Bad Lobensteiner Rentnerinnen geben Flüchtlingen Unterricht

Ursula Preiß und Lieselotte Czech sind schon lange Rentnerinnen. Jetzt helfen sie in Bad Lobenstein ehrenamtlich Flüchtlingen, Deutsch zu ­lernen und sich im Alltag ­zurecht zu finden.

Lieselotte Czech hilft in Bad Lobenstein dem tschetschenischen Flüchtling Achmed. Foto: Uwe Frost

Lieselotte Czech hilft in Bad Lobenstein dem tschetschenischen Flüchtling Achmed. Foto: Uwe Frost

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Bad Lobenstein. Die Idee hatte Ursula Preiß. Die Rentnerin aus Bad Lobenstein war bei ihrer Gartenarbeit immer wieder in der Nähe wohnenden Asyl­bewerbern begegnet. Ein ­Gespräch mit ihnen scheiterte aber immer an deren fehlenden Deutschkenntnissen.

Das wollte Preiß ändern und sie sprach die ehemalige Lehrerin Lieselotte Czech an. Gemeinsam organisierten sie ehrenamtlich einen Deutschkurs für Flüchtlinge und Asylbewerber, fanden Unterstützung bei Heike Peter vom CJD und beim Integrationsprojekt Neue Arbeit INKA.

"Deutsch ist die Voraussetzung, um sich bei uns zurecht­zufinden", begründet Preiß, die der Wählergruppe AUF angehört, ihre Initiative. Preiß kümmert sich mehr ums Organisatorische, Czech, die von 1957 an als Lehrerin in der Grundschule gearbeitet hat, um den Unterricht. Dabei geht es um Alltäg­liches. Czech bringt den "Schülern" bei der Doppelstunde am Montag wichtige Begriffe bei, die ihnen helfen sollen, sich in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld zu verständigen.

Dabei muss sie bei einigen, wie bei Achmed aus Tschetschenien, ganz vorn beginnen: Mit Buchstaben und Zahlen. Achmed behilft sich, in dem er die Worte lautmalerisch aufschreibt, so wie er sie hört. Preiß springt ihm bei und hilft ihm mit der ungewohnten Schrift. Auch Maryam Sharbo aus Syrien, die ihr erst vor einem Monat geborenes Baby mitgebracht hat, schreibt anfangs so wie in ihrer arabischen Schrift - von links nach rechts. Schon etwas besser kommt ihr Mann zurecht, der Iraker Fuad Al-Sakr. Er kann sich schon etwas besser auf Deutsch verständigen, ist ­dennoch mit großem Eifer ­dabei, hilft auch seiner Frau.

Die drei sind sehr dankbar für das Projekt. "Es hilft mir, mich hier zurecht zu finden", sagt Achmed, der seit knapp einem Jahr mit seiner Familie in Deutschland weilt. Solange sind auch Maryam und Fuad hier. Das Asylverfahren der beiden läuft noch, sie sind nur geduldet. Der Iraker hat auch eine Arbeitserlaubnis. Aber es sei sehr schwierig für ihn, eine Arbeit zu finden, sagt Fuad.

Er stellt mit seinen bescheidenen Deutschkenntnissen auch den Kontakt zwischen den ­ehrenamtlichen Helfern und weiteren Flüchtlingen in und um Bad Lobenstein her. Gerade ­diese Kontakte erweist sich als schwierig.

Zwar leben derzeit nur 13 Familien, die sich im Asylbewerberverfahren befinden, in Bad Lobenstein, sagte Heike Peter, die für den Jugendmigrationsdienst des CJD arbeitet. Aber der Kontakt zu ihnen ist schwierig, weil sie von den Behörden keine Informationen darüber erhalten, wer bei der ­dezentralen Unterbringung nach Bad Lobenstein kommt, wo sie wohnen und welche Vereinbarungen es zwischen den Behörden und den Flüchtlingen gibt. Hier wünscht sich Peter mehr Unterstützung vom Landratsamt.

In der Unterrichtseinheit am Montag schaffen es die Teilnehmer, die Zahlen bis 100 auf Deutsch zu erlernen. Auch mit einigen Buchstaben können sie sich beschäftigen. Doch alle ­Beteiligte wissen, das ist nur ein bescheidener Anfang. Czech und Preiß wollen wenigstens erreichen, dass sich die Flüchtlinge einigermaßen eigenständig auch bei Behördengängen oder beim Arztbesuch bewegen können. Doch dahin ist es noch ein langer Weg.

[{#PREMIUM#]

Uwe Frost kommentiert: Misstrauen überwinden

150 weitere Flüchtlinge bis Jahresende im Saale-Orla-Kreis

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.