Karsten Kehr stellt in Greiz sein Buch „Andrea. Briefe aus dem Himmel“ vor

Greiz  Premiere der musikalischen Lesung des OTZ-Redakteurs am Sonnabend auf der Studiobühne der Vogtlandhalle

OTZ-Redakteur Karsten Kehr, der in der Greizer Lokalredaktion arbeitet, hat das Buch „Andrea. Briefe aus dem Himmel“ geschrieben. Am Sonnabend stellt er es bei einer Lesung in der Vogtlandhalle Greiz vor.

Foto: Katja Grieser

Seit Mitte Oktober gehört Karsten Kehr zum Team der OTZ-Lokalredaktion Greiz. Zuvor war er viele Jahre als freier Journalist tätig. Spezialgebiet Schicksalgeschichten. Um die zu finden, ist er unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook auf Suche gegangen. „Hilfe für“ hat er als Stichworte eingegeben und „da ploppte immer eine ganze Menge auf“, erzählt er. So stieß er auf die Familie Bendrick. Die alleinerziehende Mutter Andrea brauchte Unterstützung beim Ausbau einer Wohnung. Was harmlos klang, entpuppte sich als ein Schicksal, das an Tragik kaum zu überbieten ist.

„Es stellte sich nämlich heraus, dass Andrea schwer krank ist. Und sie wollte ihren Töchtern, die vier und neun Jahre alt waren, noch ein Nest bauen, bevor sie geht“, sagt Karsten Kehr, der sich mit der Frau verabredet hat. „Wir haben so geplaudert und dann hat sie mir von ihrem Vermächtnis erzählt“, erinnert sich der Journalist. Die an Nase-Rachen-Krebs erkrankte Andrea hat Briefe für ihre Töchter geschrieben. „Jedes Jahr an ihrem Geburtstag bekommen die Mädchen einen Brief von ihrer Mutter – bis sie volljährig sind“, so der OTZ-Reporter.

Zeitweise war es für Andrea sehr schwer, die Briefe zu schreiben. Sie war gezeichnet von der Krankheit und den zehn Chemotherapien. Ihr Körper war mitunter so schwach, dass sie nur drei Tage pro Monat aufstehen konnte. Umso stärker war jedoch ihr Wille, ihren Mädchen etwas Besonderes zu hinterlassen.

Die Briefe sind auf das Alter der Kinder abgestimmt. „Sie hat beispielsweise geschrieben, wie sie sich gefühlt hat, als sie 15 Jahre alt war“, erzählt der 55-Jährige. Und Andrea hat überlegt, welche Probleme die Mädchen in ihrem jeweiligen Alter haben könnten. Der erste Kuss, der erste Liebeskummer oder Ähnliches werden thematisiert. „Sie wollte ihren Töchtern sagen, dass alles nicht so schlimm ist. Sie sollten erkennen, dass ihre Mami auch nicht so Schönes erlebt und überstanden hat“, beschreibt Kehr die Intention der Mutter, die ihren Kindern nach ihrem Tod noch Tipps und Ratschläge geben wollte.

Darüber hinaus bekommen die Mädchen zu ihrem Geburtstag eine Rose und ein Geschenk. Ganz Praktisches wie ein Schwimmkurs gehört beispielsweise dazu. Geschickt wird das alles mit der Post, so dass es tatsächlich den Anschein hat, als würden die Kinder Briefe aus dem Himmel bekommen. Eine Freundin von Andrea sorgt dafür, dass mit den Geburtstagsüberraschungen alles klappt.

14 Monate lang hat Karsten Kehr die todkranke Frau begleitet – und ihre Geschichte schließlich niedergeschrieben. In Zeitschriften in Deutschland und in der Schweiz ist sie erschienen. So wurde ein Verlag darauf aufmerksam, der den Leubnitzer gefragt hat, ob er ein Buch darüber schreiben würde. „Es ist mein erstes Buch. Ich habe es in zweieinhalb Monaten geschrieben“, erzählt Karsten Kehr. Ende 2017 war es fertig, am 4. Mai vorigen Jahres ist es erschienen.

Am Samstag um 16 Uhr wird der Autor sein Buch erstmals vorstellen, und zwar auf der Studiobühne der Greizer Vogtlandhalle. Es wird eine musikalische Lesung. Denn Karsten Kehrs Frau, die Greizerin Sylvia Martens, hat der todkranken Mutter einen besonderen Wunsch erfüllt. Sie hat einen Song für sie geschrieben, der den Titel Andrea trägt.

Gemeinsam wird das Paar also am Sonnabend in Greiz die berührende Geschichte von Andrea und ihrem handschriftlichen Erbe erzählen.

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