Leiterin des Forstamtes Neustadt in Ruhestand verabschiedet

Neustadt  Roswitha Leber nach 16 Jahren in Ruhestand verabschiedet. Neuer Amtsleiter in Neustadt ist Sören Sterzik.

Sören Sterzik hat am 1. Juli die Leitung des Forstamtes Neustadt übernommen. Damit löste er Roswitha Leber ab, die sich nach 16 Jahren Tätigkeit im Neustädter Forstamt in die Rente verabschiedete.

Sören Sterzik hat am 1. Juli die Leitung des Forstamtes Neustadt übernommen. Damit löste er Roswitha Leber ab, die sich nach 16 Jahren Tätigkeit im Neustädter Forstamt in die Rente verabschiedete.

Foto: Theresa Wahl

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Mit 14 Jahren stand für Roswitha Leber fest: „Ich werde Försterin.“ Diesen Beschluss einmal gefasst, verfolgte sie ihren Weg zielstrebig. Nach dem Abitur ging es zum Studium der Forstwissenschaften an die Technische Universität Dresden. Die erste Anstellung folgte nach erfolgreichem Abschluss 1976 im Forstamt Schleiz, weitere Stationen waren die Forstämter Paulinzella, Leutenberg und Lehesten bis sie schließlich im Jahr 2002 die Leitung des Forstamtes Neustadt übernahm. Nach 16 Jahren verabschiedete sich Roswitha Leber im Juni in die wohlverdiente Rente, seit 1. Juli führt ihr Nachfolger Sören Sterzik die Amtsgeschäfte.

Blickt Roswitha Leber auf ihre Arbeitszeit zurück, ist für sie das Schönste, „dass ich meinen Beruf von Anfang bis Ende ausüben konnte. Ich habe ein 40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert. Das ist schon eine ziemlich außergewöhnliche Sache“, sagt sie. Die Zeit im Neustädter Forstamt wertet sie ebenfalls als besonders. „Es war immer mein Traum, mal eine Amtsleitung inne zu haben. Das habe ich in Neustadt geschafft“, erklärt die 65-Jährige. Gleichzeitig mache sie stolz, dieses Ziel in einem Beruf erreicht zu haben, in dem die Führungspositionen durch Männer dominiert würden. „Als ich in Neustadt die Amtsleitung übernommen habe, gab es schon Vorbehalte. Aber im Laufe der Jahre habe ich mir einen Stand erarbeitet und es ist mir gelungen, dass das Team voll hinter mir steht“, sagt Roswitha Leber rückblickend.

Diese Anerkennung hat sie nicht zuletzt auch ihrem Mut zu verdanken, ist die Geschichte der „Keiler Rosi“ – wie Roswitha Leber intern auch genannt wird – doch auch über die Grenzen des Neustädter Forstamtes hinaus bekannt geworden. „Das war mein wildestes Abenteuer“, sagt sie und lacht. Die Geschichte ereignete sich kurz nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2003. Damals kam ein Jäger auf Roswitha Leber zu und erzählte, dass ein nicht allzu großes weibliches Wildschwein verletzt im Wald liege. Sie zögerte keine Sekunde und bot an, ihn mit ihrem Hund bei der Nachsuche – das Verfolgen, Auffinden und zur Strecke Bringen von verletztem, meist angeschossenem Wild – zu unterstützen. Das verletzte Tier war schnell gefunden, allerdings handelte es sich nicht wie angekündigt um eine Bache. Stattdessen hatte sich ein 80 Kilogramm schwerer Keiler in Position gebracht. Ehe sich Roswitha Leber versah, wurde sie nicht nur vom Wildschwein verfolgt, sondern geriet auch in die Schusslinie des Jägers. „Ich habe mich umgedreht, sah, wie der Keiler hinter mir her rannte und der Jäger das Gewehr angelegt hatte. Da habe ich nur noch einen Hechtsprung ins Gebüsch gemacht. In dem Moment fiel auch schon der Schuss und der Keiler lag auf meinen Beinen“, erinnert sie sich an die aufregenden Sekunden. Eine Geschichte, die nicht nur in Erinnerung blieb, sondern der Försterin auch reichlich Respekt unter den Kollegen einbrachte.

Während ihrer 16 Dienstjahre hatte Roswitha Leber auch mit einigen Katastrophen in den zuletzt elf Revieren mit etwa 19 000 Hektar Waldfläche zu kämpfen. „Im Sommer 2003 hatten wir mit Borkenkäfern zu kämpfen, wodurch viel Schaden entstanden ist“, weiß sie. 30 000 Festmeter Wald fielen dem Ungeziefer zum Opfer, die Auswirkungen seien auch heute noch zu spüren. In den folgenden Jahren habe man durch Stürme, wie Kyrill 2007, Schneebrüche und weitere Borkenkäferplagen viele Festmeter Wald im gesamten Gebiet, das sich von Triptis bis Saalfeld, im Norden bis zur Kreisgrenze des Saale-Orla-Kreises sowie im Süden zwischen Plothen, Dreba und dem Hohenwartenstausee erstreckt, verloren. „Nach 2012 gingen dann die stillen, recht guten und produktiven Jahre los“, so Roswitha Leber. Doch auch gute Erinnerungen prägen diese Zeit. „Ein Höhepunkt war die Gründung der forstwirtschaftlichen Vereinigung im Jahr 2006 als eine der ersten in Thüringen“, sagt die ehemalige Amtsleiterin. Den Aufbau dieser habe das Forstamt begleitet und unterstützt. Die Arbeit im Privatwald, der im Neustädter Forstamt dominiert, sei ebenso spannend gewesen. Die Sanierung des Forstamtes in der Karl-Liebknecht-Straße, die 2004 begann, konnte sie nahezu abschließen. Einzig der Parkplatz wird aktuell noch hergerichtet.

Auch nach ihrer Zeit als Forstamtsleiterin wird Roswitha Leber dem Wald treu bleiben, indem die zertifizierte Naturparkführerin Wandertouren anbietet. Mehr Zeit mit der Familie, die in all den Jahren zu kurz gekommen sei, sowie Haus und Garten stünden nun ganz oben auf der Prioritätenliste.

In Sören Sterzik sieht Roswitha Leber einen „würdigen Nachfolger“. Der gebürtige Weimarer studierte wie seine Vorgängerin Forstwissenschaften an der Technischen Universität Dresden. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Forschung, absolvierte er von 2002 bis 2004 ein Referendariat bei der Thüringer Landesforstverwaltung. Seit 2007 war er als Referent im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt tätig, fünf Jahre später folgte der Wechsel in die Zentrale von Thüringen Forst als Vorstandsreferent und Sachgebietsleiter für Waldarbeit und Technik. „Als dann die Chance im Neustädter Forstamt kam, habe ich sie sofort ergriffen“, sagt Sören Sterzik. Er freue sich auf seine neue Tätigkeit, da „ich hier zwar einen Rahmen vorgegeben habe, aber die Ausgestaltung selbst bestimme“, blickt er auf künftige Aufgaben. In den ersten Wochen im Amt habe er vor allem die Reviere bereist. „Ich bin immer noch dabei, alles kennenzulernen und das wird wohl auch noch über Jahre dauern.“

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