Fesselnder Vortrag „Vom Ich zum Du“ in Bad Lobenstein

Bad Lobenstein  Vollbesetztes Kulturhaus bei Auftritt von Benediktinermönch Pater Anselm Grün

Pater Anselm Grün in Bad Lobenstein: Autogramme, Händeschütteln, ein Wort des Dankes – viele Gäste nutzen die Gelegenheit, nach dem Vortrag mit dem Benediktinermönch zu sprechen.

Pater Anselm Grün in Bad Lobenstein: Autogramme, Händeschütteln, ein Wort des Dankes – viele Gäste nutzen die Gelegenheit, nach dem Vortrag mit dem Benediktinermönch zu sprechen.

Foto: Sandra Smailes

Mehr als 450Menschen, so informiert die Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein, waren am Montagabend in das kurstädtische Kulturhaus gekommen, um den Benediktinermönch Pater Anselm Grün zu erleben. Mit seinem Vortrag „Vom Ich zum Du – für sich und andere sorgen“ sprach er in gut einer Stunde Themen an, die Menschen berühren: Wie kann Leben gut gelingen? Was sind meine Bedürfnisse? Wie kann ich für andere Menschen dasein ohne mich selbst zu vergessen?

„Die katholische Kirchgemeinde hat Beharrlichkeit gezeigt, um den wohl bekanntesten Pater im deutschsprachigen Raum in die Region zu holen“, heißt es in der Mitteilung. „Es hat drei Anläufe gebraucht und vier Jahre gedauert, bis endlich die Zusage kam. Dann haben wir gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis und der Diakoniestiftung diesen Abend vorbereitet“, berichtet Katrin Gersdorf, Pfarrgemeinderatsvorsitzende der katholischen Kirchgemeinde und Mitarbeiterin der Diakoniestiftung.

Schlangen bildeten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung am Einlass im Kulturhaus. Denn an jede Eintrittskarte, die mit Platz für Notizen vom Abend gestaltet war, wurde ein Bändchen angebracht, so dass dieses nun als Lesezeichen verwendet werden kann. Dabei half auch Franziska Liesker, eine ­Beschäftigte der Werkstätten Christopherushof. Sie arbeitet mit ihren Füßen, weil die Arme von Geburt an fehlen.

Die Diakoniestiftung hatte mit Christo-Happen einen Imbiss vorbereitet. Wein oder Saft gab es aus eigens für den Abend gefertigten Tonbechern mit der Aufschrift „Vom Ich zum Du“. Im Saal erklang Musik vom Posaunenchor Friesau-Zoppoten. In der Begrüßung stellte ­Peter Spalteholz, Pfarrer der ­katholischen Kirchgemeinde, den Ort Bad Lobenstein vor. Anselm Grün war nämlich nicht der einzige weit gereiste Gast im ausverkauften Saal. Spalteholz erzählte vom Luftkurort Bad Lobenstein. „Dort suchen die Menschen in der Therme mit Heilwasser und Moor körperliches Wohlbefinden“, so die Überleitung, „nun freuen wir uns auf wohltuende Worte für die Seele.“

Von da ab herrschte eine Stunde lang beeindruckende Ruhe im Saal. Die Gäste lauschten der ruhigen, liebenswerten Stimme des betagten Mannes. Seine Themen: Sorge um andere, Fürsorge, Seelsorge, aber auch die Sorge um sich selbst. Wie das gelingen kann, erklärte er in zahlreichen Geschichten, sprach von Begegnungen mit verzweifelten Menschen, ­erzählte von überbesorgten ­Eltern, von kleinkarierten Leuten und kam doch immer wieder zu einem Ergebnis: „Fast alles, jede Reaktion der anderen auf unser Tun ist das Ergebnis unserer eigenen Handlungen und Worte. Wer geduckt geht, wird noch kleiner gemacht. Wer sich einbildet nicht gemocht zu werden, der findet immer wieder Beispiele für dieses Gefühl. Wer glaubt, nicht gut genug zu sein, verhält sich unsicher und macht Fehler. Gut für sich sorgen, heißt achtsam zu sein, heißt zu sich mit allen Stärken und Schwächen zu stehen und den Mut zu haben, anzusprechen, was man will und was nicht.“

Gern nannte er Beispiele aus dem Alltag der meisten Familien. Die handelten von sorgenbeladenen Eltern, die aber die Bedürfnisse der Kinder nicht kennen, weil sie nicht zuhören. Eines von zahlreichen Gleichnissen aus der Bibel, die an dem Abend verwendet wurden, ist das von Maria und Marta. Marta bewirtet und umsorgt Jesus, als er ihr Gast war, während Maria sich Zeit nimmt, sich zu ihm setzt, um ihm genau zuzuhören. Die eine tat und machte ohne zu fragen, was der Gast möchte, die andere verstand was er eigentlich will.

Mehrmals nannte Anselm Grün die Fürsorge von Diakonie und Caritas. Auch dort müssen Leute hinhören und auf sich selbst achten. Andreas Berger, Wohnverbundleiter Gefell, sagte nach dem Vortrag: „Pater Grün sprach viele Lebensweisheiten an, die man intuitiv kennt, doch in der ruhigen, konzentrierten Art, anhand all der Beispiele erreichen den Zuhörer diese Worte auf besondere Weise. Ich habe einen besonderen Abend erlebt.“

Nach seinem Abschlussritual verabschiedete sich Anselm Grün und erhielt minutenlangen Applaus. Bettina Schmidt, Geschäftsbereichsleiterin Eingliederungshilfen der Diakoniestiftung, überreichte einen Korb mit Weinbechern mit dem Slogan des Abends und Christo-Hirte-Weichkäse aus Alten­gesees. Später gab der Benediktinermönch am Büchertisch ­unzählige Autogramme. Menschen dankten ihm für seine Bücher, für aufmunternde Briefe, für den Zuspruch aus früheren Jahren und die vielen Impulse für ein gutes Leben.

Pater Anselm Grün ist dann mit einer Fahrerin, die auch den Büchertisch betreut hatte, zurück in sein Kloster Münsterschwarzach bei Würzburg gefahren. Sein Honorar kommt dem Kloster zugute. Alle anderen Einnahmen des Abends werden für die Arbeit im Diakonieladen „Geben und Nehmen“ verwendet.

Zur Person Anselm Grün

Anselm Grün wurde am 14. Januar 1945 in Junkershausen geboren und ist in der Nähe von München aufgewachsen.

Er ist Mitglied des Benediktinerordens.

Als Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Meditation, Kontemplation und Fasten ist der Benediktinerpater vielen Menschen bekannt.

Im Hauptberuf ist er Mönch.

Er leitete 36 Jahre lang die wirtschaftlichen Belange seines Klosters als Cellerar.

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