Die Parkeisenbahn in Gera: Ein ostdeutsches Phänomen kämpft um den Erhalt

Gera  Zum 7. Nationalen Parkeisenbahntreffen hatte am Wochenende der Geraer Waldeisenbahn-Verein eingeladen. Für die Vertreter von acht ostdeutschen Parkeisenbahnen war die Geraer Bahn gestern außerplanmäßig auf Tour.

Ab geht die Fahrt beim 7. Nationalen Parkeisenbahntreffen am 6. Februar in Gera im Martinsgrund mit Teilnehmern aus Dresden, Leipzig, Cottbus, Vatterode, Chemnitz, Gera, Görlitz , Halle. Foto: Elke Lier

Ab geht die Fahrt beim 7. Nationalen Parkeisenbahntreffen am 6. Februar in Gera im Martinsgrund mit Teilnehmern aus Dresden, Leipzig, Cottbus, Vatterode, Chemnitz, Gera, Görlitz , Halle. Foto: Elke Lier

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Zu den Fahrgästen zählten neben freudig überraschten Tierparkbesuchern wie Dorothee Enke mit ihren Enkeltöchtern Lotta und Paula aus Zeulenroda die „Parkeisenbahner aus Leidenschaft“.

So ist aus dem einstigen Berliner Pioniereisenbahner Jens Klischies der heute 42-jährige Chef aller Lokführer der Berliner S-Bahn geworden. „Ich hatte als Kind und Jugendlicher dort eine schöne Zeit, habe dann meine Lehre bei der Bahn begonnen und bin Lokführer geworden. Einen besseren Start ins Berufsleben kann man sich gar nicht wünschen.“

So wie er sind viele der Teilnehmer des 7. Nationalen Parkeisenbahntreffens Eisen- oder S-Bahner geworden. Aus Liebe zu den kleinen Bahnen, die sich nach 1990 recht einfach von Pionier- in Parkeisenbahn (PB) ideologiefrei umtaufen ließen, Einst der Volksbildung zugehörig, kämpfen sie 26 Jahre nach der Wiedervereinigung um ihren Erhalt. Mit unterschiedlichem Erfolg. Diese Überlebensstrategie machte einen wesentlichen Teil des Treffens aus. „Ohne Sponsoren und einen rührigen Verein im Hintergrund“, das weiß der bei der Stadt Gera angestellte Geschäftsführer Hans-Joachim Lassmann nur zu gut, „würde unsere Geraer Bahn kaum 41 Jahre durch den Geraer Martinsgrund schnaufen.“

Die kleinen Bahnen sind ostdeutsches Phänomen

Schon die hier versammelten Städte – Berlin mit der Wuhlheide, Cottbus mit dem Spreeufer, Chemnitz mit dem Küchwald, Dresden mit dem Großen Garten, Leipzig am Auensee, Halle mit der Pleißnitzinsel, Görlitz mit Park- und Wald in der Innenstadt und Vatterrode, wo der Ort im Mansfelder Land mit dem Naherholungsgebiet Vatteröder Teich verbunden wird – zeigen: Die Parkeisenbahnen, die von Kindern und Jugendlichen betrieben werden, sind ein ostdeutsches Phänomen geblieben. Obwohl in den Einigungsvertrag auch die Bau und Betriebsordnung für Parkeisenbahnen mit übernommen wurde, bedauert der Dresdner Eisenbahnbetriebsleiter Robert Böpple , dessen Bahn zu den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Dresdens gehört, „dass diese sinnvolle Freizeitgestaltung für Kinder und unkomplizierte Berufsvorbereitung von der Deutschen Bahn nicht besser als große Chance genutzt wird.“

So hatte bei der Begrüßung der Parkeisenbahner Geras Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) darauf verwiesen, dass hier Berufstugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit, Genauigkeit und Teamgeist spielend vermittelt werden. Um wie viel schwerer das bei Lehrlingen sei, berichtete Volker Krautheim vom Bildungszentrum Ostthüringen, der künftige Gleisfacharbeiter vor Ort am Schienennetz der kleinen Parkbahn in Gera ausbildet.

Die älteste Parkeisenbahn ist die Dresdener mit 66 Jahren und einer beachtlichen Fahrgastzahl von 250 000 Fahrgästen jährlich. Stolz berichtete Robert Böpple, dass 200 Kinder und Jugendliche ihren Dienst versehen, 41 die Ausbildung neu begonnen haben.

Am sichersten stehen Parkeisenbahnen als GmbH da. „Wir sind seit 2011 unserem Nahverkehrsbetrieb angegliedert,“ ist der Cottbusser Vereinschef Denis Kettlitz dankbar. Hier bekomme man viel fachmännische Unterstützung.

Die Berliner Bahn, die in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, gehörte als einzige der DDR-Pioniereisenbahnen zur Deutschen Reichsbahn, die nach der Wende nichts mehr von dem kleinen Partner wissen wollte ebenso wie die Stadt Berlin. Für eine symbolische Mark habe man 1993 der Bahn die Parkeisenbahn abgekauft, die nun unter Berliner Parkeisenbahn gGmbH firmiert. Im Vergleich zu Geras 800 Metern Schienennetz bewältigt die hauptstädtische Bahn in der Wuhlheide siebeneinhalb Kilometer.

Am schwersten hat es gegenwärtig die Vatteroder Bahn, die seit 2008 ihren Betrieb eingestellt hat. Ganz privat und mit Sponsoren versucht nun Vereinschef Björn Garten, das Signal wieder auf Grün zu stellen. „Dies ist kein Paradebeispiel der Unterstützung durch die öffentliche Hand, aber die Bevölkerung begrüßt die Bemühungen sehr.“ Wie früher wolle man sich gegenseitig unterstützen bei der Materialbeschaffung , aber auch bei der Entwicklung eines gemeinsamen Parkeisenbahnvideos oder Quartettspiels, hieß es.

In Gera hatten an diesem Tag neben anderen jungen Parkeisenbahnern auch der 13-jährige Lennart Waldenmaier, der 14-jährige Justin Schmoginski und der Forstwirtschaftsstudent Nils Fischer (22) außerplanmäßigen Dienst. Was sie dazu antreibe? „Die Freizeit sinnvoll zu verbringen, an der frischen Luft zu sein, was zu lernen, anderen Leuten Freude machen.“ Justin überlegt, vielleicht mal Lokführer zu werden.

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