Bismarck im Bismarckturm: Neue Ausstellung in Jena

Jena  Nächsten Mittwoch ist es 200 Jahre her, da Otto von Bismarck geboren wurde. Die Berggesellschaft Forsthaus Jena widmet ihm eine kleine Ausstellung, die auch auf seinen Jenaer Besuch eingeht.

Eberhard Kalus mit einem der Ausstellungsständer für die Bismarck-Ausstellung, die am 1. April im Bismarckturmeröffnet werden soll.Foto: Michael Groß

Eberhard Kalus mit einem der Ausstellungsständer für die Bismarck-Ausstellung, die am 1. April im Bismarckturmeröffnet werden soll.Foto: Michael Groß

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Der Ruf des Eisernen Kanzlers war auch einst in Jena offenbar ein guter. Als der zu jener Zeit schon vom Kaiser aus dem Amt gejagte Otto von Bismarck am 30. und 31. Juli 1892 zu Besuch nach Jena kam, soll die Stadt Kopf gestanden haben. Tausende kamen auf den Markt, um seine Rede zu hören. Und viel später schwelgte der Spruch auf der alten Bismarckturm-Postkarte in höchsten Tönen: „Das war ein herrlich Fest! Vom Markt erscholl Kammergesang begeistert ihm zum Preis ...“

Auch diese historische Postkarte wird dabei sein, wenn die Berggesellschaft Forsthaus e.V. am nächsten Mittwoch, 1. April, – also am Jubiläumstag des 200. Gebursttages von Bismarck – zu einer kleinen Ausstellung in den Bismarckturm auf dem Jenaer Forst einlädt. „Wir wollen von 10 bis 14 Uhr den Bismarckturm öffnen und allen Interessenten Gelegenheit geben, jenen Mann etwas näher kennenzulernen, dem die Stadt Jena den Bismarckturm verdankt“, sagt Eberhard Kalus, Vorsitzender der Forsthausgesellschaft.

Malakoff erhielt Vorzug gegenüber Windknollen

So werden in der Ausstellung zahlreiche historische Postkarten, Zeitungsausschnitte und andere kleine Exponate zu sehen sein, die ein Schlaglicht auf Bismarck, seine Zeit und seinen Jenaer Besuch sowie dessen Auswirkungen zeigen.

So waren es Jenaer Studenten, die im Jahre 1899 die zu jener Zeit deutschlandweit verbreitete Idee, aufgriffen, Bismarck zu Ehren in Jena eine Bismarck­säule zu errichten. Später entschied man sich dann doch für einen Turm. Paradiesfeste und andere Spendenaktionen brachten immerhin bis 1904 einen Spendenbetrag von knapp 14 400 Reichsmark zusammen. 1905 einigten sich der Turm-Ausschuss und die Stadt Jena auch auf den Standort. Man wog die beiden Favoriten gegeneinander ab und gab dem Ma­lakoff (Forst) den Vorzug gegenüber dem Windknollen.

Doch es war damals auch schon ein wenig wie heute. Aus den veranschlagten Kosten von 20 000 Reichsmark wurden am Ende rund 43 000 Reichsmark. So wurde der Turm am 5. Juli 1909 eingeweiht. Entstanden war nach den Plänen des Architekten Wilhelm Kreis ein 21 Meter hoher gedrungener Rundturm aus Kalksteinquadern, der sich stark am Grabmal des Gotenkönigs Theoderich im italienischen Ravenna orientierte.

Am Sonntag wieder geöffneter Turm

Freilich wissen Eberhard Kalus und seine Vereinsmitglieder, dass die Persönlichkeit des Kanzlers zwiespältig und umstritten ist. Auf der eine Seite gilt er als Begründer der Sozialgesetzgebung, auf der anderen Seite als Militarist und Unterdrücker der Arbeiterbewegung. Aber Jena habe nun mal den Bismarckturm, ein Baudenkmal, das Pflege verdiene, wie Eberhard Kalus betont.

Sein Verein widmet sich dieser Aufgabe schon seit seiner Gründung 2007. Manche Pflegeaktion konnte man schon selbst erledigen, was natürlich die benötigte Sanierung durch die Stadt, die Eigentümerin des Turms ist, nicht ersetzt.

Eingeführt hat die Forsthausgesellschaft auch mit Erfolg regelmäßige Öffnungszeiten. Einmal im Monat wird in ehrenamtlicher Arbeit der Vereinsmitglieder sonntags der Turm offen gehalten, so dass Besucher hinaufsteigen und die schöne Aussicht genießen können. Auch am morgigen Sonntag wird der Turm wieder von 14 bis 17 Uhr begehbar sein.

Ausstellung bleibt bis Oktober im Turm

Und dann freuen sich die Forstler natürlich über jeden, der am nächsten Mittwoch zwischen 10 und 14 Uhr den Weg zum Bismarckturm findet. Eintritt wird nicht erhoben. Wer jedoch am Mittwoch keine Zeit hat, der kann sich die Ausstellung auch später ansehen. Die Ausstellung soll bis Oktober im Turm verbleiben und immer zu den monatlichen Sonntagsöffnungen zu sehen sein, wie Eberhard Kallus versichert.

Er verweist außerdem darauf, dass die Berggesellschaft Forsthaus auch in diesem Jahr wieder einiges tun will für den Erhalt des Turms. Unter anderem soll der Handlauf an der Treppe im Turminneren erneuert werden. Und am 27. Juni lädt man wieder zum Kinder- und Forstfest ein.

Aber auch die Forschungen zur Historie des Bismarckturms werden weitergehen. Hier hat der Verein schon vieles zusammengetragen. Zum Beispiel, dass die große Feuerschale auf dem Turm nur zwei mal gebrannt haben soll – zur Eröffnung und ein Jahr später.

Zum Bismarckstein jedoch, der am Friedensberg am Anfang des Forstweges steht, hat man leider bislang noch keine Hintergründe erfahren können. Aber man bleibt dran.