Familie schafft Wohnraum am Leutenberger Marktplatz

Leutenberg  Neuer Komfort im Altstadt-Herz: Am Leutenberger Markt lässt eine Familie aus Altengesees sieben barrierefreie Wohnungen entstehen.

Noch teils von Werbe-Planen verhüllt, zeigt sich der Neubau bereits gut eingepasst in die Häuserzeile am Markt.

Noch teils von Werbe-Planen verhüllt, zeigt sich der Neubau bereits gut eingepasst in die Häuserzeile am Markt.

Foto: Voigt

Sie sind beide berufstätig, sie haben die Söhne Arvid und Levin im schönsten Entdecker-Alter, dazu noch Haus und Hof in Altengesees. Und trotzdem stemmen sie noch dieses nicht ganz einfache Projekt in Leutenbergs guter Stube: aus den mehr oder minder Hausruinen von Markt 4 und 5 einen Wohnhaus-Neubau zu entwickeln, der modernen Komfort im Inneren mit dem behutsamen Einfügen in das Marktensemble verbindet. Warum tun sie sich das an?

„Wir bauen gern, und wir können es“, sagt Daniel Bergner im Gespräch, das auf dem demnächst wohl schönsten Altstadt-Logenplatz stattfindet: Von der großen Außenterrasse im 3. Stock geht der Blick gen Kirche und Schlossberg, anders herum zur Sormitz oder gen Westen zum Löhmberg. Der 41-Jährige ist gelernter Zimmermann und Bauleiter in einer größeren Holzbau-Firma; Constanze Prause-Bergner (39) ist Architektin.

Geballte Bau-Kompetenz mithin, aber da ist noch mehr an Motivation: Sie wollen etwas hinterlassen, Heimat stiften für Hiesige und vielleicht neue Leutenberger; ein Haus, das wieder Lust aufs Bleiben macht, auch im Alter oder bei körperlichen Einschränkungen. Weshalb von Anfang an Barrierefreiheit als ein Kriterium feststand. Die Wohnungen kommen also ohne Schwellen aus, haben breite Durchgänge. Und ein Treppenlift wird alle verbinden.

Dass der Neubau von unten bis oben barrierefrei wird, war für die Bauherren keine missliche Auflage, sondern eigenes Streben von vornherein: Daniel Bergner hat seine Zivi-Zeit mit Pflegeaufgaben in Leutenberg verbracht: „Ich weiß, wie die Altersstruktur hier aussieht und welchen Bedarf es gibt.“

Was hier bis zum vorigen September stand, lässt sich nur mehr auf alten Fotos erahnen und aus dem Altholz-Haufen im Hof lesen. Die vormalige „Essküche“ zur Schülerspeisung; ein dunkler Kleinsaal unten, darüber zwei verwinkelte Behausungen. Das Gebäude Markt 5 daneben mit Zwerg-Räumen, Kammern in Schrankgröße, Kohlenmief, Hausschwamm, Durchfeuchtungen. „Beide Häuser waren in extrem schlechtem Zustand“, erinnert sich Prause-Bergner. Bloße Sanierung oder zumindest die Erhaltung der Marktfronten, wie zunächst vom Denkmalschutz gefordert, schied somit aus.

Trotzdem wird der Neubau äußerlich nicht gleich als solcher ins Auge fallen: Höhe, Kontur und Kubatur folgt den Vorgängern; optisch werden unterschiedliche Putzfarben, Fensterreihungen und Türen zwei Häuser herausstellen, derweil es eigentlich ein Gebäude ist – mit sieben Wohnungen von 42 bis 95 Quadratmetern, sechs davon mit Balkon oder Loggia, alle mit Zugang zum großen Garten, der indes noch Baustelle ist. Genauso wie das Hausinnere, wo sich Leitungen über die Bodenlatten schlängeln, die Wände noch roh und die hölzerne Treppe noch ohne Geländer ist.

Apropos Holz: Rund 200 Kubikmeter davon wurden verbaut, der Holzrahmenbau folgt insofern den Fachwerk-Vorgängern, nur eben mit erheblich dickeren Wänden: 42 statt zwölf Zentimeter. Energieeffizienz hat ihren Preis. Richtfest, sagt Daniel Bergner, wird vielleicht zum Sommerende sein; die Fertigstellung hoffentlich noch in diesem Jahr. Interessenten für die Wohnungen gebe es schon etliche, sowohl Hiesige wie auch aus dem Umland; sogar Leipziger hätten nachgefragt.

„Es ist ja alles da, was man braucht“, sagt Constanze Prause-Bergner, „der Markt vor der Tür, die Geschäfte, Arzt und Apotheke, das Einkaufszentrum auf der anderen Seite.“ So eine Wohnung könnte sie sich selbst als Quartier fürs Alter vorstellen.

Vielleicht beim nächsten Projekt? „Nee, das reicht erst mal“, sagt sie. Bauen als Beruf genügt ja auch.