Ein Akkordeonbauer alter Schule: Philip Böttcher aus Buchheim

Seit 2011 bietet Philip Böttcher in seiner eigenen Werkstatt die Reparatur, Restauration und das Stimmen der Instrumente an.

 Akkordeonbauer Philip Böttcher richtet ein Bass-Register. Foto: Susann Grunert

Akkordeonbauer Philip Böttcher richtet ein Bass-Register. Foto: Susann Grunert

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Buchheim. Handzuginstrumentenmacher - das ist ein langes Wort. "Bis vor ungefähr zehn Jahren hieß der Beruf auch noch Akkordeonbauer", erzählt Philip Böttcher über seine Zunft.

Seit fast drei Jahren besitzt der 25-Jährige eine kleine Werkstatt in Buchheim, bietet die Restauration, die Reparatur und das Stimmen von Akkordeons an. "Ich wollte schon immer etwas mit Musik machen", begründet er die Entscheidung für ein heute eher seltenes Handwerk.

Seine dreijährige Ausbildung absolviert Philip Böttcher im "Mekka" der Harmonikaindustrie: im sächsischen Klingenthal. Die Lehrzeit ist anspruchsvoll: "Fast die Hälfte der Azubis ist über die Jahre abgesprungen." Auch er selbst gibt zu, ob komplizierter Reparatur- und Stimmverfahren den ein oder anderen Wutanfall hinter sich gebracht zu haben. Am Ende lernt der junge Mann als einer von nur fünf Gesellen aus.

Zunächst findet er in der Schaumanufaktur von Klingenthal eine Anstellung. "Das hat schon richtig Spaß gemacht, weil immer wieder Leute vorbeigekommen sind, denen man sein Handwerk erklären konnte", erzählt der Buchheimer. Doch die Wirtschaftskrise trifft die Manufaktur 2009 hart, ein großer Auftrag bricht weg, die Werkstatt wird abgewickelt. "Da musste Plan B her."

Philip Böttcher kann von seinem insolventen Arbeitgeber günstig noch vorhandenes Material erwerben und eröffnet im August 2011 schließlich seine eigene kleine Werkstatt im heimischen Buchheim. "Das erste Jahr war schwer", gibt er zu. Was hilft, sind die guten Kontakte, die er schon zu Lehrzeiten mit Herstellern geknüpft hatte. Mittlerweile ist er mit seiner Auftragslage zufrieden: Zwischen drei und vier Akkordeons warten monatlich auf die geschickten Hände des Instrumentenbauers. Der ist froh, noch "nach alter Schule" ausgebildet worden zu sein. Das sei vor allem beim Stimmen der Instrumente - ein Hauptaufgabenfeld - von Vorteil. In einem Orchester höre man zum Beispiel recht deutlich, ob ein Instrument "neu­modisch" mit einem Stimmgerät auf Null gezogen wurde, oder ob es nach alter Schule nach Gehör gestimmt wurde. "Wenn man das Akkordeon regelmäßig spielt und es ordentlich lagert, kann die Stimmung bis zu zehn Jahre halten", so der Experte.

Dessen Herz hängt ausdrücklich an alten Instrumenten. Ein historisches Exemplar hat Philip Böttcher vor ein paar Jahren für seinen Opa restauriert. "Akkordeons, die 50 Jahre und älter sind, sind einfach etwas ganz ­besonderes", findet er. So wisse man beispielsweise bei der Reparatur einer jahrzehntealten Bassmechanik nie genau, was als nächstes passiert. "Deshalb wächst man an solchen Projekten als Instrumentenbauer auch ungemein", ist er überzeugt. Eine Erfahrung, die moderne Exemplare nicht bieten würden.

Das Akkordeonspielen hat der 25-Jährige im Übrigen erst während der Ausbildung gelernt. "Das gehört einfach dazu, wenn man das Instrument vollständig verstehen möchte."

Schlagzeug-Workshop mit Marcus Horn

Nebenberuflich arbeitet Philip als Schlagzeuglehrer in der "Studio"B-Musikschule für Popularmusik" seines Vaters Frank Böttcher. Zahlreiche Veranstaltungen haben dieses Jahr schon das zehnjährige Bestehen der Musikschule begleitet. Höhepunkt war ein gemeinsames Konzert der Musikschüler mit dem international renommierten Hammond-Organist Raphael Wressnig aus Österreich und dem Erfurter Schlagzeuger Marcus Horn, mit dem für Frank Böttcher nach eigenen Aussagen ein "Kindheitstraum" in Erfüllung gegangen ist. "Das war total gigantisch. So voll war die Kirche wahrscheinlich zuletzt zu ihrer Einweihung", witzelt er.

Am 19."Juli lädt die Musikschule Interessierte aus der ganzen Region erstmals zu einem Schlagzeug-Workshop mit Marcus Horn nach Buchheim ein. "Das wird ein richtiger Crash-Kurs", meint Philip Böttcher. Gezeigt wird alles rund ums Trommeln - vom richtigen Halten der Drumsticks bis zum Improvisieren auf dem Instrument.

Workshop-Anmeldung: boettcher@ studiobmusic.de

Bild 1: Philip Böttcher hält eine Wiener Harmonika in den Händen, die er während seiner Lehre selbst gebaut hat.Foto: Susann Grunert

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