Der letzte originale Leitermacher in Deutschland

Bernd Schulz aus Weißenborn zieht mit seiner Glocke als Leitermann mit seinen Produkten bis ins Brandenburgische. In fünfter Generation auf Tour.

18-11-2011/EB: Bernd Schulz aus Weißenborn ist der letzte originale Leitermann in Deutschland. Die Glocke ist sein Markenzeichen und wird es bleiben. Denn ihr Bimmeln ernährt die Thüringer Leitermacher aus dem Holzland in der 5. Generation.

18-11-2011/EB: Bernd Schulz aus Weißenborn ist der letzte originale Leitermann in Deutschland. Die Glocke ist sein Markenzeichen und wird es bleiben. Denn ihr Bimmeln ernährt die Thüringer Leitermacher aus dem Holzland in der 5. Generation.

Foto: zgt

Weißenborn. Bernd Schulz (Jahrgang 1941) aus Weißenborn ist der letzte originale Leitermann in Deutschland. Obwohl er das Rentenalter längst erreicht hat, bleibt er seinem Handwerk treu. "Solange, wie ich auf beiden Beinen stehen, das Werkzeug mit beiden Händen greifen und den Laster lenken kann, solange werde ich meinen Beruf ausführen. Das ist mein Leben", sagt Bernd Schulz, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Das begann mit der Lehre 1964 in Bad Klosterlausnitz.

Bernd Schulz sitzt in seiner Werkstatt im Hinterhaus in Weißenborn am Schnitzbock. Er erzählt: "Bis ins brandenburgische Land fahre ich, um die Produkte aus dem Holzland anzubieten. Da geht's mit Glockengebimmel durch die Dörfer. Genauso laut, wie es bimmelt, muss meine Stimme sein. Damit die Leute mitbekommen: Der Leitermann ist da."

Nach der Lehre arbeitete Bernd Schulz zehn Jahre als Treppenleitermacher in Klosterlausnitz für die Einkaufs- und Liefergenossenschaft. Wechselte dann in die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Weißenborn als Leitermacher. Die PGH wurde später von den Möbelwerken Eisenberg übernommen. 1981 machte sich Schulz selbstständig. Er erinnert sich: "Die Behörden wollten nicht, dass man sich selbstständig macht. Die bauten Hürden auf, wo sie konnten. Als ich meinen Antrag als Privatbetrieb stellte und meinen dafür notwendigen Meisterlehrgang vorbereitete, wurde ich regelmäßig, aller zwei Jahr, zur Reserve in die NVA eingezogen. Selbst als ich mein Meisterstudium aufnahm, musste ich zur Armee. Das war doch die blanke Schikane."

Im Herbst 1989 meldete Bernd Schulz sein Geschäft als ambulantes Gewerbe an. Das ging ohne Probleme. Den Großteil seiner hölzernen Produkte fertigt er selbst an. Zum Beispiel die Holzleitern. "Die werden mir in Eisleben förmlich von der Hand weg abgekauft. Die Gegend rings um Eisleben wird vom Obstbau bestimmt. Meine Leitern sind zwischen zweieinhalb und zehn Meter lang. Na ja, und dann habe ich meinen Laster immer auch mit anderen Gerätschaften aus Holz beladen." Aus eigener Herstellung sind das u.a. Sägeböcke, Hocker, Zaunzubehör, Stiele für Gartengeräte, Wäschestützen, Holzrechen. Zur Fracht gehören ebenso Bänke, Mulden, Kuchenbretter und Reisig-Besen. "Diese Dinge verkaufe ich in Kommission", sagt Schulz und erzählt, dass seine Vorfahren mit der Pferdekutsche die Strecke nach Eisleben gefahren sind. "Von der Haustür hier bis dorthin sind es genau 96 Kilometer. Die Generationen vor mir waren zwei Tage im Sommer und drei Tage im Frühling und Herbst unterwegs. Später wurden die Pferde durch Lkw ersetzt. Ich fuhr noch mit einem LO Robur durch die Lande", fügt Schulz hinzu.

Heute ist er so gut wie jeden Tag mit seiner Ladung in Dörfern Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringen und Brandenburg unterwegs. An Wochenenden steht er auf Märkten und bietet seine Sachen auf Volks- und Dorffesten an. Die Woche über tourt er übers Land.

Zum Schluss sagt Bernd Schulz: "Die Glocke ist mein Markenzeichen und wird es bleiben. Denn ihr Bimmeln ernährt uns Leitermacher aus dem Holzland in der fünften Generation. Die sechste steht bereits in den Startlöchern."

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