Hitziges Auftakt-Wochenende beim Vogelschießen in Rudolstadt

Bei Gottesdienst auf dem Autoscooter werden andere Dinge als Umsatz und Besucherzahlen wichtig.

Pfarrer Johannes Martin Weiss singt gemeinsam mit Schaustellern und Besuchern beim Gottesdienst auf dem Autoscooter beim Rudolstädter Vogelschießen. Mit dabei war auch Conrad Herold, Schausteller-Seelsorger der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands.  Foto: Heike Enzian

Pfarrer Johannes Martin Weiss singt gemeinsam mit Schaustellern und Besuchern beim Gottesdienst auf dem Autoscooter beim Rudolstädter Vogelschießen. Mit dabei war auch Conrad Herold, Schausteller-Seelsorger der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. Foto: Heike Enzian

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Rudolstadt. Eine ganz andere Seite des Rudolstädter Vogelschießens abseits von Lärm und geschäftigem Treiben erlebten gestern Vormittag die Besucher des Gottesdienstes auf dem Autoscooter. Conrad Herold, Schausteller-Seelsorger für die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands, gestaltete gemeinsam mit seinem Rudolstädter Kollegen Johannes Martin Weiss diese Andacht. Beide gingen auf die Besonderheit dieses Ortes ein und rückten auch die spezielle Situation der Schausteller in den Mittelpunkt. Dazu hatten die Besucher in den Wagen des Fahrgeschäftes Platz genommen. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Rudolstadt.

290. Rudolstädter Vogelschießen eröffnet
290. Rudolstädter Vogelschießen eröffnet

Wenige Minuten später schon war es vorbei mit der Stille. Das übliche Treiben setzte wieder ein, wenn auch verhalten, was die Besucherzahlen betraf. Denn das Rudolstädter Vogelschießen startete dieses Jahr mit einem Hitze-Wochenende wie schon lange nicht mehr. Entsprechend darauf eingestellt hatten sich die Sanitäter des DRK auf dem Platz. "Wir hatten uns mit zusätzlichen Getränken sowie Kühlkompressen eingedeckt, nachdem es eine Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes gegeben hatte", sagte Sebastian Fischer. Allerdings konnte er gestern am frühen Abend konstatieren. "Wir hatten bis jetzt noch keinen einzigen hitzebedingten Einsatz".

Vielleicht lag das auch einfach daran, dass insbesondere in den Nachmittagsstunden des Samstags und Sonntags diesmal deutlich weniger Besucher unterwegs waren, als in manch vergangenem Jahr. Die tropischen Temperaturen blieben nicht ohne Auswirkungen auf den Festplatz. Offenbar hatten Freibäder und Badeseen einfach eine größere Anziehungskraft.

In den Abendstunden änderte sich das Bild. "Die Abende waren top. Auch viele Familien, die sonst am Nachmittag kommen, hatten sich offensichtlich entschlossen, ihren Rummel-Besuch auf spätere Stunden zu verlegen", sagte Autoscooter-Betreiber Fritz Krebs. So kam es, dass anders als sonst selbst Kinderkarussells bis in der Stunde vor Mitternacht in Betrieb waren.

Es war als Hauptattraktion angekündigt und erwies sich auch am ersten Wochenende als absoluter Besuchermagnet: Das "Artistico", die größte mobile Drehschaukel. Mitarbeiter der Sendung "Galileo" hatten das erst Ostern dieses Jahres in Betrieb genommene Fahrgeschäft getestet und als eines der spektakulärsten seiner Art eingeordnet.

"Es ist erstaunlich, dass doch viele Menschen trotz der extrem tropischen Nachmittagstemperaturen auf die Bleichwiese gekommen sind. Auf anderen Festplätzen geht da fast gar nichts. In den Abendstunden stürmten die Besucher auf meine neue Hochfahrsensation. Die Atmosphäre des Festes gefällt mir sehr. Ich freue mich auf die bevorstehenden Tage", sagt Lutz Köhrmann, Betreiber des "Artistico".

Volksfestchef und Veranstaltungsreferent Frank Grünert ist noch immer ganz angetan von der Wertschätzung, die der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes Albert Ritter bei seinem Besuch dem Profil, der Gestaltung und der Vermarktung des Rudolstädter Vogelschießens entgegengebracht hat. "Das ist überwältigend und kommt einem Ritterschlag gleich", sagte er.

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