In Bad Lobenstein erinnert Filmvortrag an den hingerichteten Manfred Smolka

Bad Lobenstein  Manfred Smolka aus Titschendorf wurde 1960 nach einer konstruierten Anklage hingerichtet. Mit einem Filmvortrag wurde am Montagabend in Bad Lobenstein an diesen Fall erinnert.

Manfred Smolkas Bruder Roland Smolka (l) las aus Briefen seines Bruders. Neben ihm der CDU-Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner. Foto: Uwe Frost

Manfred Smolkas Bruder Roland Smolka (l) las aus Briefen seines Bruders. Neben ihm der CDU-Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner. Foto: Uwe Frost

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Roland Smolka wehrt die Frage nach seinem Befinden angesichts des großen Unrechts, das an seinem Bruder begangen wurde, ab. Er wolle lieber aus dessen Briefen vorlesen, sagt der heute in Leverkusen wohnende Roland Smolka: „Ich möchte meinen Bruder zu Wort kommen lassen.“

Der damals 28 Jahre alte ehemalige DDR-Grenzpolizist Manfred Smolka hatte nach seiner Flucht 1958 seine Frau und sein Kind nachholen wollen, wurde aber in eine Falle gelockt und wegen Spionage angeklagt. „Das Verfahren ist geeignet, aus erzieherischen Gründen die Todesstrafe zu verhängen“, hieß es damals. Abgesegnet von Stasi-Chef Erich Mielke geschah dies auch. Manfred Smolka wurde zum Tode verurteilt und am 12. Juli 1960 durch das Fallbeil hingerichtet.

Auf der Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung am Montagabend im überfüllten Saal des Neuen Schlosses von Bad Lobenstein wird ein Film gezeigt, in dem sich seine Tochter Ursula und die Schwester Brigitte erinnern und in dem der Fall rekonstruiert wird. Zu sehen ist auch ein Kassiber, den ein Mithäftling aus dem Gefängnis herausschmuggeln sollte. Roland Smolka hat ihn, wie alle anderen Briefe auch, in den Stasi-Akten gefunden und liest daraus vor, zitiert auch aus anderen Briefen, die die Familie nie erreicht haben. Darin beteuert Manfred Smolka seine Unschuld, klagt darüber, dass er nichts von seiner Familie hört, im Unwissen darüber, dass alle seine Briefe abgefangen wurden.

Hans-Jürgen Grasemann, ehemals Oberstaatsanwalt, hat sich lange mit dem DDR-Unrecht und dem Fall Smolka befasst. Er schildert, wie Manfred Smolka in die Falle gelockt wurde und auf westdeutscher Seite amerikanische Geheimdienstler nicht eingriffen.

Ein Mann aus Bayern greift dies auf und erzählt von seinem Lehrherren, der das Geschehen auf westdeutscher Seit beobachtet hat, aber gehindert wurde zu helfen. Man habe durch „Feigheit und Nichtstun“ viele Menschen im Stich gelassen. Deshalb müsse man sich heute immer wieder fragen , wo Zivilcourage nötig ist. Er regt an, einen Gedenkstein an der Stelle zu errichten, aber Roland Smolka winkt zunächst ab. Schon zweimal habe man dort ein Kreuz aufgestellt, nach wenigen Tagen war es weg. Es gebe eben immer noch Leute, die nicht wahrhaben wollten, dass die DDR ein Unrechtsstaat war.

Kommentar zum Beitrag: So fern wie Napoleon

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