Die Meuselwitzer Orangerie: Ein Ort für Romantik

Rittergüter im Altenburger Land und ihr Schicksal: In der Meuselwitzer Orangerie zu heiraten, liegt im Trend. Das Café ist mit Hochzeiten ausgebucht. Für das malerische und fein sanierte Denkmal mitten in Meuselwitz ist das ein Glücksfall.

Die Orangerie in Meuselwitz. Foto: Martin Gerlach

Die Orangerie in Meuselwitz. Foto: Martin Gerlach

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Meuselwitz. Immer an den Wochenenden wirft sich Katherina Pursch in Schale. Sie zieht ihr barockes Kleid an. Gelb, ausladender, schimmernder Stoff. Sie hat es über das Internet gekauft. Eines für sich und weitere Exemplare für "ihre Mädchen", wie sie die Kellnerinnen nennt, die für sie arbeiten.

Katherina Pursch betreibt gemeinsam mit ihrem Ehemann das Café und Restaurant in der Meuselwitzer Orangerie. Im Februar 2011 haben sie eröffnet nachdem sie den Zuschlag von der Stadt Meuselwitz erhielten. Denn die Immobilie gehört der Stadt. Die Verwaltung ließ das Gebäude von 1991 bis 1998 aufwändig sanieren, wie es heißt. Besonders sorgfältig kümmerten sich die Restauratoren um die Standbilder in der Rotunde, die die vier Jahreszeiten darstellen. Besonders auch: Zur Fassade der Orangerie gehören zwölf Büsten. Sie zeigen Frauen und Männer – fröhlich oder grimmig guckend, nachdenklich oder ausdruckslos. Sie stellen die Sternbilder dar. Linker Flügel, die des südlichen Sternhimmels, rechter Flügel, die es nördlichen.

Die Purschs haben sich schon vor Jahren in das Anwesen verliebt. Noch während ein anderer Betreiber das Café führte. "Wir sind hier oft essen gewesen, weil wir die Atmosphäre so mögen", sagt Katherina Pursch. "Sehen Sie sich um, es gibt in der Region wenig vergleichbares". Außerdem möge sie alles, was Barock ist – oder so aussieht. Deswegen bedient sie am Wochenende gern in dem historisch anmutenden Kleid. Selbst wenn es nicht immer unbedingt praktisch ist. Ist es schwierig ein modernes Restaurant in einem denkmalgeschützten alten Gebäude zu führen? "Nein, nicht wirklich", sagt Prusch. "Aber wir müssen sehr darauf achten, dass nichts beschädigt wird." Das gleiche gilt für die Inneneinrichtung. Da sollte es keine Stilbrüche geben – alles muss sich in das historische Gesamtbild einfügen. Die zwei Bilder, die die Gastwirtin auch über das Internet bestellte, passen tatsächlich hinein. Selbst wenn die Kaiserin Sissi, die auf einem porträtiert ist, mit der Meuselwitzer Orangerie herzlich wenig zu tun hat. Die Woche über könnte das Café voller sein, meint Pursch. An den Wochenenden sieht es allerdings schon anders aus. In der Meuselwitzer Orangerie liegt Heiraten im Trend. "Wir sind die nächsten Monate ausgebucht", sagt Pursch. Die Heiratswilligen und ihre Gäste kommen nicht nur aus der ostthüringischen Stadt, sondern aus der gesamten Region. Im Café können sie beinahe uneingeschränkt feiern. Eine Sache allerdings, die ist in der Orangerie verboten: Blüten werfen – wegen der Flecken.

Barocker Glanz und Prominenz – Aus der Geschichte des Rittergutes Meuselwitz

Erste Belege für einen Rittersitz in Meuselwitz stammen aus dem 12. Jahrhundert, wo als Besitzer des Gutes ein Harwigus de Muzelbuze erwähnt wird. In den Händen dieser Familie blieb das Rittergut dann noch über hundert Jahre, bis es später ab 1525 zusammen mit Breitenhain, Prößdorf, Rasephas, Heuckendorf, Wildenhain und Wuitz dem Kurfürstlichen Rat und Amtsmann zu Altenburg Günther von Bünau gehörte und danach in den Besitz der Familie Clausbruch wechselte. Die Clausbruchs verkauften Meuselwitz 1676 an den berühmten deutschen Staatsmann Veit Ludwig von Seckendorff (1626-1692).

Von Seckendorff, geboren in Herzogenaurach, besuchte ein Gothaer Gymnasium und studierte später Philosophie, Rechtswissenschaft und Geschichte in Straßburg. Er schrieb bis 1655 an seinem staatswissenschaftlichen Werk "Der deutsche Fürstenstaat". Dieses Buch, das lange Zeit als Standardwerk für die politische Bildung an den deutschen Universitäten diente, erreichte schon zu von Seckendorffs Lebzeiten mehrere Auflagen. 1651 wurde von Seckendorff Gothaischer Hof- und Justizrat, 1656 Geheimer Hof- und Kammerrat und schließlich, im Jahr 1663, Geheimer Rat und Kanzler. 1664 trat er in den Dienst des Herzogs Moritz von Sachsen-Zeitz ein. 1677 veranlasste der Staatsmann den Neubau des Meuselwitzer Wasserschlosses. Nach seinem Abschied als Kanzler im Jahr 1680 zog er sich dauerhaft auf seinen Landsitz in Meuselwitz zurück, blieb aber Altenburger Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirektor. In Meuselwitz schrieb von Seckendorff das 1685 erschienene, kirchengeschichtliche Buch "Christenstaat". Kurz vor seinem Tod wurde er zum Kanzler der neu gegründeten Universität Halle ernannt. Veit Ludwig von Seckendorff starb in Halle und wurde am 30. Dezember 1692 in der Meuselwitzer Kirche beigesetzt.

Noch bis zur Bodenreform 1945 blieb das Rittergut Meuselwitz im Besitz der Familie von Seckendorff. Die Nachkommen des berühmten Staatsmannes ließen das Schloss bis zur endgültigen Fertigstellung im Jahr 1729 noch erweitern und ausbauen. Reichsgraf Friedrich Heinrich von Seckendorff (1673-1763) engagierte 1709 den Barockbaumeister und Gartenarchitekten David Schatz, um die Schlossanlage im barocken Stil umzubauen. Um das Schloss herum entstand ein weitläufiger Park mit einer Allee aus Pyramiden-Pappeln, Zierteichen, Wassergräben und Grotten. Die 1724 erbaute Orangerie bildete die nördliche Grenze des prachtvollen Schlossgartens. Weil Prinzen und Adelsfamilien zu den Freunden des Hausherrn zählten, flanierte in Meuselwitz die gehobene Gesellschaft. Die prominentesten Gäste waren August II. König von Polen und König Friedrich Wilhelm I. von Preußen.

Ein Luftangriff auf Meuselwitz am 20. Februar 1945 fügte den Wirtschaftsgebäuden des Rittergutes schwere Schäden zu. Das Schloss selbst blieb beinahe unversehrt. Hatte es den Luftangriff schadlos überstanden, fiel das Gebäude 1945 der Bodenreform zum Opfer. Nach der Enteignung der Besitzer wurden damals alle Gebäude abgerissen. Erhalten blieben lediglich die stark beschädigte Orangerie und das fast unversehrte barocke Schlosstor, das aber trotz Einspruchs der Denkmalpflege 1950 abgerissen wurde. Die wesentlichen Elemente der früheren Gartengestaltung sind auch heute noch erhalten. Die Orangerie konnte 1957 durch den Leipziger Architekten Walter Gruner restauriert werden.

Quellen: Christiane Nienhold und Gustav Wolf in: "Und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! Rittergüter im Altenburger Land und ihre Gärten. Museum Burg Posterstein 2007

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