Ladeninhaberin aus Greiz: „Stricken ist das neue Yoga“

Greiz.  In unserer Serie „Selbst gemacht“ stellen wir Ihnen Kreative aus Ostthüringen vor. Heute: Christa Kausch aus Greiz. Sie weiß um die heilende Wirkung von Handarbeit.

Christa Kausch vom Geschäft Meine Masche in Greiz ist froh, dass sie ihr Geschäft nach der wochenlangen Schließung wieder öffnen kann.

Christa Kausch vom Geschäft Meine Masche in Greiz ist froh, dass sie ihr Geschäft nach der wochenlangen Schließung wieder öffnen kann.

Foto: Tobias Schubert

Mit den Boshi-Mützen ging es vor ein paar Jahren los. Frauen, die zuvor noch nie etwas mit Handarbeit am Hut hatten, griffen zu den Nadeln, strickten und häkelten drauflos.

„Da war schon ein gewisser Aufschwung zu spüren“, erinnert sich Christa Kausch, die seit dem Jahr 2000 in Greiz das Geschäft „Meine Masche“ betreibt. Zuvor hatte die seit 1990 Selbstständige ihren Laden in Plauen. Nähen, Stricken, Häkeln – vor allem Frauen haben das als Freizeitbeschäftigung für sich entdeckt. Die Kundschaft der Greizerin ist bunt gemischt. „Ein großer Teil sind ältere Frauen, die traditionell Handarbeiten machen. Entsprechend der Bevölkerungsstruktur fehlen die mittleren Jahrgänge. Dafür kommen immer mehr junge Frauen dazu“, freut sich die im vogtländischen Reichenbach Geborene.

Hobby mit gesundheitsfördernder Wirkung

Die 65-Jährige ist überzeugt, warum dieses Hobby immer mehr Anhänger findet. „Viele stricken beispielsweise, um ein bisschen runterzukommen. Es beruhigt einfach“, sagt Christa Kausch und fügt an: „Stricken ist das neue Yoga.“ Da beide Gehirnhälften beim Stricken beansprucht werden, lenke das von Sachen ab, die im Kopf herumschwirren und belasten.

Kreativität und Nachhaltigkeit

Sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung soll das Hobby haben. So würden Handarbeitskurse etwa bei der Behandlung von Burnout-Patienten eingesetzt, erzählt Kausch. Einige Krankenkassen würden das sogar bezahlen. Und die Fachfrau, die in ihrem Geschäft nicht nur Wolle, sondern auch Kurzwaren und Stricktextilien anbietet, hält Stricken & Co. auch für bestens geeignet, um ein Laster loszuwerden. „Bei der Handarbeit werden beide Hände gebraucht. Man hat keine Hand frei, kann also auch nicht rauchen“, erklärt Christa Kausch, was sie meint.

Arbeitsgemeinschaft an einer Greizer Grundschule

Für die meisten dürfte das jedoch nicht der Grund sein, sich mit Handarbeiten zu beschäftigen. Zum einen wollen viele Frauen auf diese Weise ihre Kreativität ausleben. Außerdem habe es einen besonderen Reiz, wenn die Kleidung selbst gemacht wird. „Alle reden von Nachhaltigkeit, Handarbeit ist nachhaltig. Man hat einen ganz anderen Bezug zu Sachen, die man selbst gemacht hat, geht anders damit um“, hat Christa Kausch beobachtet.

Schade findet die Geschäftsfrau, dass Kinder nicht mehr so wie früher an Handarbeiten herangeführt werden. Nadelarbeit wurde in der DDR in der Schule angeboten und viele Mädchen und Jungen haben sich dort mit diesem Hobby vertraut gemacht. „Das hat keinem geschadet“, findet sie. Heute gibt es solche Kurse an Schulen selten. Deshalb hat Christa Kausch an der Grundschule Greiz-Irchwitz eine Handarbeitsgruppe ins Leben gerufen. Und sie freut sich, dass ein paar Kinder sich dafür begeistern können.

Sockenstricken ist immer ein Thema

Vor allem in der Zeit, in der Kausch wegen der Corona-Gefahr nicht öffnen durfte, hat sie via Whatsapp Tipps gegeben, wie sich Handarbeitsfans die Zeit vertreiben können. Nun hofft sie, dass sich ihre Kunden nach der Zwangspause Wollnachschub holen. „Natürlich haben auch wir mit den Internetanbietern zu kämpfen“, sagt sie. Doch es gebe nach wie vor zahlreiche Kunden, die die Farbe der Wolle im Original sehen und sie in die Hand nehmen wollen. „Bei Wolle geht viel über das Griffgefühl“, weiß die Fachfrau, die gern Tücher, Tops, Umhängetaschen oder wie kürzlich Kissenbezüge strickt oder häkelt. Auch Socken entstehen unter den geschickten Fingern der Reichenbacherin. „Sockenstricken ist bei meinen Kunden immer ein Thema“, erzählt sie.

Attraktiv sei das Hobby mit seiner langen Tradition in den letzten Jahren auch deshalb geworden, weil die Wolle einen riesigen Entwicklungssprung gemacht habe. „Mit relativ wenig Aufwand erzielt man gute Ergebnisse“, weiß Christa Kausch. Beispielsweise gibt es Wolle mit eigenen Farbverläufen, so dass es nicht nötig ist, komplizierte Muster zu stricken. Das bedeutet: Der Erfolg stellt sich schnell ein.

Tag der Handarbeit am 3. Oktober geplant

Christa Kausch hofft sehr, dass der am 3. Oktober geplante Tag der Handarbeit in der Greizer Vogtlandhalle stattfinden kann. Dort werden den Besuchern die verschiedenen Handarbeitsarten – Stricken, Häkeln, Sticken, Klöppeln, Nähen, Filzen – vorgestellt.

Selbst gemacht

In unserer Serie „Selbst gemacht“ stellen wir Ihnen Handarbeitskreative aus Ostthüringen vor. Darüber hinaus werden wir Ihnen Anregungen geben, was Sie aus Stoff, Garn und Wolle so alles machen können.