Dr. Wolfgang Wehr erhält Denkmalpflegepreis

Der gute Geist vom Wespenstein: Dr. Wolfgang Wehr erhält für sein Konzept zur Sanierung des Gräfenthaler Schlosses den Denkmalpflegepreis. Ehrung erfolgt zur Festveranstaltung anlässlich des Tages des offenen Denkmals im Zeughaus von Schloss Schwarzburg.

Schlossher Wolfgang Wehr hat ein Ziel: Bis zur Rente will er Wespenstein im Landkreis Saalfeld/Rudolstadt fertig restaurieren. Foto: Robert Mailbeck

Schlossher Wolfgang Wehr hat ein Ziel: Bis zur Rente will er Wespenstein im Landkreis Saalfeld/Rudolstadt fertig restaurieren. Foto: Robert Mailbeck

Foto: zgt

Gräfenthal. Am Freitag kurz nach 15 Uhr klingelte bei Dr. Wolfgang Wehr das Telefon. Am anderen Ende meldete sich LEG-Geschäftsführer Frank Krätzschmar, der ihm in seiner Funktion als Vorsitzender des "Fördervereins Denkmalpflege in Thüringen" mitteilte, Schloss Wespenstein und Dr. Wehr als Stifter und Förderer erhalten den diesjährigen Förderpreis.

"Knapp eine Stunde später habe ich es dann auch im Radio gehört", sagt Wehr, der Ende 2002 das verfallende Schloss bei einer Auktion erwarb, um es Stück für Stück zu sanieren.

Zunächst glaubte Wehr an einen Scherz, denn die Bewerbung für den Preis hatte er erst kurz vor der Angst abgeschickt. "Meine Lebensgefährtin hat die Ausschreibung drei Tage vor Einsendeschluss entdeckt", erzählt der 46-Jährige. Daraufhin habe er das für die Städtebauförderung erarbeitete Konzept angepasst, "aber nicht damit gerechnet, dass wir etwas gewinnen."

Jetzt sind es 30 000 Euro geworden, die in drei Jahresraten ausgezahlt werden. Sie sollen vorwiegend in die Schwammsanierung fließen. Von 40 Gebinden an der Vorderseite des Schlosses seien 38 befallen. In einem Bereich gab es sogar akute Einsturzgefahr. Als die Zimmerleute anrückten, stellten sie fest, dass die Lage noch viel schlimmer ist, als es das Gutachten aussagte. "Es wird teurer und dauert länger", sagt der Bauingenieur, der in Karlsruhe über die Sanierung von alten Stützmauern promoviert hat. "Das Geld ist willkommen", sagt Wehr, "aber das Wichtigste für mich ist, dass der Jury unser Konzept gefallen hat."

Die würdigt mit der Vergabe des Preises "das nachhaltige Sanierungs- und Nutzungskonzept für das bedeutsame Denkmal in Gräfenthal". Vorrangig solle der Preis auf die umfassende und ganzheitlich angelegte Schwammsanierung des Dachs fokussieren und diese Kernmaßnahme im Restaurierungsprojekt fördern helfen.

Prämiert würden Projekte, die ausdrücklich noch nicht abgeschlossen sind, jedoch durch eine überzeugende Planung oder eine engagierte Startphase von einem großen Potenzial zeugen. Dabei berücksichtige die Jury in ihrer Wertung sowohl denkmalpflegerische, ökonomische und ökologische Aspekte als auch die Nachhaltigkeit der Initiative selbst. Besondere Berücksichtigung finden Vorhaben, die aus der Initiative einer Gruppe oder einer engagierten Einzelperson heraus entstanden sind und in die Gesellschaft wirken.

Für die Jury erfüllt das Projekt zur Sanierung und Nutzung des Schlosses Wespenstein diese Kriterien in besonderer Weise. So verdankt das Denkmal seine Förderung der Initiative des Privatmannes Wehr, der seit 2003 Besitzer des Gebäudes ist und 2007 mit der Gründung der Stiftung Schloss Wespenstein die weitere Ausgestaltung des Bauwerks abgesichert habe. Stifter und Stiftung hätten ein nachhaltiges Konzept zur Erhaltung, Restaurierung und Nutzung des Denkmals erarbeitet – mittelfristiges Ziel sei es, das Gebäude zu einem Museumsschloss umzubauen. "Somit ist eine Nutzung vorgesehen, die einer breiten Öffentlichkeit einen Zugang zum Denkmal ermöglichen wird", würdigt die Jury.

Die Ursprünge von Schloss Wespenstein gehen vermutlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit war es Residenz der Grafen von Orlamünde und der Familie von Pappenheim.