Greizer Preis Neustadtperle geht an Jugendstilvilla im Gartenweg

Greiz  Die Neustadtperle 2017 geht an Uwe Reuter, Ulf Disse und Ralf Oettmeier für ihr Konzept am Gartenweg 6

Das Gebäude im Garten Weg 6, wurde mit der Neustadtperle des Greizer Neustadtvereins ausgezeichnet. Seit 2002 befindet sich hier die Klinik im Leben mit dem angeschlossenen Garten des Lebens.

Das Gebäude im Garten Weg 6, wurde mit der Neustadtperle des Greizer Neustadtvereins ausgezeichnet. Seit 2002 befindet sich hier die Klinik im Leben mit dem angeschlossenen Garten des Lebens.

Foto: Rebecca Rech

Ob Carolinenstraße oder Bahnhofstraße, beim Blick in die Greizer Neustadt fallen oft zuerst die Absperrungen aufgrund einiger dem Zerfall preisgegebener Gebäude auf. Andere Besitzer sind sich unterdessen der Verantwortung und der Bedeutung der historischen Bauten bewusst – nicht nur bei deren Erhaltung, auch in der zukunftsorientierten Nutzung.

Als positives Beispiel wurde das Haus im Gartenweg 6, das 1998 von den Ärzten Uwe Reuter, Ulf Disse und Ralf Oettmeier erworben wurde, mit der mit 500 Euro dotierten Neustadtperle vom Greizer Neustadtverein ausgezeichnet. Für die Nutzung des sanierten und modernisierten Gebäudes setzten sie sich in der Kategorie „Zukunftsorientiertes Nutzungskonzept“ gegen drei weitere Objekte in der näheren Auswahl durch, da sie nicht nur die Neustadt durch Visionen und Ideen weiterentwickelten, sondern so auch Arbeitsplätze sicherten, erklärte Rico Beyse vom Neustadtverein.

Rund 800 000 Euro investiert

Bewusst hätten sich die drei heutigen Eigentümer 1998 für das 1908 vom Architekten Ernst Steiner für Gotthold Kuhn erbaute Gebäude entschieden, um zunächst eine Tagesklinik zu gründen, erklärt Gunter Stöhrl, Verwaltungsdirektor der Klinik im Leben. Neben der zentralen, doch ruhigen Lage, der Begeisterung für den Baustil der Jugendstil-Villa, habe die alte Bausubstanz, von der so viel wie möglich erhalten wurde, zum Konzept der 2002 eröffneten Klinik im Leben mit ihrer Ausrichtung auf biologische Medizin gepasst.

Dabei wurde das viergeschossige Wohngebäude barrierefrei ausgebaut, um Geschäftsbereiche und die Behandlungsräume im Erdgeschoss erweitert, was im Inneren gerade bei der Raumaufteilung Umbauten erforderte. Wurde nach dem Erwerb das erste und zweite Obergeschoss zunächst als Pension für Patienten der Tagesklinik umgebaut, finden sich nun im Haus neben der Klinik, dem Bio-Kurhaus auch sechs Wohneinheiten, ergänzt seit 2008 durch den angrenzenden Garten des Lebens.

Gerade Brandschutzauflagen rund um die Behandlungsräume wurden zur Herausforderung, um trotz Sicherheit und Modernisierung an Holztüren, -fenstern und den Stuckaturen an den Decken festzuhalten. „Wir haben Wert gelegt auf Naturstoffe, die keine Toxine mehr ausgasen“, verweist Gunter Stöhrl auf die dominierenden Holz- und Korkböden sowie die Innenausstattung durch alte Holzmöbel.

Rund 800 000 Euro wurden seit Erwerb der Immobilie investiert, allein durch das Hochwasser 2013 entstand ein Schaden von 200 000 Euro. „Die Modernisierung des Hauses ist abgeschlossen, aber es muss immer etwas gemacht werden“, blickt Stöhrl auf jährliche Investitionen von bis zu 10 000 Euro. Auch denke man über eine Erweiterung nach, da derzeit die Kapazitäten ausgelastet seien.

„Aber an Neubau denken wir nicht, das würde nicht zu unserem Konzept passen“, so Stöhrl. So wolle man in dem medizinischen Komplex mit dem angrenzenden Gartenweg 5, der derzeit zirka 55 Mitarbeiter beschäftigt, weitere Arztstellen schaffen, was wiederum der Bevölkerung im Zuge der ambulanten Versorgung zugute komme, verweist Stöhrl auf einen Teil des ausgezeichneten Zukunftskonzeptes. „Wir arbeiten seit vier Jahren daran, mehr internationale Gäste zu uns zu bringen. Das ist auch für die Zukunft von Greiz wichtig, da die Stadt sich im Bereich Tourismus entwickeln soll“, verweist der Verwaltungsdirektor auf erste Erfolge. Auf Patienten aus 33 Ländern blickt bisher die Klinik – die sich größtenteils von den bereits sanierten Bauwerken und Gründerzeitvillen in der Stadt begeistert zeigten.