Harleys auf Kuba: Ein Leipziger schreibt ein Buch über eine ganz besondere Liebe

Havanna  Der Leipziger Jens Fuge hat einen Bildband über Oldtimer-Harleys auf Kuba gemacht. Auf der Buchmesse in Havanna stellt er ihn vor.

Aus dem besprochenen Buch: Beim Harley-Treffen Anfang Februar in Varadero zeigt Jose „Chopper“ aus Cardenas stolz seine Maschine. „Chopper“ ist Bäckermeister und einer der coolsten Harlistas. Foto: Max Cucchi

Aus dem besprochenen Buch: Beim Harley-Treffen Anfang Februar in Varadero zeigt Jose „Chopper“ aus Cardenas stolz seine Maschine. „Chopper“ ist Bäckermeister und einer der coolsten Harlistas. Foto: Max Cucchi

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Handgepäck lässt sich auf Flugreisen nach Kuba manch Nützliches transportieren. Insbesondere für Motorradliebhaber. Ein Zylinderkopf für die MZ beispielsweise. Im sozialistischen Inselparadies absolute Mangelware. Oder ein Kabelbaum für die Moto Guzzi.

Jens Fuge hat etwas dabei, was für kubanische Harlisten noch wichtiger ist. Der tätowierte, knapp 1,90 Meter große Mann mit den langen grauen Haaren, gekleidet in die Kutte des Leipziger Chapters der Harley-Davidson-Fahrer, trägt Stadtrucksack und Sporttasche, als wären sie ein Fliegenschiss, dabei sind sie zusammen 50 Kilo schwer. 44 mehr als offiziell erlaubt. Doch das Bodenpersonal an der Waage konzentriert sich lieber auf den italienischen Fluggast mit dem Trolley hinter ihm.

Exakt 50 Bildbände bringt Fuge so nach Kuba. Um ein Versprechen einzulösen. Als er zusammen mit dem italienischen Starfotografen Max Cucchi und der amerikanischen Reisejournalistin Conner Gorry für sein im Juli im Backroad diaries-Verlag erschienenes Buch „Cuban Harleys, mi amor“ recherchiert hat, versprach er jedem darin Porträtierten ein Exemplar. Und für Jens Fuge – Journalist, Verleger, Inhaber einer Presseagentur und Chemie Leipzig-Fan – gilt: ein Mann, ein Wort.

Und so ist er im Januar gut 2500 Kilometer über die kleine, aber langgestreckte Insel gefahren, um die im Land verstreute und weltweit skurrilste Harlistengemeinschaft zu besuchen.

Erst vor gut zehn Jahren wurde sie von der übrigen Welt der Harley-Fahrer wiederentdeckt. Dabei ist Kuba eines der Länder, in dem das 1903 von Arthur Davidson und seinen Brüdern Walter und William S. Harley entwickelte Motorrad sehr rasch erfolgreich verkauft wurde. Selbst Polizei und Armee fuhren hier Harleys, bis zum Sieg der Revolution.

Auch Polizei und Armee fuhren dereinst Harley

Fuge war bei Leonid Ferrer Naranjo in Trinidad und bei Ronmel in Holguin. In Santiago de Cuba richtete Eliecer Des Paigne Rodrigez, „Fritura“ genannt, ein Abendessen aus und berichtete traurig, dass es in der Heldenstadt zurzeit keine einzige fahrbereite Harley mehr gibt. Die eine war irgendwo im Streit versunken und nicht nutzbar, die andere stand in Einzelteile zerlegt in einem Schuppen.

Seine eigene Harley Sportster, Baujahr 2010, gönnte sich Jens Fuge erst Ende Januar. Da räumte er sie sorgfältig aus dem inzwischen angelandeten Schiffscontainer und ließ sie kurz darauf die Luft von Havanna schnuppern. Eine Ausfahrt auf dem berühmten Malecon. Obacht, hieß es. Denn das Meer ließ gerade die Wellen meterhoch gegen die Ufermauer anlaufen, wo sie sich brachen und sich überschlagend auf die Straße ergossen.

Auch die Ausfahrt zum traditionellen Treffen der Oldtimer-Harleys im Badeort Varadero führt hier entlang. Am ersten Februarwochenende war es wieder so weit. Und in diesem Jahr war der dreisprachige Bildband aus Alemania eines der Gesprächsthemen. Wenn auch ein nicht ganz so wichtiges, wie das Fachsimpeln über die neuesten Tricks, mit denen sich die vorrevolutionären Maschinen am Laufen halten lassen. Und Fuge wurde von manchem Harlisten insgeheim beiseitegenommen und gefragt, ob er nicht rein zufällig eine Motorradbatterie dabei hätte... Immerhin, zwei Freunden konnte er damit eine riesengroße Freude machen.

Batterien sind fast nicht zu bekommen, Reifen ebenso wenig. Selten hat das seit 1962 geltende US-Embargo eine so durchschlagende Wirkung entfaltet, wie bei den amerikanischen Motorrädern. Aus dem einstigen Harley-Land wurde ein Eldorado für MZ, Jawa und russische Maschinen. Einige neue Metzeler-Reifen aus Italien und Harley-Handbücher gelangten erst 2006 auf die Insel, als der dänische MC Travel mit ersten ausländischen Bikern und deren Motorrädern auf Kuba eintraf.

Noch etwa 100 Harleys aus vorrevolutionärer Zeit sind heute auf Kuba unterwegs, die älteste von 1936. Sie alle verbindet amerikanischer Spirit und Erfindungsgeist mit kubanischer Erfindungskultur und Innovation. Generationen von Schraubern sind mit ihnen herangewachsen. Die alten Maschinen zu beherrschen, ist ein Kunststück. Fuge hat es ausprobiert. Allerdings ist er in Havanna nur um ein paar Ecken gekommen, ehe er aufgab: „Die hatte die so genannte Selbstmörderschaltung, also einen Hebel, der aus dem Getriebekasten kommt und links neben dem Tank endet. Um zu schalten, musst Du quasi den Lenker loslassen.“

Für „Fritura“ aus Santiago de Cuba ist das gerade der Reiz. Und überhaupt, mit den ostdeutschen oder russischen Maschinen mit ihren 250/350 Kubik sei eine alte Harley überhaupt nicht zu vergleichen: „Du sitzt wie auf einem Büffel oder Elefanten.“ Vibration und Motorsound seien einmalig.

Auf Kuba eine alte Harley in Schuss zu halten und zu fahren, bedeutet, auf alles gefasst zu sein. Das ist auch Fuges Einstellung zur Internationalen Buchmesse in Havanna, die vom 11. bis 21. Februar stattfindet. Hier stellt er seinen Bildband vor. Am heutigen Mittwoch hält er zudem einen Vortrag über seine Reisen mit der Harley quer durch Kuba. Illustre Gäste haben sich bereits angemeldet. Ernesto Guevara March beispielsweise, der Sohn Che Guevaras.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren