Go-Profis in Jena: Kampf um 361 Felder

Jena  In Jena findet die erste Europameisterschaft des Strategiespieles Go statt. Ein zusätzliches offenes Turnier gibt es am Wochenende auf dem Uni-Campus.

Spielszene vom Europäischen Go-Kongress 2017 in Oberhof mit etwa 1000 Spielern aus 40 Ländern. Archiv-

Spielszene vom Europäischen Go-Kongress 2017 in Oberhof mit etwa 1000 Spielern aus 40 Ländern. Archiv-

Foto: Sascha Fromm

Die Spielregelen beim Strategiespiel Go sind eigentlich ganz einfach. Zwei Spieler beginnen vor einem leeren Brett mit 19 mal 19 Feldern, also insgesamt 361. Ziel ist es nun, mit den linsenförmigen Spielfiguren immer abwechselnd das Brett untereinander aufzuteilen und ein größeres Gebiet zu beanspruchen als der Gegner. „Man kann auch einen gegnerischen Stein umzingeln, ihn quasi gefangen nehmen und vom Spiel entfernen“, erzählt Martin Horatschek aus Jena, selbst Go-Spieler und Mitveranstalter der 1. Europäischen Go-Meisterschaft, die ab heute bis Freitag im Jenaer Jentower stattfindet. Sechs Teilnehmer aus Russland, der Slowakei, Polen, Israel und der Ukraine sind angemeldet.

Go zählt zu den ältesten Brettspielen der Welt

Von Deutschland ist noch kein Profi-Vertreter dabei. Dafür gibt es schon 50 weitere Anmeldungen für das offene Go-Turnier, das auf dem Campus der Uni Jena an diesem Sonnabend und Sonntag stattfindet. Hier kommen die bislang registrierten Teilnehmer vorwiegend aus Mitteldeutschland, aber auch aus dem restlichen Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland. Anmeldungen sind natürlich noch möglich.

Bei den Profis in den nächsten drei Tagen ist dagegen Publikum nicht vorgesehen, dafür werden die Spiele mittels Live-Stream ins Netz übertragen und in englischer Sprache kommentiert. „Die Spiele der Profis können manchmal einen halben Tag dauern. Jeder von ihnen muss gegen jeden spielen. Das ist schon ziemlich anstrengend. Man muss sich sehr konzentrieren, die Züge des Gegners vorhersehen und eine eigene Strategie entwickeln“, verrät Martin Horatschek. Es gibt kein vorzeitiges Ende der Partie wie beim Schach. Vielmehr ist irgendwann die Fläche aufgeteilt, und es werden die Felder ausgezählt.

Wer genau das Go-Spiel erfunden hat, kann nur vermutet werden. Es hat seinen Ursprung im antiken China, hat aber seine Prägung in Japan, Korea und Taiwan erhalten. Dort ist es bis heute eines der am meisten genutzten Brettspiele. Von China kam es nach Japan und erlebte dort im 16. Jahrhundert einen wahren Boom und den Aufstieg zum Nationalsport. Im 17. Jahrhundert gab es in Japan bereits vier Go-Schulen. Im 20. Jahrhundert erst verbreitete sich Go außerhalb von Asien und kam nach Europa, wo Deutschland derzeit den Spitzenplatz einnimmt.

Jena wiederum ist in Deutschland durchaus als Go-Hochburg zu werten. Hier fanden bereits Landesmeisterschaften wie Deutsche Meisterschaften statt, der Präsident des Deutschen Go-Bundes lebt in Jena, und obendrein gibt es seit Ende vergangenen Jahres auch eine internationale Go-Schule in Jena.

Informationen für Go unter www.go-jena.de ; Live-Stream zur Meisterschaft unter www.twitch.tv / europeangofederation