über eine Spende in Höhe von 15 Euro freuen.