Jahrhundertflut 1994: Die Saaletalsperren verhinderten Schlimmeres

Saalfeld/Rudolstadt  Themenwoche Jahrhundertflut: Ursache für die Katastrophe 1994 waren vor allem Regenmassen von bis zu 100 Liter pro Quadratmeter.

Die Aufnahme vom 13. April 1994 zeigt die schier unbändigen Wassermassen in der Loquitz in Eichicht. Die Saaletalsperren hatten da schon die Klappen dicht gemacht. Archivfoto: Klaus Moritz

Die Aufnahme vom 13. April 1994 zeigt die schier unbändigen Wassermassen in der Loquitz in Eichicht. Die Saaletalsperren hatten da schon die Klappen dicht gemacht. Archivfoto: Klaus Moritz

Foto: Klaus Moritz

Niemand ahnte am Montag, dem 11. April 1994, was diese Woche bringen würde. In den Bergen hatte es am Wochenende ab 400 Meter Höhe noch zehn Zentimeter Neuschnee gegeben. Tief „Margot“, so hieß es im Wetterbericht, sollte weiteren Regen bringen. Noch am Dienstag zierte ein Regenbogen über der Heidecksburg die Titelseite dieser Zeitung.

13 Liter Regen pro Quadratmeter hatte es am Montag im Städtedreieck gegeben, das damals noch nicht so hieß. Normal sind zwei bis vier Liter. Der Dienstag aber und die darauffolgende Nacht zum 13. April stellten alles in den Schatten. 59 Liter Niederschlag pro Quadratmeter prasselten von Dienstagmittag bis Mittwoch, 7 Uhr, nieder, wie der damalige Wetterfrosch der Zeitung, Eckhard Krüger in Birkigt, notierte. Am Oberlauf von Schwarza und Loquitz waren es bis zu 70 Liter.

Die Folge war das gewaltigste Hochwasserereignis des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts in dieser Region mit Schäden im dreistelligen Millionenbereich und einem Todesopfer. Ein 64-jähriger Unterweißbacher wurde von den Fluten der Lichte mitgerissen, als er in seinem Schuppen am Flussufer nach dem Rechten sehen wollte. Man fand die Leiche Tage später in der Schwarza.

Interessant ist die Rolle der Sperranlagen, die gebaut wurden, um die verheerenden Folgen solcher Hochwasserereignisse zu mildern. Um es vorweg zu nehmen: Die Saale-Kaskade hat ihre Rolle vollauf erfüllt. Glücklicher Zufall: Wegen planmäßiger Arbeiten der VEAG war der Wasserstand in diesem Frühjahr zusätzlich reduziert worden, so dass die Wassermassen der zuführenden Flüsse voll abgefangen werden konnten.

„Wir mussten bisher kein Wasser an die Saale abgeben“, sagte Dieter Stein von der Einsatzzentrale des Umweltamtes in Gera am Tag der Katastrophe dieser Zeitung. Tatsächlich hatte man um 8.07 Uhr die Ausläufe der Saaletalsperren geschlossen.

66,3 Millionen Kubikmeter freien Stauraum vermeldete die Behörde. Der Hohenwartestausee war bis zum nächsten Abend trotzdem randvoll. Da war das Schlimmste aber schon vorbei. Ohne den Rückhalt der Saaletalsperren, so hat man später ausgerechnet, wäre der Pegel in Rudolstadt, wo der Höchststand am 13. April 3,01 Meter betrug, noch 1,20 Meter höher gewesen. Es hätte die komplette Altstadt getroffen.

Einen verhängnisvollen Missstand legte das Hochwasser seinerzeit im Rinnetal offen. Das extra für solche Fälle gebaute Rückhaltebecken bei Watzdorf hielt wegen eines fehlenden „Verschlussorgans“ keinen Tropfen Wasser zurück. 300.000 Kubikmeter Stauraum blieben ungenutzt, hätten aber wohl weder Bad Blankenburg noch Rudolstadt gerettet.

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