Chance und Risiko für Lieferservices im Altkreis Apolda

Altkreis Apolda.  Manche Lieferdienstleister im Altkreis Apolda erfreuen sich steigender Nachfrage, wirtschaftlich gesehen ist deren Bilanz jedoch durchwachsen.

Symbolfoto: Ein Mitarbeiter eines Cateringdienstes transportiert eine Thermobox mit einem Mittagsgericht.

Symbolfoto: Ein Mitarbeiter eines Cateringdienstes transportiert eine Thermobox mit einem Mittagsgericht.

Foto: Hendrik Schmidt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Da sich die Bürger zunehmend aus dem öffentlichen in den privaten Raum zurückgezogen haben und entsprechend der Empfehlungen jeden unnötigen Weg vermeiden, liegt der Schluss nahe, dass die Anbieter von Lieferdiensten durch die Corona-Krise profitieren. Das stimmt nur teilweise: Zwar steigt die private Nachfrage, aber nicht überall – außerdem sind betriebliche Kunden teilweise weggebrochen. Manche Unternehmen fürchten mittelfristig um ihre Existenz. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Wiederum andere müssen Kunden wegen hoher Auslastung vertrösten. Das betrifft etwa den Lieferservice von Rewe Andreas Bunke in Apolda. Seit zwei Jahren gibt es den Service über das Internet. Mittlerweile werde pro Tag so viel bestellt, wie sonst in einer Woche, was zu einer logistischen Herausforderung führt. Mittlerweile liege die Vorlaufzeit bei etwa drei Tagen. Neue Kunden würden nur noch beschränkt aufgenommen, so Filialleiter Andreas Bunke. Wenn die Nachfrage länger anhalte, könne aber überlegt werden, den Service weiter auszubauen.

Neukunden können wirtschaftliche Corona-Folgen bei Caterer teilweise ausgleichen

An die Kapazitätsgrenze gekommen ist auch die Fleischerei Gemeinhardt. Hier werde täglich in fünf Touren Essen ausgefahren. „So lange wir alle gesund bleiben, läuft es“, so Fleischerei-Chef Ralf Gemeinhardt. Wegen der Beschränkungen im öffentlichen Leben hätten manche Kunden das Essen auf Rädern abbestellt, andere seien dafür hinzugekommen.

Spielraum bei den 17 Touren am Tag gibt es hingegen noch bei der Speiseversorgung Thomas in Eckolstädt. Dass unter anderem die Kindergärten geschlossen hätten, habe zu einem Einbruch von etwa 50 Prozent Nachfrage geführt. Auch Betriebe und andere Einrichtungen sind weggefallen, berichtet Co-Geschäftsführer Wolfgang Thomas. Dass der Familienbetrieb weiter liefere, das habe sich rumgesprochen, was dann zu Neukunden führte. Auf manchen Touren würden 100 bis 120 von ihnen beliefert.

Pizzeria Avanti in Apolda hofft auf bald aufgebrauchte Hamster-Einkäufe

Wer den Service nutzen wolle, der könne sich bei der Speiseversorgung Thomas melden. Das lohne sich für manchen vielleicht auch deswegen, weil die gesunkene Nachfrage dazu führe, dass die Köche Zeit für aufwendigere Gerichte hätten. So standen dieser Tage handgemachte Wickelklöße auf dem Speiseplan. „Das würden wir unter Normallast nicht schaffen“, so Wolfgang Thomas.

Einen noch stärkeren Einbruch hat Florim Zogaj, Geschäftsführer der Pizzeria Avanti sowie Amigo’s Bürger erlebt. Als am Freitag dem 13. die Kita- und Schulschließungen beschlossen wurden, brach die Nachfrage nach dem zugehörigen Lieferdienst in der Folge um etwa 60 Prozent ein. Auch gebe es seitdem kaum Selbstabholer. „Ich dachte, wenn alle zu Hause sind, dann müsste das Geschäft erst richtig aufblühen“, erinnert sich der Unternehmer.

Lieferservice hat Kapazitäten und ist wichtiges Standbein für Buchladen in Apolda

„Aber ich vermute, die Leute haben so viel eingekauft, wie noch nie – die müssen ihre Vorräte erst einmal aufessen. Vielleicht wird es ab kommenden Montag wieder besser gehen“, hofft der Chef des Familienunternehmens, dessen Personal sich überwiegend aus den eigenen Kreisen zusammensetzt. Ein gutes Dutzend Familienangehörige ernähren sich sprichwörtlich und ausschließlich von der Gastronomie in der Apoldaer Innenstadt ab, die Familie von Florims Schwester immerhin zur Hälfte und dann gebe es da auch noch Angestellte. „Und wenn das so weiter geht? Es muss sich etwas ändern“, so Florim Zogaj, der hofft, dass die Normalität wieder einkehrt.

Nicht Nahrung für den Körper, dafür Nahrung für die Seele bietet der Buchladen in Apolda an. „Wir haben auch schon vorher geliefert, aber durch die Situation hat die Nachfrage stark zugenommen“, freut sich Buchhändler Guido von Poellnitz – was ganz gelegen kommt, weil die Verkaufsfläche geschlossen werden musste. Alternativ seien auch Buchabholungen am Laden möglich. „Unser Angebot wird gerne angenommen und wir haben noch Luft nach oben“, so der Unternehmer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren