Königin der Instrumente wartet auf ihre Wiedergeburt

Apolda.  Aufarbeitung und Einbau der Apoldaer Orgelpfeifen muss wegen voller Auftragsbücher der Handwerker noch warten

Zu den Gönnern mit Blick auf die Sanierung der Sauerorgel zählt unter anderem auch der rührige Förderverein der Lutherkirche, der 2019 für 5000 Euro die Patenschaft eines gesamten Registers übernommen hat.

Zu den Gönnern mit Blick auf die Sanierung der Sauerorgel zählt unter anderem auch der rührige Förderverein der Lutherkirche, der 2019 für 5000 Euro die Patenschaft eines gesamten Registers übernommen hat.

Foto: Sascha Margon

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Alexander Wilhelm Gottschalg (1827-1908) brachte es einst mit dem Satz auf den Punkt: „In ganz Thüringen existiert kein schöneres Orgelwerk, wie jenes in der Apoldaer Lutherkirche.“ Jeder Glockenstädter weiß natürlich, dass der großherzogliche Hoforganist damit die Sauerorgel in Apoldas größtem Gotteshaus meinte.

Die bietet derzeit einen kläglichen Anblick, schaut der Besucher in das nordöstliche Kirchenschiff des in den letzten Jahren aufwendig sanierten Innenraumes. Denn seit Anfang 2018 steht auf der dortigen Empore nur noch das bereits gereinigte und aufgearbeitete Gehäuse der Sauerorgel. Ihr Innenleben samt Orgelpfeifen liegt akribisch sortiert gleich auf der Nachbarempore und wartet seither auf den Wiedereinbau. Der dürfte sich noch ein wenig hinziehen, wie es Gerburg Unger vom Gemeindekirchenrat beim Neujahrsempfang der Kirchen in der vergangenen Woche bereits angedeutet hatte. Zwar sei laut Auskunft von Kreiskantor Mike Nych die Finanzierung für den ersten von drei Bauabschnitten die Finanzierung bereits in trockenen Tüchern, alleine die Orgelbaufirma Jehmlich aus Dresden habe derzeit mit anderen Aufträgen alle Hände voll zu tun.

Wann genau es los gehen kann, bleibt abzuwarten. In Apolda hofft man indes spätesten Mitte des Jahres damit beginnen zu können. So sollen in einem ersten Schritt die ausgebauten Pfeifen nach Dresden in die Werkstatt zur Aufarbeitung gebracht werden. Wohl gemerkt nur die kleinen Exemplare. Ihre großen Schwestern werden vor Ort in der Kirche selbst auf Vordermann gebracht. Das spart nicht nur Transportkosten, sondern bewahrt die Pfeifen vor Schäden beim Hin- und Herfahren, erklärt Mike Nych.

Insgesamt müssen 2569 Pfeifen aufgearbeitet werden, wobei sich ein Großteil der Klangkörper in einem recht guten Zustand befindet. Ausgebessert werden müssen etwa Fehlstellen an den Pfeifen, Beulen beseitigt, Zungen erneuert oder die Optik aufpoliert werden. Die Prospektpfeifen bekommen sogar einen neuen bronzierten Überzug – für ein strahlendes Gesicht der Königin der Instrumente. Sechs Register werden komplett neu aufgebaut. Eine Notwendigkeit, nachdem zwischen 1930 und 1950 an der Orgel zahlreiche Umbauten vorgenommen wurden. Dass es dabei nicht nur darum geht, den Urzustand wieder herzustellen, erklärt Mike Nych. Schließlich soll das Instrument im Einklang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes auch an die heutige Zeit angepasst werden. Eigens dazu bekommt die alte Lady sogar ein elektronisches Implantat. Vom Spieltisch, der ebenfalls aufwendig restauriert wird, ist es dann möglich, die Setzeranlage mit den einzelnen Registern per Elektronik zu steuern. Damit ist beispielsweise eine schnelle Umstellung der Register im Einmannbetrieb möglich und somit eine viel bessere Ausnutzung der klanglichen Möglichkeiten der Orgel gewährleistet, zeigt sich der Kreiskantor begeistert.

Insgesamt verschlingt die Sanierung rund 350.000 Euro. Geld, das unter anderem vom Kirchenkreis, der Landeskirche oder aus Fördertöpfen des Denkmalschutzes zusammen kommt. Auch die Kirchgemeinde hat mit verschiedenen Aktionen oder Veranstaltungen Spenden in nicht unerheblichem Maß für die Sanierung gesammelt und so fast die Hälfte der Gesamtkosten organisiert. Beispielsweise mit Konzerten, dem Verkauf des Orgelkalenders oder auch mit den Orgelpatenschaften, die bisher an ein Viertel der Pfeifen vergeben werden konnte.

Trotz allen Verzugs hofft Mike Nych, dass noch in diesem Jahr mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen werden kann. Ob die Orgel – zumindest in Teilen – am Ende des Jahres wieder erklingen darf, bleibt dennoch abzuwarten.

Nächste Veranstaltung in der Lutherkirche: Winterkonzert „Ludwig v. Beethoven“ (Konzert für Klavier und Orchester Nr 1. C-Dur op.15) mit William Kindermann aus Los Angeles am Klavier und der Akademischen Orchestervereinigung der Friedrich-Schiller-Universität Jena unter der Leitung von GMD Sebastian Krahnert, Samstag, 2. Februar, 17 Uhr

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