Ballonflucht 1979: Eine Wiese bei Oberlemnitz diente zwei Mal als Startplatz

Oberlemnitz  Am 16. September 1979 wird 2.36 Uhr erstmals ein leuchtender Ballon am Nachthimmel gemeldet, der 3 Uhr über der Grenze verschwindet

Am Startplatz zwischen Heinersdorf und Oberlemnitz war der Wartburg 311 mit Anhänger zurückgelassen worden. Links im Bild das selbstgebaute Gebläse.

Am Startplatz zwischen Heinersdorf und Oberlemnitz war der Wartburg 311 mit Anhänger zurückgelassen worden. Links im Bild das selbstgebaute Gebläse.

Foto: BStU

Zwei Mal dient eine Wiese zwischen Oberlemnitz und Heinersdorf als Startplatz für die Ballonflucht. Von der Straße führt eine kleine Brücke über die Bahnlinie zu jener Lichtung, an der der Ballon zunächst mit einem Gebläse gefüllt worden war, um dann mit einem Brenner die Heißluft einströmen lassen zu können. Das Gebläse war aus dem Motor eines MZ-Motorrades gebaut worden.

Erst am 15. September 1979 war in Jena der restliche benötigte Stoff für den am Ende 175 Kilogramm schweren Ballon gekauft und sofort vernäht worden. Aufmerksam verfolgten die Familien Strelzyk und Wetzel ständig den Segelflugwetter­bericht auf dem Radiosender Bayern 3 und entschieden, noch am gleichen Abend zu starten. In einem Wartburg 311 – im Hänger der Ballon und die 1,20 m mal 1,20 m große Plattform – fuhren Doris und Peter Strelzyk, deren Sohn Andreas sowie Petra Wetzel mit ihrem Sohn Andreas zum Startplatz. Auf einem Moped „Java Mustang“ folgten Günter Wetzel und Frank Strelzyk.

Um 1 Uhr war der Startplatz erreicht, nach halbstündiger abwartender Ruhe begann der Ballonaufbau. Gegen 2.36 Uhr, so zeigen es Dokumente beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, gab es erste Meldungen zu einem „rotleuchtenden“ Ballon. Der Pförtner des VEB Elektronik informierte 2.41 Uhr die Polizei, über Lobenstein einen Ballon gesehen zu haben. Vier Minuten später kam die Feststellung vom Polizei-Kontrollposten Harra: „Heißluftballon, rund, nach unten zipfelförmig, schätzungsweise 8-10 Meter Durchmesser“. Zuletzt beobachteten Grenz­soldaten im Raum Pottiga gegen 3 Uhr den Ballon und meldeten ein „starkes Absinken des Flugkörpers“.

„Sind wir hier im Westen?", fragten wenig später Peter Strelzyk und Günter Wetzel eine am Finkenflug bei Naila vorbeikommende Polizeistreife. „Natürlich, wo denn sonst?", gaben die Polizisten zur Antwort.

Der erste Ballon-Fluchtversuch 1979 endet bei Hornsgrün: Zeitzeuge berichtet

Bullywood“ in Ostthüringen: An diesen Orten dreht Michael „Bully“ Herbig den Film zur DDR-Ballonflucht