Imkerverein Saalfeld 1903 will „Verein des Monats“ werden

Saalfeld  Auf mehr als ein Jahrhundert Geschichte kann der Imkerverein Saalfeld 1903 e.V. zurückschauen. Mit viel Engagement haben die Vereinsmitglieder manches Tief überwunden. Sollte der Verein gewinnen, will er das Preisgeld von 1000 Euro in einen neuen Lehrbienenstand investieren.

Der „Bienenonkel“ Siegfried Karl vom Imkerverein Saalfeld 1903 geht immer wieder in Schulen und Kindergärten, um über das Leben der Bienen zu informieren. Hier zeigt er Kindern aus der Grundschule Caspar Aquila das Lehrbienenhaus im Schlosspark. Foto: Uwe Frost

Der „Bienenonkel“ Siegfried Karl vom Imkerverein Saalfeld 1903 geht immer wieder in Schulen und Kindergärten, um über das Leben der Bienen zu informieren. Hier zeigt er Kindern aus der Grundschule Caspar Aquila das Lehrbienenhaus im Schlosspark. Foto: Uwe Frost

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Am 30. März 1903 vermeldete das Saalfelder Kreisblatt, dass sich am Vortag „Imkerinnen und Imker zwecks Gründung eines eigenen Bienenzüchtervereins“ zusammengefunden hatten. Schon damals verstanden die Imker die Bienenzucht als nützlichen Zweig der Landwirtschaft, wie aus dem Artikel hervorgeht.

Das ist auch heute eines der großen Anliegen des Imkervereins Saalfeld 1903, wie Vereinschef Ralf Kunz erläutert. Bienen liefern nicht nur leckeren Honig, erklärt er. Ihr Nutzen als Bestäuber von Nutz- und Zierpflanzen sei um das Zehnfache größer. Deshalb streben die Imker eine enge Partnerschaft mit den Landwirten der Region an. So gebe es Partnerschaften mit den Agrargenossenschaften Kaulsdorf und Saalfelder Höhe. Mit der Saalfelder Höhe wird bei der Aussaat von Mais in Stadt­nähe ein breiter Blühstreifen ­angelegt, um die Biodiversität der Maisfelder zu erhöhen. Auch ein gemeinsames Projekt mit der Stadt Saalfeld und dem Naturpark „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“ zielt darauf, Natur und Umwelt innerhalb von Saalfeld zu schützen. Diese Partnerschaften sollen ­aktiv ausgebaut werden.

Mindestens ebenso wichtig ist es den Vereinsmitgliedern, Kindern und Jugendlichen die Botschaft zu übermitteln, wie bedeutsam Bienen für unser Leben sind, sagt Kunz. Regelmäßig halten Vereinsmitglieder Vorträge in den Grundschulen Caspar Aquila und Marco Polo in Saalfeld, bestreiten ganze Unterrichtsstunden. Dieser Arbeit dient auch ein Lehrbienenstand im Schlosspark. „Bereits in den Kindergärten werden die Kinder durch Mitglieder des Vereins mit den Bienen vertraut ­gemacht“, erzählt der langjährige Vereinsvorsitzende Jörg Tränckner. „Wir freuen uns immer wieder über die Begeisterungsfähigkeit der Kinder“, fügt Kunz hinzu, der den Vorsitz Anfang des Jahres von Tränckner übernommen hat.

Wie groß das Interesse ist, zeigt ein Vortrag mit Honigfrühstück in der heilpädagogischen Integrativen Kindereinrichtung in Bad Blankenburg. Eine Gruppe mit acht Kindern war geplant. Gekommen sind sechs Gruppen mit 40 Kindern.

Imkerei ist auch Teil des Tourismus in der Region

Große Sorgen bereitet den Imkern die Gesundheit der Bienenvölker. „Bienen sind ein wichtiger Indikator für den Zustand der Umwelt“, sagt Kunz. Deshalb versucht der Verein auch mit viel Aufklärungsarbeit, Verständnis für die Zusammenhänge zwischen dem Leben der Bienen und dem Zustand der Umwelt zu wecken. Dafür nutzt der Verein auch öffentliche Veranstaltungen wie den Zunftmarkt, das Knaxfest oder den Tag der Vereine, um für die Erhaltung der Umwelt zu werben.

Der Imkerverein trägt mit seiner Arbeit auch zur Entwicklung des Tourismus in der Region bei. So betreuen die Vereinsmitglieder auch einen 13 Kilometer langen Bienen- und Naturlehrpfad. Gemeinsam mit dem Verlag „grünes herz“ wurde eine Wanderkarte erarbeitet. Die Vereinsmitglieder stellten Infotafeln entlang der Weg­strecke auf und halten sie instand. Viermal jährlich säubern sie den Rastplatz am Ambrosiusbrunnen und kontrollieren die Wasserzufuhr. 2013 stellten die Vereinsmitglieder auch zehn Nisthilfen an geeigneten Standorten am Bienenlehrpfad auf.

Insgesamt kann der Verein auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Eine besondere Zäsur war die Wende 1989/90, erinnert sich ­Tränckner. In den letzten Jahren der DDR hatte der Verein deutlich über 100 Mitglieder. Ein Grund war, dass viele Menschen die Imkerei als Geldquelle nutzten. Doch 1990 fiel der staat­liche Honigaufkauf weg. ­„Danach sind nur noch die Idealisten im Verein geblieben“, ­erzählt Tränckner. Damals sei die Zahl der Mitglieder auf unter 40 gesunken. Doch dank der intensiven Nachwuchsarbeit habe sich der Verein wieder stabilisiert. Heute gehören dem Verein 83 Mitglieder und vier Organisationen an. Vereinschef Kunz denkt deshalb schon über die Gründung von regionalen Gruppen nach.

Über den Mitgliedernachwuchs macht sich der Verein keine Sorgen. Die Ausbildungskurse zum Jungimker seien gut besucht.

Steckbrief des Imkervereins Saalfeld 1903

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.