Die Kopie in der Hosentasche

Nobelpreisträger Klaus von Klitzing ist ein Mann des Messens. Er entdeckte eine Naturkonstante. Gestern besuchte er die Weidaer Ausstellung zur Historie der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt, in der auch sein Onkel arbeitete.

Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (rechts). Er erhielt 1985 den Nobelpreis für Physik, zu Besuch in der Ausstellung 'Vom Urmeter zur Atomuhr' auf der Osterburg Weida. Anlass sind 125 Jahre Physikalisch-Technische Reichsanstalt. Neben ihm Prof. Dr. Peter Bussemer von der Berufsakademie Gera, Kurator der Ausstellung.

Nobelpreisträger Klaus von Klitzing (rechts). Er erhielt 1985 den Nobelpreis für Physik, zu Besuch in der Ausstellung 'Vom Urmeter zur Atomuhr' auf der Osterburg Weida. Anlass sind 125 Jahre Physikalisch-Technische Reichsanstalt. Neben ihm Prof. Dr. Peter Bussemer von der Berufsakademie Gera, Kurator der Ausstellung.

Foto: zgt

Weida. Er hält es wie die Weidaer mit dem inzwischen nachgebauten Ur-Meter. Nur eine Kopie seiner Nobelpreis-Medaille hatte der Physiker Klaus von Klitzing gestern dabei.

Lässig zog er die glänzende Scheibe aus der Hosentasche. Als er damals 1985 den Nobelpreis für Physik in Stockholm verliehen bekam, hatte er die Möglichkeit, drei solcher Kopien zu kaufen. Er tat es und verschloss das Original im Safe.

Die Auszeichnung, die seit 1901 nur reichlich 20-mal an deutsche Physiker verliehen wurde, würdigt seine Entdeckung in der Nacht vom 5. Februar 1985, morgens zwei Uhr.

"Experimentell habe ich zu diesem Zeitpunkt nachgewiesen, dass es etwas sehr, sehr Genaues gibt, den elektrischen Widerstand zu messen", erzählt der Gast. Wissenschaftlich heißt dieser Naturwiderstand Quanten-Hall-Effekt. Das war die Geburtsstunde der nach ihm benannten Klitzing-Konstante, die 25 812,807 Ohm entspricht und seit 1990 als internationale Maßeinheit gültig ist.

In der Austellung auf der Osterburg entdeckt Klaus von Klitzing einen Drahtwiderstand, der einem Ohm entsprechen soll. "E 361 Normalwiderstand" steht an dem Schildchen in der Vitrine. Dass der veränderbar ist, daran lässt der Wissenschaftler keinen Zweifel und erzählt von dem Bemühen, Fundamentalgrößen für das Messen einzuführen, um ein stabiles Einheitensystem zu entwickeln.

Das Ur-Meter zum Beispiel habe seit 1983 ausgedient. Grundlage für Längenbemessungen bildet seitdem die Lichtgeschwindigkeit. Geforscht werde nun daran, das Ur-Kilogramm über die 1900 entdeckte Planck-Konstante zu beschreiben. Denn das Ur-Kilogramm verändert sich, weil Gas diffundiert, so der Wissenschaftler.

Heute ist der 69-Jährige Direktor des Max-Planck-Institutes Stuttgart und ruhelos wie sein Reisebericht für die letzten sechs Wochen verrät. Die Schweiz, Frankreich, Italien, China und Korea hatte er, der jetzt auf dem Gebiet der Nano-Elektronik und Halbleitertechnik forscht, als Vortragsreisender besucht, ehe er sich auf der Osterburg anmeldete.

Den Kontakt hergestellt hatte Peter Bussemer, Professor an der Geraer Berufsakademie und einer der Kuratoren der Ausstellung. Noch bis zum 4. November erinnert die Präsentation an die 125-jährige Geschichte der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR). 1943 zog dieses Institut, verantwortlich alle deutschen Messgeräte zu eichen, nach Weida. In den zwei Jahren bis 1945 war auch der Onkel des Stuttgarter Besuchers, Kurt-Hans von Klitzing, in Weida tätig, der seinen Neffen zur Metrologie verführte, wie jener heute sagt.

Als Festredner würdigte Klaus von Klitzing im März in Braunschweig die Geschichte der PTR, deren Nachfolger heute die Physikalisch-Technische Bundesanstalt ist. Unter den Gästen war damals auch Professor Bussemer, der die Einladung nach Weida aussprach. "Wir feiern das ganze Jahr das Jubiläum, aber eine Ausstellung kenne ich nur hier in Weida. Die ist einmalig", versicherte von Klitzing gestern.

Zur Erinnerung an seinen Besuch in der Ausstellung überreichte Peter Bussemer dem Gast auch ein kleines Ur-Meter am Schlüsselring. "Das werde ich bei meinem nächsten Vortrag einbauen", versprach der Nobel-Preisträger, der die Weidaer Geschichte vom gestohlenen Ur-Meter kennt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.