Begegnungen im „Hotel Hoffnung“: Awo-Schüler und Flüchtlingskinder spielen in Rudolstadt Theater

Rudolstadt  Mit den Themen Flucht und ­Ankommen setzt sich das gemeinsame Theaterprojekt von Schülern der Awo-Schule Rudolstadt und jungen Flüchtlingen auseinander. Schauplatz ist ein Haus im Corrensring.

Schüler der achten Klasse der Friedrich-Adolf-Richter-Schule in Schwarza und Flüchtlingskinderhaben gemeinsam ein Theaterprojekt zum Thema Flucht und Heimat erarbeitet. Schauplatz ist ein Wohnblock im Corrensring. Foto: Heike Enzian

Schüler der achten Klasse der Friedrich-Adolf-Richter-Schule in Schwarza und Flüchtlingskinderhaben gemeinsam ein Theaterprojekt zum Thema Flucht und Heimat erarbeitet. Schauplatz ist ein Wohnblock im Corrensring. Foto: Heike Enzian

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Vor dem Wohnblock ist eine lange Tafel gestellt, die sich bald mit leckeren Salaten und Speisen nach Rezepten aus aller Welt füllen wird. Zubereitet haben diese die Siebtklässler der Awo-Schule in ihrer ­Projektwoche. Hier finden ­Akteure und Zuschauer nach der Vorstellung Platz und lassen den Abend ausklingen. Einen in jeder Weise besonderen Abend.

„Hotel Hoffnung“ ist der Titel eines Projektes von Achtklässlern der Friedrich-Adolf-Richter Schule in Trägerschaft der Awo gemeinsam mit zehn jungen Flüchtlingen, die derzeit im Landkreis leben. Anders als bei herkömmlichen Theater­stücken spielt sich das Ganze aber nicht auf einer Bühne ab. Ort des Geschehens sind Räume in einem Wohnblock im Erich-Correns-Ring. Dort, wo zwei Etagen höher im letzten Winter Flüchtlinge eingezogen sind. Hier werden die Zuschauer in die Situation versetzt wie es ist, wenn man als Flüchtling nach Deutschland kommt. Man bekommt eine Nummer, muss einen Fragebogen ausfüllen. Am Ende entscheidet sich, ob man bleiben darf. Doch in diesem Fall kommt bald auch der künstlerische Aspekt hinzu.

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it kurzen theatralen Interventionen, Monologen, Filmen und Hörbeispielen werden die Zuschauer mit dem Thema Asyl konfrontiert. Es gibt begehbare Installationen und einen Zeitstrahl. Dabei vermischen sich die Lebenswelten der Einheimischen und die der Flüchtlinge. Ergänzt wird das Ganze durch Passagen um das Thema Flucht aus Schillers Werken.

In der Vorbereitung haben sich die jungen Leute intensiv mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt. Was heißt es, auf der Flucht zu sein? Was bedeutet Heimat? Wovor hat man Angst?

Felix Kreßler ist einer der Schüler. „Am Anfang als wir uns getroffen haben war alles noch sehr spielerisch. Das Spannende war die Frage: Wie werden wir das Thema umsetzen? Es ist nicht das klassische Schülertheater wo am Ende alle auf der Bühne stehen und Beifall geklatscht wird“, erzählt er. Interessant für ihn und die anderen waren die Begegnungen mit den gleichaltrigen Flüchtlingen, deren Geschichte sie jetzt kennen.

„Es ist ein sehr anspruchsvolles Projekt“, sagt Matthias Spaniel, der die künstlerische Leitung inne hat. „Wir hatten Glück, dass die Räume hier frei waren und wir damit quasi am authentischen Ort spielen können.“ Besonders der Austausch der jungen Leute über das Thema sei spannend gewesen. Kindheit und Jugend – da gibt es viel Gemeinsames, egal wo auf der Welt. „Aber dann hören die Jugendlichen hier von Gleichaltrigen Sätze wie: Da wäre ich beinahe erschossen worden. Das ist viel plastischer, als es Fernsehen oder Internet je rüberbringen können. Es hat eine ganz andere Eindringlichkeit, wenn dir ein Betroffener gegenübersitzt und du ihm zuhörst“, so der Theaterfachmann, der diesmal noch eine andere Erfahrung machte: „Es ist ein Unterschied, ob man mit einer Gruppe Freiwilliger arbeitet, die sich ganz bewusst für ein Projekt entschieden hat, oder wie hier mit einer ganze Klasse“, sagt er.

Das Stück „Hotel Hoffnung“ erlebte am Dienstagabend seine Voraufführung. Zu den Zuschauern gehörten auch die Akteure der Amateurtheatergruppe „Die Entfalter“. Am Mittwochabend war die ausverkaufte Premiere. Am Donnerstag um 11 Uhr findet die letzte Aufführung statt.

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