Eisenberger Schüler übernehmen Verantwortung für Stolpersteine

Eisenberg  Stolpersteine erinnern in vielen Städten an die Opfer der NS-Zeit – auch in Eisenberg. Damit die Erinnerung auch bei den Jugendlichen lebendig bleibt, kümmern sich jetzt Siebtklässler um die Steine.

Unterzeichnung eines Patenschafts- und Pflegevertrags zwischen dem Friedrich-Schiller-Gymnasium und der Stadt Eisenberg über die Stolpersteine. Von links: Schülerin Vincenza, Bürgermeister Ingo Lippert, Floreen Brömel, Emiliy, Steffen Riebel und Anja Polten. Foto: Julia Schäfer

Unterzeichnung eines Patenschafts- und Pflegevertrags zwischen dem Friedrich-Schiller-Gymnasium und der Stadt Eisenberg über die Stolpersteine. Von links: Schülerin Vincenza, Bürgermeister Ingo Lippert, Floreen Brömel, Emiliy, Steffen Riebel und Anja Polten. Foto: Julia Schäfer

Foto: zgt

Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Eisenberg und die Stadt haben gestern einen Pflegevertrag über die Stolpersteine abgeschlossen. Schüler der siebten Klassen werden in Zukunft die Stolpersteine am Großen Brühl regelmäßig reinigen und schauen, ob dort noch alles in Ordnung ist.

Anja Polten hatte die Idee, dass sich in Zukunft Schüler um die Stolpersteine kümmern sollen. Die Eisenbergerin hielt vor kurzem eine Stunde Ethikunterricht in der Klasse von Floreen Brömel. Thema waren unter anderem ihre Erfahrungen mit dem Judentum. Daraus entstand die Idee, die Stolpersteine, die an die jüdische Familie May verlegt wurden, zu reinigen und dort an die Opfer der NS-Zeit zu erinnern. „Die Schüler sollen bewusst mit der Vergangenheit umgehen und achtsam mit ihren Mitmenschen sein“, sagte Ethiklehrerin Floreen Brömel.

Die jetzigen Siebtklässler um Vincenza und Emily aus der Klasse 7c werden die Aufgabe zum nächsten Schuljahr an die nächsten Siebtklässler abgeben, so kümmert sich immer eine neue Gruppe um die Stolpersteine. „Die siebte Klasse bietet sich für das Projekt an“, erklärte Brömel. In der sechsten Klasse stehe eine große Einheit zum Thema Judentum auf dem Lehrplan, bei der auch die NS-Zeit und der Holocaust behandelt werde. Außerdem gebe es in der siebten Klasse die Möglichkeit, im Deutschunterricht das Tagebuch der Anne Frank zu lesen.

Schüler sollen sich mit Geschichte beschäftigen

Einmal putzten die Schüler die vier Stolpersteine für die Familie May bereits. Die Reinigung sei jedoch nur ein Teil der Aufgabe, erklärte Polten. Ihr gehe es vorrangig darum, dass sich die Jugendlichen mit der Regionalgeschichte auseinander setzten. Nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Zumindest bei Emily und Vincenza aus der Klasse 7c hat die erste Putzaktion Spuren hinterlassen. „Die Stolpersteine fallen jetzt wieder viel mehr auf“, sagte die 13-jährige Emily. Auffallen sollen die Steine schließlich und die Passanten immer wieder zum Nachdenken anregen über das, was damals geschehen ist.

„Ich finde es gut, dass sich die Schule für solche Projekte öffnet“, sagte Bürgermeister Ingo Lippert (SPD) bei der Unterzeichnung des Patenschafts- und Pflegevertrags.