Kolumbianerin war fünf Monate Gastschülerin am Gymnasium Neuhaus

Für Valeria Zapata Arias aus Kolumbien geht eine fünfmonatige Zeit als Austauschschülerin am Gymnasium Neuhaus zu Ende. Bei den Böhms in Lichte ist sie zum Familienmitglied geworden. In Amerika soll es unbedingt ein Wiedersehen geben.

Juliane (links) und ihre Freundin Valeria haben im Garten der Familie Böhm in Lichte einen Schneemann gebaut. Auf den Winter in Deutschland war die junge Austauschschülerin aus Kolumbien besonders gespannt. Am kommenden Wochenende geht es für sie wieder zurück in die Heimat.  Foto: Michael Graf

Juliane (links) und ihre Freundin Valeria haben im Garten der Familie Böhm in Lichte einen Schneemann gebaut. Auf den Winter in Deutschland war die junge Austauschschülerin aus Kolumbien besonders gespannt. Am kommenden Wochenende geht es für sie wieder zurück in die Heimat. Foto: Michael Graf

Foto: zgt

Lichte/Neuhaus. "Einfach loszulassen, das wird schwer", ist sich Juliane Böhm sicher. Mit ­gemischten Gefühlen sieht sie dem kommenden Wochenende entgegen. Denn es heißt, Abschied zu nehmen von Valeria Zapata Arias, die fünf Monate zu Julianes Familie in Lichte ­gehörte und nun wieder nach Kolumbien fliegen wird.

Als Austauschschülerin war die 15-jährige Valeria im September nach Deutschland gekommen, zusammen mit 47"Altersgefährten aus der deutschen Schule in Cali, der mit über zwei Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt des südamerikanischen Landes. Mit 18 möchte sie dort ihr Sprachdiplom erwerben, und auf dem Weg zu diesem Ziel ist die Zeit als Zehntklässlerin am Gymnasiums in Neuhaus am Rennweg eine ganz wichtige Station.

"Ihr Deutsch hat sich sehr ­verbessert", lobt Juliane. Das bestätigen auch ihre Mitschülerinnen Tina Schöttke aus Oberweißbach und Laura Unger aus Reichmannsdorf. "Nur wenn die Lauschaer Dialekt sprechen, bekommt Valeria immer noch große Augen", fügen sie schmunzelnd an. Auch Laura und Tina finden es schade, "dass sie schon gehen muss." Die immer lustige und aufgeschlossene Kolumbianerin sei ihnen eine gute Freundin geworden, "und wir werden sie vermissen."

Die Böhms sind gern Gast­familie. "Wir hatten schon Schüler aus den USA, Holland, Polen und von der im Indischen Ozean liegenden französischen Insel Le Reunion bei uns", ­erzählt Julianes Mutti Berit. Ihre Tochter (15) weilte im Rahmen des Comenius-Projekts der Schule bereits in Portugal, den Niederlanden und auf La Reunion. Sohn Martin (21) kennt dank der - gegenwärtig allerdings "eingefrorenen" - Partnerschaft des Neuhäuser Gymnasiums mit einer Schule in Waseca/Minnesota ein Stückchen von den Vereinigten Staaten.

"An interkulturellen Begegnungen sind wir stark interessiert", sagt Berit Böhm, die am Neuhäuser Gymnasium Geografie und Mathematik unterrichtet. Und wie für die Lehrerin und ihre Familie gilt dieses Interesse auch für die Schule. Nach den Worten von Carola Gruner, der amtierenden Schulleiterin, sind solche Austausche immer ein Geben und Nehmen. Sie wisse aus eigener Erfahrung, wie wichtig und "für die eigene Sichtweise förderlich" es sei, andere Kulturen kennenzulernen. Gruner hat drei Jahre an einer Schule in Chile gearbeitet, und das Gymnasium pflegt solche Austausche seit über 20"Jahren.

Valeria ist nun die Gastschülerin mit der längsten Neuhaus-Erfahrung, denn drei Monate waren bisher das Maximum. "Sie hat sich ausgezeichnet eingefügt und viele Eindrücke ­gewonnen, die ihr in ihrer Entwicklung helfen werden", zeigt sich Carola Gruner überzeugt.

Das betrifft natürlich nicht nur das im Unterricht Gelernte. Wenn Valeria wieder mit Mama, Papa, Bruder und Schwester daheim vereint ist, so wird sie noch viel mehr berichten können: von Ausflügen zum Oktoberfest in München, nach Erfurt, Weimar, Jena und Saalfeld, von der Dreitagestour nach Wien mit Besuch des Musicals "Elisabeth" und vor allem vom Winter in Thüringen und im Salzburger Land. Im traditionellen Skilager des Gymnasiums in Saalbach-Hinterglemm stand die lebenslustige Südamerikanerin das erste Mal auf Skiern und hat dort keinerlei Scheu vor Schussfahrten gezeigt, wie Juliane verrät. Auf Schnee in Lichte und Umgebung musste sie sich freilich enorm lange gedulden. Zum Schneemann-Bau im Garten der Familie Gunter Böhm in der Dorststraße reichte es dann aber doch noch. Dabei war der Winter gerade das, worauf Valerie besonders gespannt war. Ihre Heimatstadt Cali liegt schließlich in Äquatornähe, und die Temperaturen dort bewegen sich meist in der Spanne von 20 bis 30 Grad Celsius.

In Thüringen am besten gefallen habe ihr übrigens die Landeshauptstadt, lässt Valeria wissen. "Ich liebe Erfurt mit seinem Dom und der ganzen beeindruckenden Architektur", sprudelt es aus ihr heraus. Aber auch die Feengrotten fand sie sehr schön. Ebenso großen Spaß bereitete dem sportlichen Mädchen das Volleyballspiel in der Frauenmannschaft des SV Stahl 90 Schmiedefeld. Und das Essen in Thüringen habe schmeckt - Klöße mit Braten zum Beispiel, vor allem aber Döner...

Wenngleich Valeria in Lichte und Neuhaus überaus herzlich aufgenommen wurde, ist eine Portion Heimweh angesichts einer Entfernung von gut 9000 Kilometern durchaus normal. Über Facebook (täglich) oder Skype (mindestens jeden Sonntag) hielt die hübsche junge Dame in der jetzt zu Ende gehenden Zeit aber stets engen Kontakt mit ihrer Familie, und sie freut sich auf das Wieder­sehen.

Dass der Kontakt mit den Böhms nach ihrer Rückkehr nicht abreißen wird, versteht sich von selbst. Julianes Plan ist ein Wiedersehen im Sommer 2015: Treff in Kolumbien und dann die USA bereisen mit Miami und New York. Und auch Berit Böhm bekundet: "Auf jeden Fall wollen wir Valeria und ihre Familie irgendwann einmal ­besuchen."

Am Sonnabend bringen die Böhms ihren Gast, der zum Familienmitglied wurde, nach Eisfeld zum Bahnhof. Von dort aus geht es für Valeria mit dem Zug zum Flughafen nach Frankfurt am Main. Und man muss sicher kein Prophet sein, um vorher­zusagen, dass so manche ­Abschiedsträne fließen wird.

Zu den Kommentaren