Kulinarisch-historische Reise: Heute Station im Landgasthof Wetzdorf

Wetzdorf  Die riesengroße Kastanie und die Linde vor dem Haus lassen ihre Blätter fallen. Beide Bäume sind hier seit 1899 verwurzelt. Gepflanzt von Stefan Fischers Ururgroßeltern. Das Gebäude mit der Aufschrift „Landgasthof Wetzdorf“ atmet Geschichte. „Schön, dass du da bist“ – mit diesem Schriftzug begrüßt es seine Besucher.

Blick auf den Landgasthof in Wetzdorf. Im Sommer laden Tische vor dem Gebäude zum Verweilen und Genießen ein. Foto: Peter Michaelis

Blick auf den Landgasthof in Wetzdorf. Im Sommer laden Tische vor dem Gebäude zum Verweilen und Genießen ein. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Willkommen werden sie mindestens seit 1878 geheißen. „Gäste, die ihren Bauernhof renoviert haben, fanden unter der Tapete einen aufgeklebten Zeitungs­artikel aus eben diesem Jahr. Am „Sonntag, 17. 3. Pfannenkuchenschmaus mit Tanzvergnügen“ ist darauf zu lesen. Auch auf Bratwurst und Bier muss nicht verzichtet werden. „Freundlich einladend A. Fischer.“ August Fischer, er hatte von 1878 bis 1881 sogar das Braurecht, ist der Ururgroßvater von Stefan Fischer, der heute in dem Haus für das Wohl der Einkehrer sorgt.

Wer zu spät kommt, hat Pech

„Seit Menschengedenken gibt es hier immer Essen und Getränke, mal weniger, mal mehr“, berichtet der 52-Jährige, der mit einem guten Team für gute Küche sorgt. „August Fischer und Paul Fischer, mein Urgroßvater, haben nicht ausschließlich von der Gaststätte gelebt. Sie hatten einen Viehhandel und machten ein bisschen Landwirtschaft. Richtig los ging es mit meinem Opa Herbert. Er führte mit seiner Frau zu DDR-Zeiten einen Konsum und eine Gaststätte. Jedes Jahr zur Kirmse dampften an die 30 grüne Klöße. Mehr passen nicht in den Kopf. Wer zu spät kam, hatte Pech.“

Klöße gehen auch heute aus der Küche raus. Am Wochen­ende um die 150 Stück, handgemacht. Kein fertiger Kloßteig ist zu finden. Stefan Fischers Frau schält an die 72 Kilogramm Kartoffeln aus der Region stammend. Sie sind vorwiegend mehlig kochend. Ein Drittel wird zu Brei verarbeitet, der Rest gerieben und alles mit viel Liebe verarbeitet. Mehr will Ehefrau Kerstin, gelernte Wirtschaftskauf-frau, nicht verraten.

95 Prozent Kloßgerichte bestellen die Gäste am Wochenende. Dazu wird Roulade, Sauer- oder Putenrollbraten, Wildschwein und in den Monaten mit R Fisch serviert. Wer am Sonnabend oder Sonntag Platz im Landgasthof finden möchte, sollte reservieren. „Wir sind fast immer ausgebucht“, berichtet Stefan Fischer. Gäste aus Zeulenroda, Münchenbernsdorf, Gera, Weida und aus Wetzdorf schätzen das Essen. Auch Radfahrerin Hanka Kupfernagel weiß um die Qualität der Gerichte. Mancher Durchreisende lässt sich nicht abhalten, Station zu machen und greift unterwegs zum Telefon. „Wir wollen vorbeikommen und brauchen Plätze.“

Zwischen 40 und 45 Personen können die Fischers bedienen. Im Sommer stehen noch ein paar Tische vor dem Haus. Über den regen Zuspruch freut sich das Ehepaar. „Mein Mann arbeitet auch wie ein Tier“, sagt die 51-Jährige. Er steht von früh 9 Uhr bis abends 23 Uhr in der Küche. „Zum Einkaufen fahren wir auch mal getrennt. Jeder braucht seine Ruhe.“

Bei Hoch-Zeiten in der Gaststätte kann das Ehepaar nicht nur auf die Bedienung und die zwei Küchenhilfen zählen, auch ihre vier Kinder sind sofort zur Stelle. „Die Chemie im Team muss stimmen, das Essen sowieso und ein gutes Verhältnis zum Gast. Da muss man als Koch schon mal in den Gastraum“, erklärt Stefan Fischer.

„Ich koche nur, was ich selbst esse. Dabei kann ich sehr kreativ sein.“ Firlefanz mag er nicht. Kochsendungen sieht sich Stefan Fischer schmunzelnd an. Der Hausherr mag Spinat mit Ei oder Eier mit Speck. Seine Kerstin dagegen saure Eier und Wickelklöße.

„Ich hatte im Bergarbeiterkulturhaus in Gera eine gute Ausbildung“, blickt er zurück. Schon als Jugendlicher ist er einmal in der Woche nach Wetzdorf gefahren, um seinem Opa zu helfen. Als der Vater stirbt, kommt Stefan Fischer für immer nach Wetzdorf. 1999 übernimmt er dann die Gaststätte von seiner Mutter, die auch jetzt noch mithilft „Anfangs hatten wir nur abends oder zu Familienfeiern geöffnet.“ Nach der Wende beschließt das Ehepaar, Mittagstisch anzubieten. Es muss viel Freizeit investieren, macht es gern und ist dabei erfolgreich. Dass es im Landgasthof vorzüglich schmeckt, spricht sich herum. Die Fischers sind zufrieden, wenn die Gäste zufrieden sind.

Um aufzutanken, fährt das Ehepaar einmal im Jahr 14 Tage in die Sonne, steckt dann seine Beine unter den Tisch und lässt sich von freundlichen Kellnern bedienen. „Das tut einfach nur gut“, sagt Kerstin Fischer und freut sich auf die nächste Reise.

Öffnungszeiten und Anfahrt:

Montag und Dienstag geschlossen

Mittwoch bis Freitag von 17 Uhr bis 23 Uhr

Samstag und Sonntag mit Mittagstisch von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 23 Uhr

Für Rollstuhlfahrer ist der Eingang über den Hof, dort wird bei Bedarf eine Rampe angebracht.

Telefon: (036607) 25 28,

Anfahrt von Gera auf der K 3002 (ehemalige B 2) in Richtung Saalfeld, nach Großebersdorf links abbiegen in Richtung Niederpöllnitz (K 120), der Hauptstraße folgen, in Niederpöllnitz an der Dorfbrücke der Beschilderung Richtung „Wetzdorf“ folgen,

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.