Domizil für verletzte Seelen in Greuda

Greuda  Der Verein „Seelentröster“ kümmert sich in Greuda bei Kahla im Saale-Holzland-Kreis um ausgesetzte Tiere und traumatisierte Kinder.

Der Verein "Seelentröster" hat in Greuda bei Kahla den Lebens- und Begegnungshof Lana für ausgesetzte Tiere im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Sabine Eck und Rüdiger Pohl kümmern sich ehrenamtlich um die Tiere. Foto: Katja Dörn

Der Verein "Seelentröster" hat in Greuda bei Kahla den Lebens- und Begegnungshof Lana für ausgesetzte Tiere im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Sabine Eck und Rüdiger Pohl kümmern sich ehrenamtlich um die Tiere. Foto: Katja Dörn

Foto: zgt

Wer am Hof mit der Nummer 2 in Greuda um Einlass bitten will, sucht die Klingel. Und braucht sie dann doch nicht. Schwanzwedelnd begrüßen zwei Dutzend Hunde den Besuch vor dem Tor. Dann ist auch Sabine Eck schnell zur Stelle.

Im dem Dorf bei Kahla, in einer Senke gelegen, kümmert sie sich für den Verein "Seelentröster" um den Hof, der auf den ersten Blick ungewöhnlich scheint. An der rechten Ecke ist ein Auslauf für Kaninchen errichtet, Hunde – vom Border Collie bis zum Zwergpinscher – laufen über das Anwesen. In einem Raum stehen zahllose Käfige, in ihnen Chinchillas. Elf kamen erst jüngst hinzu, sagt Eck. Gerettet aus einer verwahrlosten Wohnung. Sie nimmt ein Chinchilla auf den Arm, zeigt das linke Hinterbein. Ein Teil davon fehlt.

Der Verein "Seelentröster", der seinen Sitz in Saalfeld-Rudolstadt hat, fängt auf dem Hof Lana in Greuda diejenigen auf, die schwere Schicksalsschläge erlebt haben; egal ob auf zwei oder vier Beinen. Sabine Eck und ihr Vereinskollege Rüdiger Pohl betreuen Kinder aus Heimen. Auf dem Lebens- und Begegnungshof verwirklichen sie seit 2013, was man unter dem Begriff tiergeschützte Sozialarbeit zusammenfasst.

Einerseits lernen die Kinder, die selbst schon viel im Leben erlitten haben, dass ein Tier zu besitzen mehr bedeutet als es nur zu kuscheln. Sie füttern sie, räumen den Kot weg, bauen selbst artgerechte Ställe und rechen das Laub, das derzeit im Garten von den Bäumen geweht wird. Andererseits ist der Hof Lana das Projekt unermüdlicher Tierschützer.

Sabine Eck zählt auf: 24 Hunde, 48 Chinchillas, 16 Kaninchen und neun Meerschweinchen leben derzeit auf dem Hof. "Die Tiere waren verwahrlost, wurden ausgesetzt oder wurden schwerst misshandelt", sagt sie. Die Kinder erfahren von diesen Schicksalen.

Veru, eine schwarz-weiße Chihuahua-Hündin, haben die Tierschützer aus Spanien geholt, wo sie von Jugendlichen als Fußball missbraucht wurde. Ihre Geschichte erfuhr ein Junge aus Ecks Betreuungsgruppe. Vor dem Riesen hatten selbst die Betreuer Respekt, er war oft aggressiv, kam aus einem gewalttätigen Elternhaus. Bei Veru zeigte er seinen weichen Kern. "Wir müssen zusammenhalten", habe er der Hündin einmal zugeflüstert.

In den Hof stecken die beiden Aktiven des Vereins nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. Über jede Unterstützung sind sie froh. Bei der Aktion "Thüringen sagt Ja zu Kindern" erhielten sie vor zwei Jahren 24 000 Euro. "Damit haben wir den Stall umgebaut, wo jetzt die Chinchillas leben", sagt Sabine Eck.

"Tiere sind keine Geschenke, sondern Lebewesen"

Viele andere Baustellen liegen mangels Geld und auch ehrenamtlicher Unterstützung noch brach. So soll ein Seminarraum entstehen. Sabine Eck ist nicht nur Fachkraft für tiergeschützte Intervention, sondern auch Tierschutzlehrerin. An Schulen und Kindergärten vermittelt sie den artgerechten Umgang mit Tieren.

Dass dieser Umgang nicht selbstverständlich ist, erleben sie regelmäßig. Ein Katzenbesitzer drohte, seine Tiere zu töten, würden sie ihm diese nicht abnehmen. Er hatte schlichtweg kein Geld mehr für das Futter. "Ihr seid doch Tierschützer", hören sie dann.

Es ist eine Zwickmühle. "Einer mehr oder weniger", denkt sich Sabine Eck. Doch ein Hund mehr kostet ebenfalls Geld. Ist er geeignet, mit Kindern zu arbeiten, bleibt er zudem auf dem Hof und wird nicht weitervermittelt. Andere, wie die 16 Jahre alte Mischlingshündin Tina, sind nicht mehr vermittelbar. Sabine Eck und Rüdiger Pohl fangen die Lebewesen auf, die andere zu sich holen, weil sie vielleicht klein und niedlich sind, aber für die irgendwann keine Zeit mehr da ist oder die einfach lästig werden.

Gerade kurz vor Weihnachten ist es immer ein Thema. "Tiere sind keine Geschenke, sondern Lebewesen", plädiert Sabine Eck. Wer dennoch ein Tier in sein Haus aufnehmen will, sollte das im neuen Jahr tun, wenn der Stress der Feiertage vorbei ist. Und am besten aus einem Tierheim oder von einem Tierschutzverein. Sie misstraut Züchtern, bei denen nicht beide Elternteile vorhanden sind. Mitunter gebe es auch in Deutschland sogenannte Vermehrerhunde. Angekettet, sind sie nur dafür da, Nachwuchs zu gebären.

Wer den Verein "Seelentröster" unterstützen will: Es werden ehrenamtliche Helfer gesucht, die regelmäßig mithelfen. Kleine Spenden, beispielsweise auch Heu, Streu und Futter für die Kleintiere sowie Kräuter für die Chinchillas sind willkommen. Auch Patenschaften für einen Hund können abgeschlossen werden.

Weitere Informationen unter: www.die-seelentroester.de