Gera: Schüler aus der russischen Partnerstadt zu Gast

Gera  Schüler des Osterlandgymnasiums haben Gäste der Schule Nummer 53 aus Rostow am Don empfangen

Seit 2014 begegnen sich jährlich Schüler des Osterlandgymnasiums mit Schülern der Schule Nummer 53 aus Rostow am Don. Vor kurzem besuchten die Jugendlichen aus Rostow am Don die Geraer, hier während eines Ausflugs in Eisenach.

Seit 2014 begegnen sich jährlich Schüler des Osterlandgymnasiums mit Schülern der Schule Nummer 53 aus Rostow am Don. Vor kurzem besuchten die Jugendlichen aus Rostow am Don die Geraer, hier während eines Ausflugs in Eisenach.

Foto: Elke Kolodzy

Seit 2014 begegnen sich jährlich Schüler des Osterlandgymnasiums und Schüler der Schule Nummer 53 aus Rostow am Don. Was anfangs mit monatlichen Videokonferenzen begann, wird nun zum fünften Mal im Schüleraustausch realisiert. Das Projekt 2018 steht unter dem Motto „Partnerstädte mit den Augen junger Künstler“ und wird 2019 in Rostow am Don fortgeführt.

Die gastgebende Schule, die Eltern und viele Helfer und Sponsoren haben ein tolles Programm zusammengestellt. Am ersten Tag bekamen die Gäste gleich Gelegenheit, am Unterricht teilzunehmen. Um noch mehr Vertrautheit zu schaffen, wurde anschließend mit Sprache gespielt. Die Angebote zur Sprachanimation waren sehr lustig, vereinten Bewegung und Sprache miteinander und erheiterten die Gruppe.

Der anschließende Besuch bei Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) wurde sehr wertgeschätzt. Es gelang dem OB, einen tatsächlichen Dialog mit den Gästen zu führen. Die Deutschlehrerin aus Rostow am Don, Swetlana Gladkowa, betonte in ihrer Ansprache die große Bedeutung der Städtepartnerschaft und sprach gleichzeitig den Wunsch aus, diesen Freundschaftsgedanken weiterhin zu pflegen. Mit der Übergabe der Gastgeschenke war auch eine Einladung an den OB verbunden, baldmöglichst selbst die Stadt im Süden Russlands zu besuchen.

Russischlehrerin Elke Kolodzy machte deutlich, wie wichtig die Begegnung junger Menschen sei, vor allem, wenn sie fremde Sprachen lernen und erhofft sich natürlich auch eine neue Motivation für das Lernen von Russisch als Fremdsprache am Osterlandgymnasium und für Deutsch als Fremdsprache an der Schule der Gäste. Toleranz, Akzeptanz, Andersartigkeit, Verständnis und Vielfalt kann man tatsächlich nur erfahren, wenn man den Kontakt miteinander pflegt.

Gemischte Teams bei „Laufen mit Herz“

Andreas Schubert (Linke) ergänzte, dass es gerade in Zeiten der politischen Unruhen darum gehe, zu zeigen, wie man friedlich miteinander umgeht. Das Verhältnis zu Russland sei geprägt von vielen Unklarheiten, Fragen, Sanktionen und deshalb sei es so besonders wichtig, auch junge Menschen an den Dialog heranzuführen und den Austausch miteinander zu pflegen und zu erfahren, wie es wirklich im anderen Land aussieht. Als Unterstützung für die Finanzierung der Busfahrt nach Eisenach überreichte er im Namen der Alternative 54 einen Check von 500 Euro.

Anschließend genossen die jungen Leute den Blick auf Gera vom Rathausturm aus. Danach gingen alle ins Stadion. Es war bereits im Sommer für die russischen Kinder klar, dass sie sich an der Aktion „Laufen mit Herz“ beteiligen“. Da die Schüler seit Mai über soziale Netzwerke private Kontakte miteinander pflegten, waren die sieben gemischten Teams schnell zusammengestellt. Finanziell wurden die Teams von Familie Hoyer, Andy Seiler, Dieter Hausold, Ralph Lenkert, Andreas Schubert, Marc Brade, Andreas Kinder und Lehrerin Elke Kolodzy unterstützt.

Das schöne Wetter machte es möglich, das Kunstprojekt auch im Freien als Pleinair durchzuführen. Gemeinsam fertigten die Schüler Skizzen am Elsterufer in Untermhaus an, erfuhren beim Besuch des Otto-Dix-Hauses, dass der Namensgeber der Stadt als 16-Jähriger genau an gleicher Stelle malte, wo sie selbst gesessen haben. Am Nachmittag fand eine Hüttengaudi in der Turnhalle der Schule statt. Lehrerin Irena Beer gelang es, mit vielen lustigen Mannschaftsspielen die Stimmung richtig anzuheizen. Weitere Unterrichtsbesuche, eine Exkursion nach Eisenach mit dem Besuch der Wartburg gehörten gleichfalls zum Programm.

Der zweite Ort zum Malen war nach einem ereignisreichen Wochenende in den Familien das Stadtzentrum. Allerdings war es am frühen Morgen noch sehr kalt, so dass spontan alle gemeinsam eine digitale Unterrichtsstunde absolvierten. Besonders viel Freude machte das eigens für den Schüleraustausch in einer Nachtschicht von Elke Kolodzy erstellte Spiel auf der Plattform Kahoot. Wer hatte sich da die vielen originellen Begebenheiten gemerkt, wer hat aufmerksam den Führungen gelauscht und wer kann besonders schnell lesen? Alle diese Kompetenzen mussten beim Spiel unter Beweis gestellt werden.

Da die Gäste aus eine Schule mit erweitertem Deutschunterricht kommen, wurden sie auch in einer speziellen Deutschstunde beschult. Elke Kolodzy hatte dafür den Song „Wenn sie tanzt“ ausgewählt. Es war sehr interessant, die Rolle der Frau an diesem Liedbeispiel zu erörtern und zu reflektieren.

Viel zu schnell neigte sich die Begegnung dem Ende zu. Der krönende Abschluss war sicherlich der letzte Abend mit den Eltern, Lehrern und einigen Sponsoren, bei dem auch das grüne Klassenzimmer eingeweiht wurde. Programm und Ansprachen begeisterten, berührten und zeigten, wie schnell die Kinder eine gemeinsame Sprache gefunden haben. Nach einem kulturellen Programm mit Schülerband, Tänzerinnen, Modenschau, Liedern und Gedichten machten alle deutlich, wie sehr sie die gemeinsame Zeit genossen haben. Kein Wunder, dass am nächsten Morgen vor der Abreise die Tränen rollten und man sich eigentlich nicht trennen wollte. Ein Wiedersehen wird es schon im kommenden Jahr in Rostow am Don geben.

Die Autorin ist Russischlehrerin am Osterlandgymnasium