Bürgerinitiative Proholzlandwald zieht Bilanz und nennt Pläne

Tautenhain  Bürgerinitiative Proholzlandwald hat gegründet, um Windräder im Wald zu verhindern. Das hat geklappt. Was macht der Verein heute?

Vor der 2017 errichteten Wandertafel in Tautenhain nahe der Gaststätte „Zur Kanone“ haben sich Uwe Riedel, Harald Peter, Heiko Leidenfrost, Volkhardt Pirl und Michael Pflügner (von links) fürs Foto aufgestellt.

Foto: Verein Proholzlandwald (1), A. Schott (2)

Drei Jahre sind es her, als der Verein Proholzlandwald begründet wurde. Im Januar 2015 habe man die Initiative ins Leben gerufen und in einer ersten öffentlichen Versammlung in der Tautenhainer Gaststätte „Zur Kanone“ vorgestellt. Proppevoll sei der Gastraum gewesen. „Sogar von draußen mussten Leute die Infoveranstaltung verfolgen, weil der Platz nicht ausreichte“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Volkhard Pirl.

Auslöser für die Gründung: Windräder im Tautenhainer Forst sollten verhindert werden. Kurz zuvor war ein Vorhaben des Bundesforstes bekannt geworden, das genau so ein Vorhaben beabsichtigte. „Die Information hatten wir damals aus dem Internet erfahren“, erinnerte sich Pirl.

Der Zulauf zur Initaitive der Tautenhainer war enorm. Viele erklärten sich bereit, Mitglied zu werden. Rasch wurde an den Vereinsstrukturen gearbeitet, Infoveranstaltungen zuerst in Tautenhain und später in der Region fortlaufend organisiert. Das Ganze erzeugte eine hohe Resonanz. Kommunalpolitiker, aber auch Landes- und Bundespolitiker wurden angesprochen. Die Initiative entwickelte sich durch seine Aktivitäten und der Art des Agierens zu einer landesweit bekannten Plattform von Windkraftgegnern. Rasch konnte man sich nicht nur Gehör, sondern auch Respekt verschaffen.

Schon ab Frühjahr 2016 wurde gemunkelt, dass der Bundesforst wohl von seinem Vorhaben Abstand nehmen wolle. „Doch locker lassen galt für uns nicht. Erst im August 2017 wurde es offiziell und man hatte sein Ziel für Tautenhain erreicht“, schaut Pirl zurück. Er hatte das Amt des Vorsitz‘ 2016 von Eckart Illian übernommen, der in den inzwihen gegründeten Thüringer Dachverband „Energiewende mit Vernunft“ gewechselt war.

Heute zählt der Verein noch immer 84 Mitglieder. Verlassen hat den Verein keiner, auch wenn nicht immer alle Mitglieder bei Versammlungen oder Aktionen dabei seien, erzählt Pirl. „Wir können aber noch immer auf einen harten Kern von 15 Mitgliedern bauen“, freut er sich.

Kümmerer auch für Natur und Wanderwege

Für den Ort und seine Umgebung wolle man auch künftig was bewegen und möglichst viele Einwohner einbeziehen. Sei es am Anfang das Verhindern von Windkraft im Wald gewesen, kümmere man sich heute um eine lebenswerte und attraktive Umgebung von Tautenhain. Damit kehre man zu den Wurzeln der Vereinsgründung zurück, beschreibt Volkhardt Pirl.

Viele Leute hätten sich von Anfang an mit guten Ideen in der Initiative beiteiligt. Das habe sich bis heute nicht geändert, freut sich Pirl. Eine enge Zusammenarbeit pflege man mit der Gemeinde und Vereinen, allen voran dem Burschenverein. Entlang der Wege habe man 2016 mit der Neuanpflanzung von Bäumen, der Pflege und der Vergabe von Patenschaften begonnen. Nistkästen an ausgewählten Stellen wurden angebracht. Letzteres in Zusammenarbeit mit der Weißenborner Grundschule, die im Werkunterricht, die Gehäuse anfertigten.

Vielfältige Aktivitäten seien auch 2017 durchgeführt worden. So habe man eine Wandertafel bei der Gaststätte „Zur Kanone“ aufstellen können. Sie gebe Auskunft über örtliche Wanderstrecken. „Zudem stellen wir für unsere Wanderfreunde noch Flyer zur Verfügung“, berichtet Volkhardt Pirl. Und auch entlang der Wanderwege hat der Verein für Verbesserungen gesorgt. „Zehn Bänke haben wir an zumeist wunderbaren Aussichtstellen platziert“, so Pirl.

Für dieses Jahr werde man die Arbeit an den Wanderwegen fortsetzen. Beschilderungen könnten angebracht werden, die zumBeispiel auf historische Begebenheiten hinweißen, schaut der Vereinschef voraus.

Und wie verhält sich der Verein beim Thema Windkraft? Natürlich verfolge man die Geschehnisse im Landkreis genau. Das Klimaschutzkonzept des Kreises sei ein Schritt in die richtige Richtung. Genau hinhören werde man, wie der Landrat seine Bekenntnisse – gegen Windkraft im Wald – praktisch umsetzen will. Und man werde die Auswertungen der Stellungnahmen, die zu Tausenden an die Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen gesandt wurden, genau verfolgen.

Wichtig sei, so Pirl, dass eine Entscheidung zu Gunsten der Einwohner von St. Gangloff bezüglich des Windenergieparks W20 fällt. „Ansonsten werden hier für andere Investoren Tür und Tor geöffnet“, befürchtet Pirl. Und genau darin sehe er auch die große Gefahr.

Genau hinschauen auch beim Waldumbau

„Wald wird in riesigen Mengen abgeholzt, um Windräder errichten zu können. Auch in der Nähe von Wohnbebauungen“, so Pirl. Einen zweiten negativen Fakt bei einem Windpark mitten im Wald sehe er bei der Öffnung eines geschlossenen Waldareals. „Schauen Sie sich doch an, was zum Beispiel das letzte Sturmtief angerichtet hat. Wenn der Wald durch großflächiges Abholzung aufgebrochen wird, findet ein Sturm noch viel bessere Angriffspunkte“, befürchte er.

Wichtig erscheint der Mehrheit im Verein das Engagement beim Waldumbau. Daher stehe man mittlerweile mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Kontakt. Regelmäßig treffe man sich, auch vor Ort, um den Umbau hin zu einem Mischwald begleiten zu können.

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