Erinnerungen an die Geschehnisse in Hartmannsdorf am 12. April 1945 wach halten

Hartmannsdorf  Hartmannsdorf gedenkt der 33 Menschen die beim Todesmarsch ums Leben kamen. Häftlingszug kam am 12. April 1945 im Ort an. Pfarrer Ulrich Katzmann hält am Friedhof christliche Andacht.

Gedenken am Sonnabendvormittag für die 33 Opfer des Todesmarsches. Rechts im Bild Pfarrer Ulrich Katzmann bei seiner Andacht.Foto: Andreas Schott

Gedenken am Sonnabendvormittag für die 33 Opfer des Todesmarsches. Rechts im Bild Pfarrer Ulrich Katzmann bei seiner Andacht.Foto: Andreas Schott

Foto: zgt

Über 4500 Häftlinge wurden vom Konzentrationslager Buchenwald in den letzten Kriegstagen auf so genannte Todesmärsche geschickt. Ihren Peinigern gnadenlos ausgeliefert, ohne Wasser und Brot, wurden die Häftlinge durch Land und Flur getrieben. Nicht Rettung sei das Ziel der Nazis gewesen, sondern Vernichtung. „Mit diesen Märschen zeigte das NS-Regime noch kurz vor seinem Untergang seine Unmenschlichkeit und wollte Spuren verwischen“, so Pfarrer ­Ulrich Katzmann. Am 12. April war der Häftlingszug in Hartmannsdorf angekommen, der sich kurz darauf in der Region auflöste. „33 Menschen haben das Martyrium nicht überlebt. Die, die überlebt haben, waren ein Leben lang traumatisiert. Was ist eigentlich aus den Wächtern geworden. Fragen über Fragen, auf die Antworten gesucht werden“, so Ulrich Katzmann.

Heute gebe es kaum noch Zeitzeugen, daher sei es um so wichtiger, schriftliche Zeugnisse zu haben. „Wir müssen diese Geschehenisse wach halten, ­sagen was passiert ist, damit ­diese menschenverachtende NS-Ideologie nie wieder um sich greifen kann“, mahnte er.

Nach dem Gedenken im Friedhof suchten die Gedenkenden den Ehrenstein für die Todesmarschhäftlinge im Ort auf, der 1985 erreichtet worden ist.

Martin Bierbrauer, Chef der Verwaltungsgemeinschaft Crossen-Elstertal, berichtete über erhalten gebliebene Einzelschicksale von Todesmarschhäftlingen. So sei unter den 33 Toten auch ein Belgier Namens Lengele gewesen, den die Wachmannschaften erschossen hatten. Er hatte in seiner belgischen Heimatstadt Flugblätter gegen das Nazi-Regime verteilt und war darauf hin ins Konzentrations­lager gesteckt worden. 1960 habe seine Frau Verone Hartmannsdorf besucht und wollte die sterblichen Überreste mit nach Hause nehmen. Zudem berichtete er über einen polnischen Juden namens Scorin der nach Frankreich emigriert war, dort fest genommen und ins KZ eingeliefert wurde. Er hatte den Todesmarsch überlebt und wurde von den Crossener Familien Schumann und Zaake aufgenommen. Martin Bierbrauer mahnte ebenso, die Geschichte wach zu halten.