Carmen Klemm aus Pausa ein Jahr lang in der Welt unterwegs

Mut haben das zu tun, was man will: Carmen Klemm aus Pausa war ein Jahr lang mit einem Bastelprojekt in der Welt unterwegs. Aus ihren E-Mails, die sie von ihren Reisen nach Hause schrieb, verfasste sie nun ein Buch.

Die Pausaer Lehrerin Carmen Klemm sammelte mit 50 Jahren für 1 Jahr Erfahrungen im Ausland. Hier: Basteln mit Kindern in Nepal. Foto: Carmen Klemm

Foto: zgt

Zeulenroda/Pausa. Ihr Pullover ist feuerrot. Ein paar kleine Steine glitzern auf ihm, wenn sie sich bewegt. Ihren Hals ziert eine dezente Kette aus kleinen Holzperlen. Das dunkelblonde, recht kurze Haar ist gewellt, sie lächelt sympathisch und nimmt Platz.

Carmen Klemm aus Pausa ist 52 Jahre alt. Sie sieht sportlich aus, ist recht klein und hat großen Mut. Ihre Devise lautet: Wenn man etwas wirklich will, dann kann man es auch erreichen.

Ihren ganz persönlichen Traum hat sich Carmen Klemm – nach langem Hin und Her – erfüllt: Für ein Jahr hängte sie ihren Lehrerberuf an den Nagel, sagte "Auf Wiedersehen" zu Mann und den zwei erwachsenen Söhnen und begab sich allein auf Weltreise. "Ich wollte einfach mal etwas anderes machen, etwas ausprobieren und meine Englischkenntnisse verbessern", sagt Carmen Klemm, die zwar seit 31 Jahren in Pausa lebt, der man aber auch heute noch anhört, aus welcher Ecke Deutschlands sie kommt. "Ja, dat Jahr wollte ick nur für mich."

So standen die damals 50-Jährige und ihr Mann Reiner am 27. Juli 2009 am Flughafen in Frankfurt am Main. Sie mit einem Ticket in der Hand, das sie nach Madurai bringen sollte, eine der ältesten Städte Südindiens. "Ich hatte ein ganz komisches, flaues Gefühl", sagt sie. "Reiner akzeptierte meinen Plan wohl oder übel. Von ihm bekam und erwartete ich weder Zustimmung noch Ablehnung."

Was sie in Madurai erwarten würde, wusste Carmen Klemm. Denn bereits dreimal, in den Jahren 2006, 2007 und 2008, war sie für je drei Wochen in den Schulsommerferien an einer Heimschule in der indischen Millionenstadt gewesen. "Dazu bin ich gekommen, weil ich meine vielfältigen Ferienreisen durch Hilfsaktionen erweitern wollte", sagt Carmen Klemm. Ihre Helferidee bestand darin, mit einfachen und wenig aufwendigen Bastelanleitungen an Schulen zu gehen und mit Kindern zu arbeiten. Dafür habe sie zuvor fleißig gesammelt, selbst viel gebastelt und ausprobiert, so dass sie auf ihrer Reise aus einem Repertoire von mehr als 50 kreativen Bastelideen auswählen konnte.

Von Juli bis Ende Oktober 2009 blieb Carmen Klemm in Indien, bastelte in Altenheimen, in einem Krankenhaus für Aids-Patienten und in Schulen. Nachdem sie sich im Oktober noch für eine Woche mit ihrem Mann in Dubai getroffen hatte, flog die Pausaerin weiter ins australische Melbourne. Hier war sie als Touristin unterwegs, besuchte einen alten Schulfreund, den sie 30 Jahre lang nicht gesehen hatte, klapperte ein paar Adressen ab, die sie von einem ihrer Söhne bekam, der vor ihr ein Jahr in Australien verbrachte. Bis kurz nach Weihnachten erkundete sie den Kontinent, dann ging es für sie für drei Wochen zurück nach Deutschland.

Doch schon am 21. Januar packte Carmen Klemm wieder die Koffer. Dieses Mal, um nach Nepal zu fliegen. Und dieses Mal mit einer Organisation im Rücken, der "Projects Abroad". In einer der vielen Rundmails auf ihrer Reise an die Lieben zu Hause schreibt sie: "Ich muss zum besseren Verständnis sagen, dass mein Helfersyndrom hier in Nepal und später auf Fiji (...) einiges im voraus gekostet hat. Nicht nur die Flüge, die auf eigene Kosten gingen. Da Freiwilligenarbeit, auch Volunteering genannt, keine finanziellen Werte schafft bzw. dafür keine Finanzen vorgesehen sind, gibt es also auch kein Geld, mit denen Kost und Logis bezahlt werden können. Es sei denn, man beschneidet die wenigen Mittel, die die Einrichtungen, in denen man hilft, für ihre Zöglinge zur Verfügung haben. Aber das will ja keiner."

Bis Mitte April 2010 war Carmen Klemm in Nepals Hauptstadt Kathmandu. In einer Internatsschule kümmerte sie sich gemeinsam mit anderen Freiwilligen um die Freizeitgestaltung von sechs bis 16-Jährigen.

Bevor sie sich von Nepal auf zu den Fiji-Inseln machte, bekam sie noch Besuch von Mann und Sohn. Gemeinsam ging es auf eine Trekking-Tour. Nach zehn Tagen flog ihre Familie zurück nach Deutschland, Carmen Klemm zu ihrer letzten Station ihres Auslandsjahres. Auf den Fiji-Inseln sorgte sie sich mit um 20 Jungen und Mädchen in einem Kinderheim.

Das Ende ihres Auslandsjahres beschloss die Pausaerin mit einem Neuseeland- und Australien-Urlaub. Am 1. August 2010 war sie wieder zu Hause, am 2. August stand sie schon wieder vor ihren Klassen im Förderzentrum in Zeulenroda-Triebes, wo sie bereits seit zehn Jahren arbeitet.

"Als verbeamtete Lehrerin war es für mich kein Problem, ein Jahr Auszeit zu nehmen", sagt Klemm, die in Berlin Geografie und Geschichte studierte. Probleme, sich nach ihrer Rückkehr wieder in den Job und das Alltagsleben in Deutschland einzufinden, habe sie überhaupt nicht gehabt, sagt sie. Das Jahr habe ihr gezeigt, dass man auch durchaus als "etwas älterer" Mensch ohne Probleme durch die Welt reisen kann, wenn man es denn möchte. "Ich weiß nach all meinen Erlebnissen noch mehr zu schätzen, was ich habe", sagte sie und erzählte, dass sie im Oktober ein Buch herausgebracht hat unter dem Titel "E-Mails aus dem Sabbatjahr". "Damit möchte ich neugierig machen und Interesse an anderen Lebensformen wecken, Mut und Anregung geben, genau das zu tun, was man schon immer mal tun wollte."

Am 2. Dezember um 19.30 Uhr wird sie ihr Buch im Ringerheim in Pausa vorstellen.

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