Hunderte in einer der letzten produzierenden Thüringer Kleinmühlen

Müllermeister Frank Rosenkranz führt die Besucher durch eine der wenigen noch produzierenden Kleinmühlen Thüringens. Hunderte Besucher kamen gestern zum Mühlentag nach Ebersdorf. Ruhmühle feierte ihr 400-Jähriges. Bürgermeister Volker Ortwig zur Festveranstaltung: Ruhmühle ist ein Vorzeigeobjekt

Mühlentag in der Ruhmühle Ebersdorf Hunderte Besucher führte gestern der Müllermeister Rosenkranz durch seine Mühle. . Fotos: OTZ/rk

Mühlentag in der Ruhmühle Ebersdorf Hunderte Besucher führte gestern der Müllermeister Rosenkranz durch seine Mühle. . Fotos: OTZ/rk

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Saalburg-Ebersdorf. "In einem Brot steckt sehr viel Arbeit", sagte gestern zur Eröffnung des Mühlentages Müllermeister Frank Rosenkranz. Hunderte konnten sich davon bei den Führungen durch seine Ruhmühle in Ebersdorf überzeugen. Sie lauschten den interessanten Ausführungen bei den Rundgängen, bewunderten die Technik und ließen sich bewirten. Derzeit seien die Getreidepreise hoch und es sei überhaupt schwierig, sich in der Marktwirtschaft zu behaupten.

"Wir sind immer bemüht, beste Qualität zu liefern", verdeutlichte der 54-Jährige. So werde das Getreide in einem Labor untersucht und gründlich gereinigt. Bei den Rundgängen durch das mehrstöckige Gebäude staunten die Besucher über die vielen Motoren und Treibriemen, den Aufzug und die dicken Holzbalken. Die Mühle war in Betrieb, das beeindruckte sehr.

Partner des Familienunternehmens sind einige Agrargenossenschaften der Region, die Roggen, Weizen und Dinkel liefern. Zu den Kunden zählen Bäcker, wie die Höhnes in Bad Lobenstein, sowie Wiederverkäufer und Gastrobetriebe. Die zwei Walzenstühle können zwölf Tonnen Getreide pro Tag zu Mehl verarbeiten, war von Tochter Josefa zu erfahren. Seit drei Jahren kümmert sie sich um das Büro und den Verkauf. Es würden wieder mehr Leute selbst backen und die Naturkost, Bioprodukte seien zunehmend gefragt.

Die Ruhmühle betreibt selbst drei Märkte in Neustadt/Orla, Schleiz und Bad Lobenstein. Sie bieten unter anderem die verschiedensten Futtermittel an. "Das Angebot ist sehr vielseitig. Ich kaufe gern hier ein", erzählte Jürgen Lenzner aus Altengesees, der sich spezielles Mastfutter für seine Enten und Gänse einpackte.

Annett Brendel ist seit fast drei Jahren im Bad Lobensteiner Mühlenmarkt Verkäuferin. Etwa 40 Prozent ihrer Kunden kämen aus Oberfranken, schätzte die Frössenerin ein. In den Schleizer Mühlenmarkt kommen viele Kleintierhalter aus dem Vogtland. Und aus Bayern treffen zum Beispiel Sammelbestellungen von Taubenzüchtern in Ebersdorf ein. Der Ruhmühlen-Chef selbst ist mit dem LKW unterwegs, der als Pritschen- und Silofahrzeug genutzt werden kann.

Immer am Pfingstmontag öffnen in Thüringen über 60 historische Mühlen ihre Türen. Bereits zum 11. Mal ist auch Frank Rosenkranz dabei. "Er hat schon einige tausend Besucher durch die Mühle geführt. Es kommen auch immer wieder Schulklassen. Darüber freuen wir uns", führte Stefan Bauch, Geschäftsführer des Thüringer Landesvereins für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde, aus. Die Ruhmühle in Ebersdorf sei eine der wenigen noch produzierenden Kleinmühlen im Freistaat.

"Unsere Region hat so viele schöne Ecken. Ich bin früher gern an der Saale entlang gewandert. Meine Mutter kannte noch die alte Ruhmühle", erzählte Annerose Enzenbach (77) aus Zoppoten.

Es war ein überaus gelungenes Jubiläum des 400-jährigen Bestehens der Ruhmühle, die seit drei Generationen im Besitz der Familie ist. Bei ihrem Fest wurde sie von vielen unterstützt.

"Ich will allen Helfern herzlich danken. Vor allem dem Feuerwehrverein Ebersdorf, dem Verein Reuß 90 sowie dem Ehepaar Magdalena und Dieter Fiedler", sagte Frank Rosenkranz.

Glückwünsche zum Jubiläum

Saalburg-Ebersdorf. Im Saal des Bürgerhauses Ebersdorf konnte die Müllerfamilie Rosenkranz am Sonnabend zur Festveranstaltung anlässlich des 400-jährigen Jubiläums viele Gäste begrüßen und Glückwünsche entgegen nehmen. Bürgermeister Volker Ortwig (FDP): "Die Ruhmühle ist weit über Ebersdorf hinaus bekannt. Wir als Gemeinde sind froh, dass wir dieses Gewerbe haben. Es ist ein Vorzeigeobjekt."

Karl Redemann, Ehrenpräsident des Mitteldeutschen Müllerbundes: "Das Jubiläum ist eine tolle und interessante Geschichte des Müllerhandwerks. Es war lange Zeit ein schwerer Beruf. Die Familie Rosenkranz übt eine Vorbildfunktion für unsere Innung aus. Mit ihren drei Mühlenmärkten mit Bioprodukten hat sie den Trend erkannt."

Pfarrer Johannes Möller: "400 Jahre Ruhmühle heißt auch 400 Jahre Gottvertrauen. Die Mühle ist für uns alle ein Segen."

Eine musikalische und sehr persönliche Laudatio brachte mit seinem Lied Hans Knapp von der Mühle in Linda bei Pößneck dar. Hochinteressant war auch die Präsentation von vielen Fotos aus der Geschichte einer Mühle, die vor über 80 Jahren noch an den Ufern der Saale stand und dem Bleilochstausee weichen musste.

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