Flüchtling aus Somalia hilft in Bieblach ehrenamtlich seinen Landsleuten

Gera-Bieblach  Abdullahi Ali kam 2015 nach Gera. Seither nutzt er jede Chance sich zu qualifizieren. Volle Punktzahl im Einbürgerungstest. Großes Ziel: Eine Lehre.

Volle Punktzahl im Einbürgerungstest für Abdullahi Ali.

Volle Punktzahl im Einbürgerungstest für Abdullahi Ali.

Foto: Marcel Hilbert

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Immer wieder zückt ­er stolz ein neues Zertifikat, ein neues Zeugnis, eine neue Urkunde aus seinem Ordner. Schnell wird klar, dass Abdullahi Ali diese wichtige Lektion für ein Fortkommen hierzulande bereits gelernt hat: das urdeutsche Prinzip des Zettelsammelns. Aber Spaß beiseite: Stolz darf der 26-Jährige durchaus sein, bescheinigen ihm seine Zeugnisse doch, dass er sich nicht nur um seine Integration selbst nach Kräften bemüht, sondern, dass er dies auch mit spürbaren Fortschritten tut.

Das bescheinigt ihm auch Sabine Sieg vom Deutschen Familienverband, die im Stadtteilbüro Bieblach Ansprechpartnerin für Migranten über das geförderte Projekt „Ankommen im Quartier“ ist. Für sie ist Abdullahi Ali ein Beispiel, wie mit der nötigen Eigeninitiative und Motivation Integration gelingen kann. Auslöser, den jungen Mann, der 2015 aus Somalia flüchtete, vorzustellen, war nach den Zertifikaten „Start Bildung“ oder „Demokratische Bildung“ die jüngste Errungenschaft in seiner Papier-Sammlung.

Mit voller Punktzahl meisterte er in Jena den freiwilligen Einbürgerungstest des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Aus 300 Fragen zur Rechts- und Gesellschaftsordnung, zur Geschichte und den Lebensverhältnissen in Deutschland sowie Zusatzfragen zum jeweiligen Bundesland landen 33 zufällige Fragen im Test. Durch die Vorbereitung in einem Kurs, eine Übungs-App auf dem Handy und viel Lernen sei es ihm gelungen, alle Fragen richtig zu beantworten, erzählt er. Der Test sei zwar freiwillig, sagt Sabine Sieg, er werde aber positiv angerechnet, wenn über die Beantragung der deutschen Staatsbürgerschaft entschieden wird. „Ich will gern bleiben“, sagt er und berichtet von Bewerbungsschreiben um einen Ausbildungsplatz bei verschiedenen großen Arbeitgebern in der Region, darunter Getzner Textil und Stahlo. Dafür besucht er derzeit den täglichen Sprachunterricht für das Sprachniveau B2 an der Tüv-Akademie.

Dass es mit der Sprache schon gut klappt, zeige sich auch darin, dass er inzwischen selbst ehrenamtlich unterwegs ist und seinen Landsleuten Hilfestellung gibt, sie zu Behörden oder Ärzten begleitet und übersetzt, freut sich Sabine Sieg. „Das ist genau der Effekt, den wir uns wünschen“, sagt sie.

Abdullahi Ali stammt aus dem Süden Somalias, ein Land, in dem seit fast 30 Jahren Bürgerkrieg herrscht, wie er erzählt. Anlass für seine Flucht, erzählt er, sei der Anwerbeversuch der islamistischen Al-Shabaab-Miliz gewesen. Aus seinen Worten wird deutlich, dass dies im Grunde keine Frage mit mehreren Antwortoptionen war. Zuvor habe er in Somalia als Verkäufer gearbeitet, einen Beruf nach deutschem Verständnis erlernt habe er nicht. Im Mai 2015 kam er während des großen Flüchtlingsstroms nach Europa und lebt nun mit seiner Mutter in einer Wohnung in Bieblach-Ost.

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