Axel Brümmer und Peter Glöckner in Brasilien unterwegs

Zwei Jangadeiros mehr: Axel Brümmer und Peter Glöckner erkunden derzeit die traditionelle Fischerei an der brasilianischen Atlantikküste. Bis Anfang November sind sie danach mit einem Filmteam aus Gera im Land der nächsten Fußball-WM unterwegs.

Peter Glöckner (links) und zwei brasilianische Fischer auf der hochseetauglichen Jangada: Immer saubere Füße sind garantiert. Außerdem liegt das Floß wie ein Korken auf den Wellen, so dass selbst Glöckner, der sonst immer seekrank wird, diesmal verschont bleibt. Foto: Axel Brümmer

Peter Glöckner (links) und zwei brasilianische Fischer auf der hochseetauglichen Jangada: Immer saubere Füße sind garantiert. Außerdem liegt das Floß wie ein Korken auf den Wellen, so dass selbst Glöckner, der sonst immer seekrank wird, diesmal verschont bleibt. Foto: Axel Brümmer

Foto: zgt

Recife/Saalfeld. Mit ihrer Dschunke "Kublai’s Kahn II" sind sie bereits vor knapp fünf Jahren die brasilianische Atlantikküste entlang gesegelt, jetzt haben Axel Brümmer und Peter Glöckner aus Saalfeld wieder ein traditionelles Segelboot für eine Tour entlang der weißen Traumstrände gewählt: eine Jangada.

Außer dem Antrieb sind die beiden Boote aber in nichts zu vergleichen. Eine Jangada ist ein historisches Fischerfloß, das zumeist in den küstennahen Gewässern eingesetzt wird und heute vor allem als Attraktion für Touristen dient, die an den Korallenriffen schnorcheln. Doch die beiden Abenteuerjournalisten interessierten sich für die hochseetaugliche Variante der fünf bis sieben Meter lange Flöße aus Balsaholzstämmen. Neben dem Segel, einem Mast zum Befestigen der Fischkörbe und Netze sowie einem bank- oder tischähnlichen Aufbau bietet die Plattform nur den Fischern Platz, die damit auch zu mehrtägigen Fahrten auf dem Atlantik aufbrachen.

Das nachzuempfinden, um in ihrem neuen Brasilien-Vortrag darüber zu berichten, reizte Brümmer und Glöckner. Weil auch in Südamerika die traditionelle Fischerei immer weiter zurückgeht, war die Suche nach einer Hochsee-Jangada schwieriger als zuvor recherchiert. Schließlich gaben sich die beiden mit einem Sperrholz-Modell zufrieden, dessen Segelfläche aber für die Atlantik-Anforderungen vergrößert werden musste.

Die Umbauzeit nutzten sie für Abstecher in das Hinterland der nordostbrasilianischen Küste. Sie erkundeten die Überreste riesiger Fluchtburgen afrikanischer Sklaven, die hier im 17. Jahrhundert sogar ein Königreich gründeten. "Einige dieser Quilombos existieren bis heute, für uns ein spannendes Thema, genauso wie der Bürgerkrieg im Sertao vor rund 110 Jahren", hat Axel Brümmer schon nächste Themen gefunden. Außerdem berichtet er von Exkursionen durch diese Halbwüste, in der ein Nationalpark 10 000 Jahre alte Felszeichnungen schützt, die Menschen aber ohne Strom und sauberes Trinkwasser leben.

Zurück an der Küste, bestiegen Axel Brümmer und Peter Glöckner die Jangada, um mehrere hundert Kilometer nordwärts bis nach Recife zu segeln. "Allerdings stellten wir sehr schnell fest, dass wir mit der sehr gewöhnungsbedürftigen Segel- und vor allem Steuertechnik allein nicht zurecht kamen", erzählt Peter Glöckner, "deswegen nahmen wir zwei junge, aber erfahrene Fischer, sogenannte Jangadeiros, mit."

Die Reise entlang der endlosen Palmenstrände ließ trotzdem kein Urlaubsgefühl aufkommen. Zwar ging es zunächst durch flaches, glasklares Gewässer, doch Brümmer und Glöckner wollten auch einige Tage am Stück hinaus auf den Atlantik mit "bis zu vier Meter hohen Ozeanwogen", so Glöckner: "Größere Brecher durchnässten uns nicht nur am ganzen Körper, wir mussten auch höllisch aufpassen, nicht ins Meer gespült zu werden."

Wieder in Küstennähe, wurden die provisorischen Nachtlager in geschützten Flussmündungen aufgeschlagen. Dank der beiden echten Jangadeiros hatten die beiden Jangadeiros auf Zeit auch immer frisch gefangene Verpflegung.

Den Träumen der beiden Saalfelder von "weiteren, noch größeren Touren mit einer Jangada" setzt die Realität der nächsten Wochen ein vorläufiges Ende. Von Recife aus geht es nach Salvador, der Hochburg des brasilianischen Voodoo-Kultes Candomble, wo sie Gast in einem Tempel sein dürfen. Danach sind sie mit einem TV- Team der Geraer Produktionsfirma Centaurie GmbH bis Anfang November unterwegs, um die dritte Folge ihrer Serie über das Land der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zu drehen.