Katharina Herzog aus Camburg ist Thüringerin des Monats

Camburg  „Wenn wir die Ehrenamtlichen nicht hätten, läge das gesellschaftliche Leben auch in unserer Region lahm“, sagt Monika Thomas aus dem Landratsamt. Eine dieser Engagierten ist Katharina Herzog aus Camburg.

Katharina Herzog ist „Thüringerin des Monats“. Die junge Frau wurde in der Gemeinschaftsaktion von MDR und Thüringer Ehrenamtsstiftung für ihr 15-jähriges Engagement bei der Selbsthilfegruppe Netzhautablösung ausgezeichnet. Foto: Angelika Schimmel

Katharina Herzog ist „Thüringerin des Monats“. Die junge Frau wurde in der Gemeinschaftsaktion von MDR und Thüringer Ehrenamtsstiftung für ihr 15-jähriges Engagement bei der Selbsthilfegruppe Netzhautablösung ausgezeichnet. Foto: Angelika Schimmel

Foto: zgt

Jede Krankheit ist schlimm. Sie ist mit Schmerzen, Ungewissheit und oft Leiden verbunden. Doch wenn man mit 20 die Diagnose Netzhaustablösung bekommt, dann droht man buchstäblich im Dunkel zu versinken. Denn am Ende dieser Erkrankung steht die Erblindung. Weil es bis heute keine Medikamente gibt, die die Krankheit heilen können und die ärztliche Kunst, ihr mit Operationen Einhalt zu bieten, irgendwann auch nichts mehr ausrichten kann.

„Doch trotzdem ist auch diese Krankheit, so schwer sie auch sein mag, kein Grund, sein Leben und sich selbst aufzugeben“, sagt Katharina Herzog. Die heute 37-jährige Camburgerin lebt nicht nur seit 17 Jahren mit der Diagnose, sie hat vor 15 Jahren auch eine Selbsthilfegruppe Netzhautablösung gegründet, die bis heute die einzige Selbsthilfegruppe für diese spezielle Augenerkrankung ist – nicht nur in Deutschland, sondern im ­gesamten deutschsprachigen Raum. Weil die Betroffenen so weit verstreut leben, hat die Landschaftsarchitektin 2002 eine Internetplattform erstellt und deren Seiten mit Informationen über die Krankheit und Tipps für das Leben mit ihr gefüllt. 1300 Mitglieder der Selbsthilfegruppe sind über dieses Medium miteinander vernetzt – und 180 000 Mal pro Monat werden die Seiten von Betroffenen und deren Angehörigen angeklickt.

„Seit 15 Jahren gibt uns Katharina mit ihrer Internetplattform Tipps zum Leben mit der Krankheit, die wir so von Ärzten nicht bekommen, sie tröstet Betroffene, vermittelt Kontakte und hat so unzähligen Menschen geholfen und neuen Mut gegeben“, sagt Friedrich Wyzyla. Der Kölner, der selbst an Netzhaut­ablösung leidet und vor mehr als zehn Jahren über das Internet mit Katharina Herzog in Kontakt gekommen ist, weiß, was die junge Camburgerin damit leistet.

Und er hat sie deshalb vorgeschlagen für die Auszeichnung als „Thüringerin des Monats“ in der Gemeinschaftsaktion von Mitteldeutschem Rundfunk und Thüringer Ehrenamtsstiftung.

„Etwa 20 Vorschläge erreichen uns pro Monat, darunter sind auch immer wieder Menschen, die sich in Selbsthilfegruppen engagieren“, berichtet Lutz Gerlach vom Aktionsteam. „Jedoch hat uns das Engagement von Katharina Herzog sehr beeindruckt, die mit ihrer Gruppe so breit aufgestellt ist und auch die neuen Medien so intensiv nutzt, um anderen Menschen zu helfen“, ergänzt Sina Reeder. Deshalb überreichten sie der Camburgerin am Mittwoch die Urkunde als „Thüringerin des Monats“.

Der war die Freude über diese Anerkennung ins Gesicht geschrieben, auch Lebenspartner Björn und Sohn Spenzer war der Stolz auf ihre Frau und Mutter anzusehen. Sie wissen am besten, welch zusätzliche Kraft die Organisation des Selbsthilfe-Forums für die junge Mutter und Geschäftsfrau bedeutet, die ihr halbes Leben mit der Krankheit leben muss, die normalerweise erst Patienten mit über 60 bekommen.

„Die Selbsthilfegruppe hat mein Leben aber auch sehr bereichert, ich habe viele gute Bekannte und Freunde gewonnen“, sagt Katharina Herzog. Sie selbst hat nach Dutzenden Operationen alle Phasen der Krankheitsbewältigung durchlitten – von der Mutlosigkeit bis hin zum Gedanken, es habe alles doch keinen Sinn. Den Mut, stets aufs Neue der Krankheit den Kampf anzusagen, haben ihr ihre Familie und vor allem ihre beiden Kinder gegeben. „Du kannst dich, auch wenn du mit Schmerzen nach der OP aus dem Krankenhaus entlassen wirst, zu Hause nicht einen Tag hängen lassen“, sagt sie. Hilfreich ist ihr auch ihr profundes Wissen über die Krankheit und das richtige Verhalten im Alltag.

„Du musst dein ganzes Leben umkrempeln“, sagt sie. Nicht schwer zu heben sei eine kleine, aber extrem wichtige Verhaltensmaßregel, damit die Gefäße des Auges nicht belastet werden. „Mal abgesehen davon, dass das mit Kindern schwer durchzuhalten ist“, räumt Katharina Herzog ein, „gesagt hat mir das kein Arzt“. Die Belastung der Mediziner in den Krankenhäusern sei groß, es fehle oft die Zeit – und manchmal wohl auch das Interesse – sich mit den konkreten Lebensbedingungen und Problemen der Patienten zu beschäftigen, weiß sie aus Erfahrung. Gleiche Erfahrungen hat auch Axel Südmersen aus Bad Oeynhausen gemacht. „Wissen über die Krankheit, das wir von Ärzten nicht bekommen haben, haben wir erst in der Selbsthilfegruppe von Katharina vermittelt bekommen. Und wir fühlen uns in der Gruppe gut aufgehoben, wie in einer Familie“, sagt er. Deshalb ließen es sich der Senior und seine Frau aus Nordrhein-Westfalen nicht nehmen, Katharina Herzog nach der Auszeichnung im Camburger Museumscafé persönlich die Hände zu schütteln. Solche Freundschaften seien es, die einem in schweren Zeiten Trost und Zuversicht gäben, sagt die „Thüringerin des Monats“, die nun die Chance hat, im Dezember von MDR-Hörern und Zuschauern zur „Thüringerin des Jahres“ gewählt zu werden. Dieser Titel ging 2014 schon einmal in den Saale-Holzland-Kreis, an Peter Rothe aus Hermsdorf.