Erfüllte Träume unter der Zirkuskuppel: Artisten-Duo trainiert in Greiz für neue Tournee

Schon als Schulkinder haben die Greizerin Michele Klein (27) und die in der Schweiz aufgewachsene Seraina Imholz (25) davon geträumt, eines Tages als Artistinnen die Welt zu erobern. Der Traum ist Wirklichkeit geworden.

Michele Klein (links) und Seraina Ilmholz trainieren in der Winterpause fast täglich am Trapez in der Turnhalle der Regelschule Greiz-Pohlis. Foto: Christian Freund

Michele Klein (links) und Seraina Ilmholz trainieren in der Winterpause fast täglich am Trapez in der Turnhalle der Regelschule Greiz-Pohlis. Foto: Christian Freund

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Bereits als Zehnjährige gehörte Michele der Akrobatikgruppe des Schulsportvereins der Regelschule in Greiz-Pohlitz an und liebte die sportliche Herausforderung.

Serainas Talent wurde in der ersten Klasse vor allem beim Geräteturnen erkannt. Ab der siebenten Klasse besuchte sie die Kunst- und Sportschule in Uster im Züricher Oberland. Gerade mal zwei Jahre später bewarb sie sich mit Erfolg an der Staatlichen Artistenschule in Berlin.

Dort hatte Michele Klein ihre Aufnahmeprüfung bereits seit zwei Jahren erfolgreich gemeistert. Das erste Jahr mit der umfassenden Grundausbildung wie zum Beispiel in den Fächern Trapez, Jonglieren, Handständen oder auch das Balancieren auf dem Drahtseil war teilweise sehr hart. In jedem Fach musste man die Abschlussprüfung bestehen, um in den folgenden drei Jahren an der Schule eine umfassende Ausbildung in einer bestimmten Fachrichtung zu erhalten. Drei Tage lang dauerte diese Prüfung, in der die Klasse eine gemeinsame Show zusammenstellte. Am letzten Tag gab es die Benotung, erinnern sich die jungen Frauen, die sich im Verlaufe ihrer Studienzeit kennenlernten. Danach trennten sich vorerst die Wege der Artistinnen.

Die erste Saison nach ihrem Fachschulabschluss verbrachte Michele Klein auf dem „Elefantenhof“ in Platschow bei Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, anschließend bekam sie ein Engagement im Erlebnispark Memleben bei Naumburg. Hier zeigte sie ihr Können am Trapez und mit dem Tuch.

Atemberaubende Trapeznummer

Viel Spaß hatte die Greizerin auch an den akrobatischen Auftritten mit einem kleinen Hund, dem sie einige Kunststücke beigebracht hatte. Danach führte ihr Weg nach Österreich. Dort gastierte sie sechs Jahre im „Circus Aros“, der sich mittlerweile „Zirkus des Grauens“ nennt. „Aus der Gruft“ hieß damals ihre atemberaubende Trapez- Nummer. In der Ankündigung hieß es dazu: „Michele – die Untote“. „Um in diesem Zirkus erfolgreich zu sein, hatte ich während der Winterpause mein gesamtes Programm umgestellt. Dazu gehörte auch, dass wir die Kostüme selbst genäht haben“, erklärt Michele.

In diesem Zirkus gab es ein unverhofftes Wiedersehen mit Seraina. Bevor die Schweizerin in diesem Zirkus ein Engagement erhielt, begeisterte sie am Trapez in deutschen Varietés wie dem „Starclub Kassel“ und im „Et Cetera“ Bochum. Danach folgten erfahrungsreiche Zeiten im holländischen „Circus Freiwald“ sowie ein zweijähriges Debüt in dem österreichischen Familien-Circus „Pikard“. Im „Zirkus des Grauens“, in dem sie Michele wiedertraf, begeisterte sie das Publikum vor allem mit einer spektakulären Rhönrad-Darbietung.

Es lag auf der Hand, dass beide Artistinnen einen gemeinsamen Auftritt erarbeiteten. Als die „Skelettis“ schockten und faszinierten sie das Publikum gleichermaßen. „Es erwarten Sie synchron tanzende Skelette in luftiger Höhe. In vollkommener Dunkelheit sehen Sie bei UV-Licht fliegende Knochen, die schlussendlich waghalsig in die Tiefe stürzen“, hieß es im Programmheft.

Artistinnen sind jetzt gemeinsam unterwegs

Von nun an beschlossen Michele und Seraina, auch künftig gemeinsam aufzutreten. „Das hat Vor- und Nachteile. Zum einen ergibt es für die Zuschauer ein größeres Bild, wenn zwei Personen synchron ihre Darbietungen am Trapez zeigen. Auf der anderen Seite ist es dadurch aber auch schwieriger, ein Engagement zu erhalten“, erzählt Michele während einer Trainingspause. Natürlich ist es viel schöner mit einem gemeinsamen Programm, als allein unterwegs zu sein, sind sich die Artistinnen einig.

In zehn Meter Höhe und ohne Netz

Gegenwärtig ist Winterpause angesagt. Täglich nutzen die jungen Frauen die Möglichkeit und trainieren in der Turnhalle der Regelschule in Greiz-Pohlitz am Trapez. „Für diese Möglichkeit sind wir sehr dankbar. In der Regel arbeiten wir am Trapez unter der Zirkuskuppel in zehn bis zwölf Meter Höhe und ohne Netz. Angst haben wir nicht, aber Respekt. Das Gefährlichste ist die Routine, die darf sich nicht einschleichen“, erklärt Michele, die gern bei ihren Eltern in Greiz zu Besuch ist.

„Klar, das Zigeunerleben muss man lieben, schließlich spielt sich der Alltag im Wohnwagen und im Zirkuszelt ab. Bekanntlich verweilt ein Zirkus nur wenige Tage an einem Ort, manche sogar nur einen Tag. Wir helfen meistens beim Einrichten des großen Zeltes mit“, beschreibt Seraina den Artisten-Alltag. Zurzeit verbringen Campingwagen samt Kleinbus den „Winterschlaf“ auf dem Gelände der Firma Zölle. Bereits im März geht es für sechs Monate auf Tournee mit dem dänischen „Cirkus Arli“, in dem sie wieder als Duo auftreten. Und weil dieser Zirkus jeden Tag in einer anderen Stadt gastiert, heißt es für die Beiden: Jeden Tag eine tolle Show abliefern.

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