Ganz weit draußen: Der Landreporter unterwegs in Schmiedefeld

Schmiedefeld  Besuch in Schmiedefeld, wo die Straßen kaputt sind, der Döner schmeckt und die Jugend weiß, dass Simsons schnell sind.

Ihsan Tekingündiz betreibt in Schmiedefeld ein Döner-Restaurant.

Ihsan Tekingündiz betreibt in Schmiedefeld ein Döner-Restaurant.

Foto: Guido Berg

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Dass es Flickwerk ist, wissen sie selbst. Jochen Sommer und Heinz Schlegel vom Saalfelder Bauhof arbeiten mit Schaufel und Gasflamme; sie bringen Bitumen auf den Taubenbacher Weg auf, genau dorthin wird er festgebrannt, wo die Löcher am tiefsten und die Kanten am stoßdämpferunfreundlichsten sind.

Natürlich, versichern sie, müsste die Straße von Grund auf saniert werden. Doch bis es soweit ist, hat ihr von der Sonne unterstützter Einsatz auch etwas Gutes: Sie sind mal rausgekommen aus Saalfeld – freilich ohne wirklich aus Saalfeld rauszukommen. Schließlich ist Schmiedefeld sei dem 1. Januar ein Ortsteil von Saalfeld.

Noch 2019 eine Lösung für Taubenbacher Weg

Der langjährige Ortsbürgermeister Ulrich Körner weiß um die Sorgen wegen des Zustandes des Taubenbacher Wegs. Sogar Saalfelds Bürgermeister sei schon eingeschaltet worden. Die an der Schlaglochpiste ansässige Firma „Micros optics“ stellt Linsen für Ferngläser her, „die Rohlinge kommen nicht heil an“, wenn der Transporter durchs Schlagloch fährt. „Da soll es dieses Jahr noch eine Lösung geben“, meint Körner. Bleibt zu wünschen, dass Jochen Sommer und Heinz Schlegel nicht schon diese Lösung sein sollen.

In der Stadtverwaltung wurde die Dimension des Problems aber offenbar erkannt: Zur Ausbesserung werden nun Fördergelder übers Förderprogramm „Verbesserung regionale Wirtschaftsstruktur“ beantragt, teilte die Stadt Saalfeld dem Landreporter mit. „Der Fördermittelantrag soll Ende März fertig sein.“

Körner, ein gewichtiger Mann mit entschlossener Miene, hat den Landreporter zum Gespräch in das Tourismus-Büro gebeten. Ihm zur Seite stehen Mirko Landrock, der das Büro leitet, und Siegward Franke, der Chef des Thüringerwald-Vereins und „Olitätenkönig“ ist, weil er sich mit Kräutern auskennt und einen echten Thüringer „Buckel-Apotheker“ seinen Vorfahren nennt.

Körner will zunächst die Stadt Saalfeld loben, mit der es „ein gutes Arbeiten“ gebe. Bisher habe „fast alles geklappt“, sogar der Winterdienst, den viele in Schmiedefeld skeptisch sehen, denn „die da unten in Saalfeld kennen gar keinen richtigen Winter“.

Schmiedefeld ist laut Körner „der Ort mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung im Landkreis“. 2000 Euro Miese waren es vor der Eingliederung pro Schmiedefelder, von denen es zur Zeit knapp 1000 gibt. Der Ort hat Infrastrukturprobleme. Neben dem Straßenbau ist das die Abwasserentsorgung. In der Oberen Stadt hat noch jedes Haus eine eigene Kläranlage, die aber nicht vollständig klären, was es zu klären gibt. „Der Rest fließt in die Prärie“, sagt Körner lapidar. Eine Kanalisierung liege schon in der Erde, aber „es fehlen noch 500 Meter“.

Noch etwas liegt Körner am Herzen. Er will eine Zukunft für die Heilgrotte „Morassina“. Sie müsse „auf jeden Fall erhalten bleiben“. Franke würde eine Schließung der „Morassina“ sogar für „ein Verbrechen“ halten. Ein Zusammengehen mit den Saalfelder Feengrotten sieht Körner skeptisch: „Die Grotten können nebeneinander existieren.“ Zumindest ist die „Morassina“ wieder ohne Umwege zu erreichen. Noch 2018 fanden nur 6000 statt üblicher 12.000 Besucher den Weg in das aufgrund von Straßensanierungen abgehängte Schmiedefeld. Grotten-Mitarbeiterin Andrea Otte ist bei der „Morassina“ zwar fest angestellt, aber: „Führungen, Putzen, Marketing – wir machen alles!“

Natürlich muss der Landreporter auch mal etwas essen – in Schmiedefeld geht das schnell und schmackhaft bei Ihsan Tekingündiz. Er betreibt ein Döner-Restaurant, sein Döner-Salat-Teller ist zu empfehlen. Der Mann hat mehr vor in Schmiedefeld, gerade ist er dabei, einen Gastraum völlig neu zu gestalten. Es gibt edle Ledersitze und eine Theke, bald ist Eröffnung.

Auf der Rückfahrt, noch in Schmiedefeld, fällt ein Bild ins Auge, das alte Erinnerungen weckt. Drei Mopeds, drei Simson S51, parken an einer Eisdiele. Martin, Erik und Daniel gehen in Lichte zur Schule und gönnen sich diesen leckeren Zwischenstopp. Warum S51?, werden sie gefragt. Warum kein zeitgenössisches Moped? „Weil die Simsons robust und schnell sind.“ Und weil man viel selber dran rumschrauben kann. Martins Moped ist sogar ein „Erbstück“ seiner Mutter.

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