Greizer Perlen – glänzend und bedroht: Andreas Clauß restauriert Häuser aus der Liebe zur Heimatstadt

Greiz  Greizer Perlen – glänzend und bedroht Mit einem Haus ging es für Andreas Clauß los. Heute sind es zehn, davon die meisten in der Park- und Schlossstadt. Vor allem die Vorbildfunktion ist ihm wichtig.

Mandy Clauß vor den Häusern im Papiermühlenweg, ihrer Lieblingsimmobilie, wie sie sagt. Foto: Tobias Schubert

Mandy Clauß vor den Häusern im Papiermühlenweg, ihrer Lieblingsimmobilie, wie sie sagt. Foto: Tobias Schubert

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Ende 2000 fing für den Greizer Malermeister Andreas Clauß alles an. Nicht weit von dem Gebäude, in dem er aufgewachsen war, kaufte er ein Haus und sanierte es. Über die Jahre kamen immer mehr dazu. Aus maroden Gebäuden machte Clauß wunderschöne Häuser, die das Bild der Stadt verschönern. Inzwischen sind es zehn Immobilien geworden, in denen mehr als 60 Mietparteien untergebracht sind. Sie stehen in der ganzen Innenstadt, aber auch zum Beispiel in Mylau. Jüngst kam erst ein Haus in der Rathenaustraße hinzu, es wurde erst vor drei Monaten fertiggestellt. Andere Gebäude stehen unter anderem in der Grünrathstraße – der Sitz der Firma, in der Goethestraße – in der Friedrich-Naumannstraße oder im Papiermühlenweg.

Zustand der Häuser oft katastrophal

Nicht immer war es einfach, die Häuser zu erwerben, erzählt Familie Clauß offen. „Es war zum Teil schwer, auf einen Nenner zu kommen“, sagt Andreas Clauß. Manchmal gab es bei zwei nebeneinanderliegenden Häusern zwei Besitzer, manchmal hatte eine ganze Erbgemeinschaft das Eigentum inne.

Und auch als die Häuser einmal gekauft waren, war natürlich noch nicht alles erledigt. Eigentlich begann hier erst die Arbeit, denn in vielen Fällen hatte der Zahn der Zeit mächtig an den Immobilien genagt. „Viele hatten einen katastrophalen Zustand“, sagt Mandy Clauß. „Sie waren alle komplett sanierungsbedürftig“, ergänzt ihr Mann. Auch andere Probleme kamen hinzu. Andreas Clauß gibt ein Beispiel: „Ein Haus hatte jemand anscheinend über Jahre als Lager genutzt. Vom Keller bis zum Dach lagen überall Ersatzteile für Trabis, Wartburgs und Motorräder herum. Vier Tage lang war eine Firma nur mit dem Ausräumen beschäftigt.“ Weniger schönes fand man im Keller des Hauses: „Dort lagen überall Rattenkadaver herum“, erinnert sich Mandy Clauß.

Bei der Sanierung hat Andreas Clauß einen ganz einfachen Grundsatz: „Keine halben Sachen. Ich will wertig und hochwertig sanieren.“ Das sei nicht nur sein eigener Anspruch, sondern auch den steigenden Ansprüchen der Mieter geschuldet, die immer genauer hinsehen würden. Die positive Kehrseite sei aber, dass man selten leerstehende Wohnungen habe beziehungsweise diese schnell wieder besetzt würden. „Wir haben eine Warteliste“, sagt Andreas Clauß. Zum Teil würden Menschen, die ausziehen auch gleich einen Nachmieter mitbringen.

Chemie der Mieter muss stimmen

Wichtig sei ihm, dass die Chemie zwischen den Mietern stimmt. „Sie müssen nicht miteinander Kaffeetrinken, sollten aber miteinander auskommen“, sagt Andreas Clauß. Deswegen sei er froh, dass seine Frau Mandy ein gutes Gespür für solche Dinge hätte, schon am Telefon mögliche Störenfriede heraushören könnte.

„Wenn keiner anfängt, etwas zu machen, dann wird es nichts“, erklärt der Malermeister, warum er die erste Immobilie kaufte und später weitermachte. Oft habe er beobachtet, wie die Nachbarn nachziehen würden, wenn ein Haus saniert wurde. „Greiz hat wunderschöne Immobilien, die es zu erhalten lohnt“, betont Clauß, das könne aber nur gelingen, wenn viele mit anpackten. Dazu komme, dass er als gebürtiger Greizer natürlich ganz anders über die Park- und Schlossstadt denke als jemand, der von außen komme. Leider habe er viel zu oft erlebt, dass Gebäude gekauft wurden, an denen danach nichts saniert wurde. „Wenn du in Greiz aufgewachsen bist, dann gehst du ganz anders mit den Häusern um als ein Investor, der nur auf das Geld schaut“, ist der Greizer überzeugt. Zwar würde es viel Mut und Enthusiasmus brauchen, um sich auf die Aufgabe zu stürzen, was viele Menschen abschrecke. Zumal mit der Sanierung nicht alles erledigt sei, die Häuser auch erhalten und verwaltet werden müssten, am Ende des Tages sei es das aber wert. „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen“, sagt Andreas Clauß, „vielleicht nicht alles genauso, aber in die gleiche Richtung. Ich würde das Thema vielleicht energischer und intensiver betreiben, bereut habe ich aber nie etwas.“

Ob in Zukunft noch weitere Immobilien dazukommen werden, darauf will sich Andreas Clauß derzeit nicht festlegen. „Man soll niemals nie sagen, aber eigentlich soll es erst einmal reichen.“ Zumal die Immobilienverwaltung immer noch nur zweites Standbein neben dem Malerbetrieb ist, obwohl sie längst zum „Full-Time-Job“ geworden ist, wie Andreas Clauß sagt. Deswegen ist er seiner Frau Mandy, die sich um Mieterdinge kümmert, auch für die ganze Unterstützung dankbar, die sie ihm gibt.

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