Heiße Rhythmen gegen kalte Füße beim Rudolstädter Altstadtfest

Rudolstadt  Trotz Wetterkapriolen war auch das diesjährige Rudolstädter Altstadtfest wieder ein Fest für die ganze Familie.

Emotionaler und mitreißender Höhepunkt des Rudolstädter Altstadtfestes war am Samstagabend das Konzert der Saragossa-Band. Sofort breitete sich eine tolle Stimmung auf dem weiten Areal aus. Die sechsköpfige Band zog alle Register ihres Könnens.

Emotionaler und mitreißender Höhepunkt des Rudolstädter Altstadtfestes war am Samstagabend das Konzert der Saragossa-Band. Sofort breitete sich eine tolle Stimmung auf dem weiten Areal aus. Die sechsköpfige Band zog alle Register ihres Könnens.

Foto: Roberto Burian

Heiße Rhythmen – kalte Füße: Für das Gros der Besucher war dies die Quintessenz des 27. Rudolstädter Altstadtfests, das bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt am Wochenende so einiges im Terminplan durcheinander würfelte.

Auf Facebook und an anderen Stammtischen der Smartphone-Generation wurde hinlänglich philosophiert, was denn schuld an den aktuell niedrigen Temperaturen sein könnte. Obwohl sie laut Legende erst ab 11. Mai erwartet werden, scheinen die Eisheiligen etwas früh dran zu sein.

Zumindest ohne Dusche von oben ging der Auftakt am Freitag über die Bühne. Die Aufwärmrunde übernahm der Chor des Gymnasiums, der viel Beifall für seine mitreißenden Darbietungen erhielt. Wenig später war dann die Coolness fast greifbar. Mit locker-lässiger Pose sang er los – und klang wie der echte Botschafter in Sachen deutscher Rock. Vize Udo, alias Arndt Rödiger, kommt passgenau an das Original Udo Lindenberg heran. Da staunten die Erdbewohner, zum Großteil mittleren Alters, also genau die, die in ihrer Jugend den Paniksound zelebriert haben.

Rödiger und Duett-Partnerin Claudia Furkert hielten beim „Mädchen aus Ost-Berlin“ die Liebesgeschichte vom Kitsch fern. Zu hören gab es die bekanntesten Songs und schönsten Balladen vom Meister. Werke der frühen Zeit wie „Jonny Controletti“ und „Honky Tonky Show“ gehörten ebenso zum Repertoire wie die Hits der 80er. „Hinterm Horizont“ konnte jeder mitsingen, die „Andrea Doria“ auch und natürlich den „Sonderzug nach Pankow“. Der Chef ließ das Mikrofon kreiseln, harter Gitarrenrock ging in melodisch-melancholisches Klavierspiel über. Für die zahlreichen Paniknostalgiker holten die Musiker das „Cello“ aus dem Keller.

Sie haben‘s noch drauf, die betagten Götter

Ganz tief rein und aufs Angenehmste gänsehautfördernd waren auch die Songs „Eldorado“ oder „Wozu sind Kriege da“. Letzterer, wie zwei weitere Titel, wurden vom Chor des Fridericianums begleitet. Es war eine prächtige Lindenberg-Zeitreise.

Wer vor Ort war, schwärmte von der intimen Atmosphäre und vom tollen Sound. „Eine super Show, einfach großes Kino“, fand der Rudolstädter Gunter Linke. „Tolle Musiker, super Auftritt“, meinten auch Antje Wunderlich aus Werdau und ihr Freund Lutz Schuster. „Wir sind das erste Mal hier in Rudolstadt beim Altstadtfest und werden garantiert zum Kultursommer auf der Heidecksburg wiederkommen“, ließen sie wissen.

Mittlerweile spielten die Akteure noch eine Zugabe, und noch eine und noch eine. Dann gab es noch Geschenke, bevor die Musiker der regionalen Party-Rock-Band Antitoxin den Abend ausklingen ließen. Kälte, Regen und Schnee sorgten dann am Sonnabend für die Absage der Auftritte der Thüringer Symphoniker und des Folklore Tanzensembles. Am Abend hatte sich dann aber alles – Petrus, dem Chef aller Wetterheiligen, sei Dank – wieder beruhigt.

Die Trommlergruppe Samba Secco aus Bayreuth sorgte mit südamerikanischen Rhythmen für Stimmung. Josi und das Gitarrenensemble „Campfire“ der Kreismusikschule Rudolstadt, das vor drei Jahren von Steffen Schlosser gegründet wurde, kamen danach nicht ohne Zugabe von der Bühne. Emotionaler und mitreißender Höhepunkt war am Samstagabend das Konzert der Saragossa-Band. Sofort breitete sich eine tolle Stimmung auf dem weiten Areal aus. Die sechsköpfige Band zog alle Register ihres Könnens. Auffallend war, dass von Jugendlichen bis hin zu den Senioren alle Generationen vertreten waren.

Die Saragossas um Frontmann Harry Karrer intonierten fröhlich ihre Ohrwürmer. „Agadou“; „Zabadak“ & Co. und katapultierten das begeisterte Publikum zurück in die 70er Jahre. Bei Hits wie „Big Bamboo“ und „Rasta Man“, zwei Songs mit wenig Text, die es in die Top Ten der deutschen Charts geschafft hatten, tanzten und sangen die Besucher begeistert mit. Ihre Musik vermischt Popelemente mit Calypso Beat und Samba und traf den Nerv des Publikums.

„Welcome to the 70s“ hieß es im Anschluss auch mit der Smokie Revival Band. Da sie selbst seit ihren Jugendjahren Smokie-Fans sind, hatten sie alle Hits ihrer Idole im Gepäck. Laura (20) aus Rudolstadt sang mit der Band zwei Songs von Chris Norman und Suzi Quatro. Das Publikum feierte sie mit kräftigem Applaus. Fazit: Sie können‘s noch, die betagten Rock‘n‘Roll-Götter im Rentenalter oder zumindest ihre Stellvertreter.